Wiesseer Anwohner beklagen Zubetonierung

Bauboom reißt Wunden in den Felshang

Die Hanglage unter dem sogenannten Franzosenwald im Norden von Bad Wiessee ist begehrt. Inzwischen thronen dort Luxusvillen mit Berg- und Seeblick. Nun entsteht eine weitere Villa und die Anwohner sind maßlos enttäuscht, „was alles genehmigt wird“.

Auf annähernd 100 Metern Länge wird der felsige Hang unter dem Franzosenwald abgetragen.

Noch sehen Erika und  Walter Raab den Wallberg und den Ringberg von ihrer Terrasse. Doch nicht mehr lange. Seit Monaten bearbeiten Baufirmen mit schwerem Gerät das Hanggrundstück am Wiesseer Schmerbachgrund vor ihnen. Der ganze Fels wird auf etwa 100 Metern Länge mit dem Schlaghammer eines Baggers abgetragen. Entstehen wird dort auf dem etwa 1.700 Quadratmeter großen Grundstück laut Bauamtsleiter Helmut Köckeis ein „schon komfortables Einfamilienhaus“ mit etwa 20 Metern Länge samt Tiefgarage und Swimmingpool. Bauherr ist ein Münchner Unternehmer.

Zuvor stand dort ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1948. Die letzten Eigentümer seien im Frühjahr in die Dominikanische Republik ausgewandert, sagen die Eheleute Raab.

„Der Hang steht im Feuer“

Die 80-jährige Erika Raab befürchtet, dass der Hang instabil werden könnte, „denn der steht mehr oder weniger im Feuer“. Zuvor wurde er noch von Wurzeln zahlreicher Bäume zusammengehalten, doch „die sind jetzt alle weg“, bedauern die Raabs, die seit Jahrzehnten hier leben. Das Haus hatten die Eltern vor 60 Jahren errichtet. Dass sie jetzt „zubetoniert“ werden, hätten sie sich auf ihre alten Tage nicht träumen lassen.

Unmittelbar an der Grundstücksgrenze beginnt der Neubau.

Dem Rottacher Architekten Andreas Erlacher hätten sie ihre Bedenken wegen der Hanglage ihres Grundstücks geäußert. Denn die Wassermassen könnten nun nicht mehr ihren natürlichen Weg nehmen, da mit dem Neubau das Nachbargrundstück von oben bis unten zubetoniert werde. Der mit Spritzbeton versehene Hang werde laufend geprüft, soll Erlacher entgegnet haben.

Laut Köckeis habe der Architekt versichert, „dass die Baumaßnahme keine Beeinträchtigung für das Nachbargrundstück bringen würde“. Köckeis: „Hangrutschungen müssen natürlich verhindert werden“. Den Baulärm allerdings könne auch Erlacher als verantwortlicher Architekt nicht vermeiden.

Der nächsten Generation bleibt nur noch “zugebauter Tegernsee”

Das seit Wochen lärmgeplagte Ehepaar bedauert, dass sie von der Gemeinde nicht einmal erfahren hätte, was nebenan geplant ist, und dass das Bauvorhaben genehmigt wurde. „Nichts kam da“, moniert Walter Raab. Urplötzlich sei mit den Bauarbeiten im Juni begonnen worden.

Nachfragen beim Landratsamt hätten die Rechtmäßigkeit des Neubaus ergeben. Resignierend schaut Erika Raab nochmals aus dem Wohnzimmer nach Süden zum Wallberg: „In ein paar Jahren wird man beklagen“, prophezeit sie, „wie es geschehen konnte, dass der Tegernsee so zugebaut wird“.

Wo kürzlich noch ein Wald stand, klafft jetzt ein Bauloch.

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