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Wie das Oberland zu einer Öko-Modellregion werden soll

Aus der Öko-Nische ins Supermarkt-Regal

Von Alexander Bronisch

Die Anerkennung als Öko-Modellregion bekam der Landkreis Miesbach vor fast einem Jahr. Jetzt zieht Marika Kinshofer von der Standortmarketing-Gesellschaft übers Land und wirbt in den Gemeinden für die Beteiligung an dem Projekt. Nach Holzkirchen hatte Sie ein wichtiges Anliegen mitgebracht.

Seit Mai 2015: Öko-Modellregion Miesbacher Oberland / Archiv
Seit Mai 2015: Öko-Modellregion Miesbacher Oberland / Archiv

Auf der Sitzung am 3. März in Holzkirchen hatte Marika Kinshofer Gelegenheit, den Gemeinderäten das neue Modell vorzustellen. Kern ihres Anliegens: Auch Holzkirchen soll sich aktiv an der Ausgestaltung der Öko-Modellregion beteiligen und einen eigenen Projektkatalog erstellen. Zusammen mit Verbänden und Organisationen kann die Marktgemeinde dann einen „Öko-Pakt“ schließen.

Hintergrund der Öko-Initiative ist ein ambitioniertes Ziel der Bayerischen Staatsregierung. Es geht darum die Erzeugung der regionalen Ökoprodukte bis 2020 zu verdoppeln und gleichzeitig den Importanteil an Bio-Produkten zu verringern. Denn die Nachfrage in Deutschland wächst, das inländische Angebot aber bleibt dahinter zurück. Damit sich das ändert, will man die Zahl der Bio-Betriebe erhöhen und den Wert des Öko-Landbaus und regionaler Lebensmittel im Bewusstsein der Menschen verankern.

Der Lebensmittelhandel hat eine Schlüsselrolle

„Der Landkreis Miesbach eignet sich besonders gut als Öko-Region“, davon ist Kinshofer überzeugt. Die nahe Landeshauptstadt und der Tourismus böten gute Absatzmöglichkeiten. Bereits 27 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe hätten auf die ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Dass der Landkreis das Trinkwassereinzugsgebiet für die Stadtwerke München sei, habe sich als ein Motor für diese Entwicklung erwiesen.

Neue Investitionsmodelle sollen weiteren Landwirten bei der Umstellung helfen. Der Erwerb von „Genussrechten“ die eingelöst und in Naturalien ausgezahlt werden, wenn die Investition verwirklicht ist, gehört zu diesen unkonventionellen Möglichkeiten. Als konkrete Beispiele für Öko-Produkte nannte Kinshofer den Anbau von Bio-Kräutern im Leitzachtal, biologische Weiderind-Erzeugnisse, Bio-Milchprodukte aus dem Landkreis oder die Erzeugung und Vermarktung von Bio-Eiern.

Dabei komme es darauf an, den Bekanntheitsgrad regionaler Produkte zu steigern. Dem Lebensmittelhandel kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Angedacht sei ein eigenes Regal im Laden mit der Aufschrift: „Aus der Öko-Region Miesbacher Oberland“.

Warnung vor „Bio-Knechtschaft“

Doch die Kinshofer zugestandene Redezeit war scheinbar knapp bemessen. Die Referentin eilte von Punkt zu Punkt und in ebenso rascher Folge wechselten die Folien ihrer PowerPoint-Präsentation. Dennoch hörten die Holzkirchner Gemeinderäte aufmerksam zu, wie an einigen kritischen Einwürfen deutlich wurde.

So wandte Martin Taubenberger (FWG) ein, dass das Projekt seiner Meinung nach zu euphorisch sei. 75 Prozent der Erzeuger wären konventionelle Betriebe, die hochwertige Nahrungsmittel herstellen. Die freiwillige „Unterwerfung“ von Landwirten unter die Bewirtschaftungsrichtlinien der Stadtwerke München führe zur „Bio-Knechtschaft“.

Hans Putzer (SPD) bemängelte dagegen den Wirrwarr der zahllosen Öko-Sigel. Der Verbraucher kenne sich überhaupt nicht mehr aus. Meinrad Bacher (CSU) berichtete aus eigener Erfahrung von der Direktvermarktung seiner Produkte während der letzten 20 Jahre. Es sei ein schwieriger Markt, man könne sich „gerade so über Wasser halten“.

Fast ein Schlusswort war die Entgegnung von Robert Wiechmann (GRÜNE). Die Wachstumszahlen auf dem Bio-Markt seien gigantisch. „Was wir daraus machen, liegt an diesem Landkreis“.

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