Ein Umbruch in der bayerischen Esskultur
Aus “Obazda” wird “Bräubazi”

von Nadja Weber

“Obazda” – Wenn Genießer der bayerischen Esskultur dieses Gericht bestellen, wissen sie genau, was auf ihrem Teller landet. Egal, ob im Glas oder in Form von Eiskugeln serviert, das Käseschmankerl schmeckt nicht nur Einheimischen. Verwenden Gastronomen jedoch eine “falsche” Rezeptur, darf er jetzt nicht mehr als “Obazda” auf der Speisekarte stehen. Doch warum eigentlich?

Mild, frisch und leicht: Der Bräubazi
Ab heute Nachmittag steht anstelle “Obazda” der “Bräubazi” in der Speisekarte

Das Deutsche Patent- und Markenamt hat vor vier Jahren schon einmal über den „Obazdn“ entschieden. Damals ging es um die Frage seiner Herkunft und um die Rezeptur. 2011 lautete das Ergebnis: Der Begriff wird vorerst nicht geschützt. Bis jetzt.

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Die bayerische Esskultur vor ausländischen Importen zu bewahren ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Wer braucht schon Weißbier, made in China, oder Weißwürste mit fragwürdiger Fleischfüllung? Beim Obazdn, so die Meinung von Bräustüberl-Wirt Peter Hubert, ist es aber anders:

Wie kein anderes bayerisches Schmankerl trägt der Obazde die viel zitierte „Liberalitas Bavariae“ in sich.

Der Grund liegt Jahrzehnte zurück. Es gibt schlichtweg kein exakt überliefertes Rezept. Deshalb haben Köche und Gastronomen im Laufe der Zeit ihre Rezepte den Geschmäckern ihrer Kunden angepasst. Dadurch entstand die Vielfalt des heutigen Obazdn, mit und ohne Kümmel, deftig-raß oder mild-frisch. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Molkerei-Unternehmen schützt Rezeptur

Einer Molkerei aus dem Landkreis Rosenheim ist es jetzt gelungen, den Begriff “Obazda” für seine Art der Rezeptur schützen zu lassen. Demnach dürfen alle Käseschmankerl, die mit weniger als 40 Prozent Brie oder Camembert zubereitet sind, nicht mehr den bayerischen Originalnamen tragen. Dazu zählt auch die Bräustüberl-Rezeptur, die vor allem aus Frischkäse besteht.

Im Bräu hat man die Frage nach “neuer Rezeptur” oder “neuem Namen” schnell geklärt. Die milde Bräu-Variante soll ihren Geschmack behalten. Eingefallen ist der neue Name dem Wirt höchst persönlich: Bräubazi. Die Bräubazi-Rezeptur wurde übrigens von Spitzenköchen mit dem “Superior Taste Award” ausgezeichnet.

Der Feichtner Hof in Gmund oder der Gasthof zur Post in Bad Wiessee brauchen sich um eine Namensänderung keine Gedanken machen. Kurt Geiß, Geschäftsführer des Gasthofs zur Post erklärt: “Unser Obazda besteht hauptsächlich aus Camembert und Butter. So wie sich’s gehört.”

Die Grundlage des “Obazden” im neuen Biergarten in Kaltenbrunn ist ein Roquefort. Hier müssten sich also künftig auch Name oder Rezeptur ändern.

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