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Bezugsfall sorgt im Bauausschuss für richtig Ärger

Bekommt Wiesseer Mammutvilla Nachahmer?

Von Sabiene Hemkes

Keiner ist es gewesen. Keiner wollte das so. Niemand mag sie. Und doch steht direkt in Bad Wiessee eine fast fertige Villa mit ungeahnten Ausmaßen direkt am Seeufer. Das weckt Begehrlichkeiten – auch bei den Nachbarn.

Der architektonisch auffallende und kaum zu übersehende Bau in der Seestraße 23 weckt Begehrlichkeiten in der Nachbarschaft.

In der gestrigen Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Bad Wiessee wurde viel über geplante Baumaßnahmen diverser Einfamilien- und Mehrfamilien-Häuser gesprochen. Besonders spannend wurde es aber gleich zu Beginn der Sitzung. Es ging um ein Neubauprojekt in unmittelbarer Seenähe. Nicht ungewöhnlich, doch die Nachbarschaft macht es spannend. Der bantragte Bau-Vorentscheid ist für die Seestraße 21. Spaziergänger und wahrscheinlich auch alle anderen Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde werden bei der Adresse hellhörig. Seestraße – war da nicht was? Ja, ganz richtig. Da gibt es eine Vorgeschichte.

Gemeinde hat den Bezugsfall geschaffen

Nur ein Haus weiter, in der Seestraße 23 wird gerade eines der umstrittensten privaten Neubauprojekte Bad Wiessees verwirklicht. Auf einem der wahrscheinlich begehrtesten Grundstücke der Gemeinde – direkt am See – entsteht derzeit ein sehr großes und für die Lage nahe Altwiessees architektonisch sehr ungewöhnliches Wohnhaus. Schon zu Beginn der Bauarbeiten gab es massiven Unmut, der sich bis heute hartnäckig in der Gemeinde fortsetzt. Auf einer Sitzung im Bauauschuss im September 2018 beweist Fritz Niedermaier (FWG) hellseherische Fähigkeiten, als er im Gremium sagt:

Die Satzung fällt uns auf die Füße, wir brauchen uns hier drin nicht mehr blicken lassen, wenn wir sowas genehmigen.

Auch wenn der Bauausschuss damals die Pläne noch ablehnte, knickten die Räte dann doch irgendwann ein. Inzwischen sind die Folgen zu spüren. Direkt angrenzend an die Mammutvilla in der Seestraße 23 plant der unmittelbare Nachbar, das dort bestehende Haus abzureißen und dafür einen Neubau an seine Stelle zu setzen. Die jetzt bei der Gemeinde eingereichten Pläne sind jedoch voller Abweichungen von der Gestaltungssatzung und des bestehenden Bebauungsplanes für das Gebiet, wie Anton Bammer, Leiter des Wiesseer Bauamtes, dem Gremium erläutert.

War zum Glück vor meiner Zeit

Zu Beginn seiner Präsentation des gestern eingereichten Projektes konnte sich Bammer eine Spitze in Richtung seines Vorgängers nicht verkneifen:

Die vorgelegten Pläne nehmen Bezug zu dem Nachbarbau in der Seestraße 23. Und ich muss es sagen: Zum Glück war diese Genehmigung vor meiner Zeit.

Der Chef des Bauamts sagte dies unter dem bestätigenden Kopfnicken der Bauausschuss-Mitglieder, das kurze Zeit später in Frustration endete.

Denn insgesamt bewertete Bammer die Pläne für das große Zweigiebelhaus mit Flachdach-Mitteltrakt – „analog“ zur Nachbarbebauung – als baurechtlich genehmigungsfähig. Denn: Vier der sechs im Vorbescheid enthaltenen Anfragen zu Abweichungen und Befreiungen beziehen sich direkt auf das genehmigte Nachbargebäude, wie der Bauamtsleiter anhand der Pläne erläutert. Abschließend erklärt Bammer: „Aus Sicht der Bauverwaltung wird die Zustimmung empfohlen“.

Räte stellen sich einstimmig gegen Bauamt

Um es vorwegzunehmen: Nicht einer der Räte konnte der Auffassung des eigenen Bauamtes auch nur annähernd folgen. Die Erteilung des Vorbescheides wurde mit 8:0 Stimmen einstimmig abgelehnt.

Vom See aus betrachtet kann man die Diemensionen schon besser einschätzen. Rechts im Hintergrund sieht man den Altbestand, der nun abgerissen werden soll. 

Kurt Sareiter (CSU) zeigte sich verärgert, da sich die Bebauung in der Seestraße als „völlig unpassend“ für die Lage am See und in direkter Nähe zu Altwiessee erweise. Die Wiesseer Bürger seien zurecht „völlig verärgert“. Solche Häuser, wie auch das jetzt geplante, passen einfach nicht in den Ort, brachte Sareiter seine Ablehnung auf den Punkt. Auch Bernd Kuntze-Fechner von der SPD bezog in der Diskussion klar Stellung gegen die Erteilung des Vorbescheides: „Es ist mir immer noch völlig unerklärlich, wie wir so einen Bau jemals genehmigen konnten. Das darf uns nicht noch einmal passieren.“

Besonders die Dimension des Baukörpers, der Querbau zwischen den beiden Gieblkörpern, mit dem Flachdach, die Dachneigung und das Kellergeschoss mit seiner „dreigeschossigen Anmutung“ stießen auf massive Kritik bei allen Räten. Der Vertreter der Grünen im Gremium, Johannes von Miller, stimmte ebenfalls seinen Vorrednern zu. Es seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, dessen Folgen man nun zu spüren bekomme, und ergänzt:

Über Details kann man immer reden. Aber wir haben einen Bebauungsplan.

Wie das Bauvorhaben in der Seestraße 23 im Rahmen dieser Vorgaben genehmigt werden konnte, bleibt auch ihm unklar.

Man kann auch schön bauen in Bad Wiessee

Etwas versöhnlicher dem vorliegenden Antrag gegenüber wollte sich dann Johann Zehetmeier (Freie Wählergemeinschaft) nähern. Man dürfe den neuen Bauherrn nicht für die eigenen Fehler „büßen“ lassen. Aber auch ihm gefallen die Pläne architektonisch gar nicht.

Kühn versuchte sich dann noch in einer „wertneutralen Betrachtung“ des Vorhabens, stimmte aber schlussendlich ebenfalls gegen das Projekt – mit der Bemerkung: „Man kann auch schön bauen in Bad Wiessee.“ Damit geht das „analoge Projekt“ in der Seestraße 21 in die Warteschleife.


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