Miesbacher Landrat soll Teile seiner Doktorarbeit übernommen haben

Plagiatsvorwürfe gegen Jakob Kreidl

Von Christopher Horn

Politischer Paukenschlag im Landkreis: Landrat Jakob Kreidl soll weite Teile seiner 2005 verfassten Doktorarbeit von anderen Quellen abgeschrieben haben. Die Internetplattform VroniPlag hat bislang auf 103 der insgesamt 287 Seiten abgeschriebene Stellen gefunden.

Auf manchen Seiten wurden gar 75 Prozent von anderen Autoren kopiert. Das könnte Kreidl nun sein Amt kosten.

Landrat Dr. Jakob Kreidl könnte seinen Doktortitel verlieren

Abgeschriebene Doktorarbeiten bestimmten in der letzten Zeit die deutschen Medien wie kaum ein anderes Thema. Mit Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin bis hin zur Bundesbildungsministerin Annette Schavan sind bereits einige prominente Politiker des Plagiierens überführt worden.

Nun hat es mit dem Miesbacher Landrat und Landkreistags-Präsidenten Jakob Kreidl auch einen prominenten Vertreter der Lokalpolitik erwischt. Laut Ergebnissen der Plattform VroniPlag hat er Teile seiner 2005 verfassten Doktorarbeit abgeschrieben.

Bis zu 75 Prozent Plagiat

Auf 103 der insgesamt 287 Seiten wurden bereits kopierte Stellen gefunden. „Die Funde sind eindeutig, der Landrat hat es sich offensichtlich ganz leicht gemacht“, so der Gründer der Plattform und „Plagiatsexperte“ Martin Heidingsfelder auf Nachfrage.

Der Fall scheint in der Tat eindeutig zu sein. Die Seite 162 wird beispielsweise aus einer Quelle mitsamt drei Literaturverweisen fast komplett übernommen, die Quelle selbst, eine Publikation der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, jedoch nicht genannt. Und das ist kein Einzelfall. Auch auf anderen Seiten wurden bis zu 75 Prozent der Inhalte abgeschrieben. Sogar die Gliederung hat Kreidl zu weiten Teilen aus einem anderen Buch übernommen.

Für Heidingsfelder gibt es daher nur eine klare Konsequenz aus dem Fehlverhalten des Politikers: „Er muss zurücktreten. Jemand, der bereits bei seiner Doktorarbeit nicht ehrlich war, ist einer solchen politischen Verantwortung offensichtlich nicht gewachsen.“

Wie Vroniplag aufzeigt, hat Kreidl wohl weite Teile seiner Arbeit abgeschrieben. Auf Seite 162 der Arbeit wird dies besonders deutlich

Bei der Analyse haben Vertreter von VroniPlag die Promotion des Landrats sorgfältig untersucht. In einem ersten Schritt wurde die Arbeit eingescannt, mit der gängigen Plagiatssoftware überprüft. Dann folgte die Studie der verwendeten Quellen, und ein eindeutiger Befund konnte erstellt werden. Das Fazit: Plagiat.

VroniPlag wurde im März 2011 gegründet und ist seitdem zur größten deutschen Plattform zur Überprüfung wissenschaftlicher Arbeiten aufgestiegen.

Gerüchte werden zur Gewissheit

Gerüchte über ein unsauberes wissenschaftliches Arbeiten des Landrats kursierten schon lange. Doch nun ist es Gewissheit: Kreidl, der eigentlich Diplomingenieur für Nachrichten- und Telekommunikationstechnik ist, promovierte im Jahr 2005 im Alter von 53 Jahren an der Universität der Bundeswehr Neubiberg mit einer Arbeit über den Kosovo-Konflikt.

Damals saß er bereits seit über zehn Jahren im Landtag. Die umfangreiche Analyse der Doktorarbeit kann man online nachlesen. Weitere Informationen zu diesem Thema und eine Stellungnahme von Landrat Kreidl folgen im Laufe des Tages.


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