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Gemeinderat von Umstellung auf CO2-neutrales Erdgas überrascht

Bad Wiessee setzt auf Ökogas, Rottach nicht

Rottachs Gemeinderat entschied vergangenen Monat darüber, ob die gemeindlichen Liegenschaften mit klimaneutralem Erdgas beliefert werden sollen. Mehrheitlich wurde der Freikauf abgelehnt. Doch in Bad Wiessee machte der Vize-Bürgermeister den Deal im Alleingang.

In Rottach diskutierte man über die Umstellung auf CO2-neutrales Erdgas – in Bad Wiessee wurde es einfach entschieden / Quelle: blog.greenpeace-energy.de

So mancher Wiesseer Gemeinderat wird sich in diesen Tagen verwundert die Augen reiben, wenn er den Gemeindeboten „Bad Wiessee im Blick“ durchblättert. Was dort in der Rubrik „Im Blickpunkt“ steht, war bislang kein Thema im Gemeinderat, obwohl der Haushalt damit belastet wird. „Seit dem 1. Januar werden sämtliche, zur Gemeindeverwaltung gehörenden Liegenschaften von der Tegernseer Erdgasversorgungsgesellschaft, kurz TEG, mit klimaneutralem Ökogas beliefert“, so die Ortschronik.

Mit diesem Beitrag zum Klimaschutz werde das durch den eigenen Erdgasverbrauch erzeugte CO2 wieder „durch die Unterstützung von internationalen Klimaschutzprojekten klimawirksam ausgeglichen“. Die persönliche Klimabilanz sei so „ausgewogen“. Die Klimaschutzprojekte seien in „vielen Fällen in Schwellen- und Entwicklungsländern“. Dort lasse sich auch mit „wenig Geld viel bewegen“. Doch von Mehrkosten für die Gemeinde als Abnehmer steht in der eigenen Broschüre nichts.

Diese wurden dagegen im Gemeinderat von Rottach-Egern diskutiert, dem das Angebot der TEG, ein Tochterunternehmen des E-Werks Tegernsee, auch vorlag. Bürgermeister Christian Köck legte die Zahlen auf den Tisch. 4.500 Euro jährlich an Mehrkosten bei Nutzung des Ökogases würden für seine Gemeinde entstehen. Die ersten beiden Jahre würde sich die TEG mit je 2.000 Euro an den Kosten beteiligen. Mit diesen zusätzlichen Geldern aus dem umweltfreundlichen Erdgas sollten laut Köck Projekte für den Klimaschutz auf der ganzen Welt unterstützt werden, „ob in Indien oder anderswo“. Doch dieser Emissionshandel gefiel nicht allen im Gemeinderat.

Kein „Freikauf“ in Rottach-Egern

Manche sprachen von einem Freikauf, von einer Wiedergutmachung mit zertifizierten Projekten. Was nütze es, wenn dafür im Himalaya ein Kleinstwasserkraftwerk gebaut werden könne, obwohl man doch hier zuhause das gleiche Erdgas verheize. Das Ziel sollte nicht der Freikauf sein, sondern hier den eigenen CO2-Ausstoß mit alternativen Energien zu senken.

Wenn man die gemeindlichen Liegenschaften besser sanieren würde, wäre das Geld besser angelegt, hieß es. Dann müsse man weniger Erdgas verheizen. So sah es eine Mehrheit von 11:8 Stimmen nach einer lebhaften Diskussion in Rottach-Egern.

Wiessee hält Mehrkosten unter Verschluss

Und in Wiessee? Hier gab es im Gemeinderat weder eine Information noch eine Aussprache über die Mehrkosten, die auch sämtliche Wohnungen des Kommunalunternehmens (KBW) betreffen werden. Hier entschied Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD) eigenmächtig über einen mehrjährigen Vertrag. Das könne er auch, sagte der auf Nachfrage, denn der Betrag sei in einer „absolut vertretbaren Höhe“ und noch in seinem „Verfügungsbereich“. Die Mehrkosten jedoch wollte Huber nicht nennen, „weil dies Vertragsinhalt mit der TEG ist“. Den Betrag würde er demnächst dem Gemeinderat bekanntgeben.

„Bei uns würde eine Ablehnung zur Groteske werden“, so Huber, nachdem man sich mit viel Aufwand auf den Weg zur Nahwärmeversorgung gemacht habe, „um dem Klima was Gutes zu tun“. Und dann würde man „wegen ein paar Tausend Euro“ für das klimaneutrale Erdgas „rumtun“. Dann könne man mit allem aufhören und „brauche sich nicht mehr über Klimaschutz unterhalten“. Ob dies sein Gemeinderat auch so sieht? Die nächste Sitzung wird es zeigen.

 

 


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