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Ein Kommentar zur Asylbewerberpolitik im Tal

Besser spät als nie

Von Christopher Horn

Immer mehr Flüchtlinge aus Krisengebieten kommen in den Landkreis Miesbach. So werden auch die Unterkünfte immer voller und der Druck auch auf das Tegernseer Tal, mehr Solidarität zu zeigen, steigt.

Lange hatten die Politiker hier im Tal nur mit den Schultern gezuckt und auf fehlende Unterbringungsmöglichkeiten verwiesen. Doch kaum wächst der Druck von oben, werden plötzlich Lösungen präsentiert.

Bislang sind in den Talgemeinden nur wenige Asylbewerber untergebracht. Jetzt ändert sich die Situation.
Bislang sind in den Talgemeinden nur wenige Asylbewerber untergebracht. Jetzt ändert sich die Situation.

Ein Kommentar von Christopher Horn
256 Flüchtlinge sind derzeit im Landkreis Miesbach untergebracht. Im Tegernseer Tal sind es aber nur ganze 18. Und das obwohl 25 Prozent der Einwohner des Landkreises Miesbach im Tegernseer Tal leben. Der Beitrag der Talgemeinden ist also gering. Lange Zeit konnten sich die hiesigen Politiker um ihre Verantwortung drücken, mehr Solidarität mit den restlichen Kommunen des Landkreises und natürlich mit den Flüchtlingen zu zeigen.

„Wir haben alles versucht, aber leider haben wir keine Unterkünfte“, lautete die wohlfeile Ausrede der Talbürgermeister. Und das obwohl auch die Verantwortlichen im Miesbacher Landratsamt schon länger mehr Engagement von Seiten des Tals fordern. Seit zwei Wochen ist klar: Die Ausflüchte der Taloberen greifen nicht mehr. Die Regierung von Oberbayern hat den Druck nochmal erhöht.

Und das ist auch bitter nötig. Laut aktueller Zahlen wird die Zahl der Asylbewerber, die der Landkreis Miesbach aufzunehmen hat, bis Ende des Jahres auf über 400 steigen. Also drohte die Regierung von Oberbayern mit der Inanspruchnahme der Dreifachturnhalle am Tegernseer Gymnasium und der gerade neu errichteten Halle an der Gmunder Realschule als Notunterkünfte für die Asylbewerber.

Den Supergau vermieden

Für die Politiker im Tal wäre das der Supergau. Aufgebrachte Eltern, die vor den Rathäusern stehen und sich darüber ärgern, dass ihre Kinder den Sportunterricht verpassen. Wütende Briefe auf den Schreibtischen. Böswillige Anrufe. Um dieses Schreckensszenario abzuwenden, zaubern die Bürgermeister plötzlich eine andere Lösung aus dem Hut. Tegernsee bietet großzügig die alte städtische Turnhalle, Gmund die Seeturnhalle als Notunterkunft an. In Bad Wiessee wird gar geprüft, ob die Wandelhalle als vorübergehende Herberge dienen kann. Mit Eilentscheidungen werden Fakten geschaffen.

Nun könnte man im ersten Moment lobende Worte finden. Denkt man genauer nach, drängt sich aber auch die Frage auf, weshalb das so lange gedauert hat. Sowohl die städtische Turnhalle in Tegernsee als auch die Seeturnhalle in Gmund werden selten genutzt. Vor allem die Gmunder Halle steht seit Jahren mehr oder weniger leer.

Die beiden Gebäude drängen sich also geradezu als Notunterkünfte für Asylbewerber auf. Trotzdem dauerte es Monate, bis sie als Herbergen in Erwägung gezogen wurden. Dazu brauchte es erst den Druck von Seiten der Regierung von Oberbayern. Dabei hätten die Talgemeinden sich schon viel früher solidarisch zeigen können. Die Einsicht kommt spät. Aber besser spät als nie.

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