Weyarn: Bauen rückt trotzdem in greifbare Nähe
Einheimischenmodell kollidiert mit Naturschutz

von Robin Schenkewitz

Bauen im Landkreis ist teuer. Nur noch wenige Kommunen weisen Baugrundstücke aus, auf denen Einheimische zu vergünstigten Konditionen bauen können. Weyarn macht derzeit neun Parzellen im Goldenen Tal baureif, auf denen Bauwerber zukünftig ihr Eigenheim errichten sollen. Dass das allerdings nicht ganz so einfach ist, musste die Gemeinde jüngst feststellen.

Hier sollen zukünftig Baugrundstücke entstehen. Doch den Behörden war der Abstand zum Wald zu gering.
Hier sollen zukünftig Baugrundstücke entstehen. Doch den Behörden war der Abstand zum Wald zu gering.

Alle zwei Jahre werden in Weyarn neue Einheimischen-Programme aufgelegt. Einheimischen Familien soll so die Möglichkeit gegeben werden, sich den Traum vom eigenen Heim erfüllen zu können, ohne dabei horrende Preise bezahlen zu müssen oder aus Weyarn wegzuziehen. Die nötigen Flächen werden in der Regel von der Gemeinde gekauft und dann an die Bauwerber weitergegeben.

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In Konflikt mit dem Naturschutz

Ein neues Grundstück im Ortsteil Naring machte jetzt aber Probleme. Denn bei der Aufstellung des Bebauungsplans kamen Bedenken des Forstamtes und der unteren Naturschutzbehörde zum tragen. Der Grund: die neue Bebauung soll zu nahm am Waldrand entstehen. Die Grundstücke liegen am Ortsrand von Naring, nördlich des Arnhofer Wegs. „Die Zeit drängt“, erklärte Bürgermeister Leonhard Wöhr in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Drei Bauwerber hätten bereits den Zuschlag erhalten zu bauen und würden sehnlichst auf den Startschuss warten.

Um das Baurecht weiter voranzutreiben, befassten sich deshalb die Räte mit den Stellungnahmen von Behörden. Einwände gegen die geplante Bebauung lagen sowohl von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt als auch dem Forstamt vor. Beide sahen in der Waldrand-Lage im Westen des Bau-Areals ein Problem. Während das Forstamt neben einer eventuellen Gefahr durch Windwurf Bedenken in Bezug auf die Bewirtschaftung durch die Waldbesitzer äußerte, sah die Untere Naturschutzbehörde durch die Bebauung einen „erheblichen Eingriff“ in die Waldrandzone.

Die derzeitige Planung stellt einen unverhältnismäßigen Eingriff in ein schützenswertes Biotop dar. Die Planung steht damit nicht in Einklang mit der Vorbildfunktion und besonderen Verantwortung einer Gemeinde zum Schutz von Biotopen und kann naturschutzrechtlich nicht genehmigt werden.

Nach einer Ortsbegehung plante die Gemeinde um. Der Kompromiss sieht nun vor, dass die Bebauung weiter in Richtung Osten rückt. Platz ist nun für vier Doppelhäuser (bisher drei) und ein Einfamlienhaus (bisher zwei). Ernst Weidl (UWG) monierte, dass besagter Waldrand in der Realität gar nicht so weit östlich liege: “Ich finde das eigentlich nicht gut, dass die Behörden sich auf die planerische Grenze berufen. Aber klar, juristisch sind sie im Recht.” Bürgermeister Leonhard Wöhr konnte dies nur bestätigen. Er vermute als Planungsgrundlage einen „virtuellen Wald, der eventuell nachwachsen könnte“. Trotz aller Einwände müsse man sich dennoch den Vorgaben beugen.

Weyarn kommt Behörden entgegen

Um der Forderung nach einer Ausgleichsfläche für das Bau-Areal Genüge zu tun, greift die Gemeinde laut Rathauschef auf ihr Ökokonto zurück, eine ökologisch aufgewertete Fläche südlich des Kieswerkes an der Galgenleite. Zudem wird der Hinweis des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim mit in den Bebauungsplan aufgenommen. Der weist Bauwerber darauf hin, dass es trotz des Rückhaltebeckens südlich des Arnhofer Wegs im Extremfall zu Überflutungen kommen könne.

Somit ist der Weg nun frei für die weitere Planungsphase. „Die größten Steine sind nun aus dem Weg geräumt“, bestätigt auch Wöhr. Allerdings werde es wohl noch einige Wochen dauern, bis dieser operative Kompromiss auch tatsächlich genehmigt wurde. Dennoch hofft der Bürgermeister, dass man den Bebauungsplan nun schnell auf den Weg bringen könne, damit die Bauwerber auch bald anfangen können. Denn die zwei Einfamilienhäuser sind bereits vergeben. Das Grundstück für das Doppelhaus soll dagegen erst für das nächste Einheimischen-Programm verwendet werden. „Wir haben also noch Puffer.“

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