Besonders ältere Menschen im Fokus
Bettler-Banden terrorisieren Weyarn

von Robin Schenkewitz

Aggressive Bettler-Banden setzen derzeit die Bürger in Weyarn unter Druck. Besonders ältere Menschen werden von den Osteuropäern massiv an der Haustür bedrängt.

Die Polizei ist informiert, kann allerdings nur wenig ausrichten. Die Bürger leben mittlerweile in Angst.

Die Weyarner Wohngebiter bekommen derzeit fast täglich beuscht von Bettler-Banden
Die Weyarner Wohngebiete bekommen derzeit fast täglich Besuch von Bettler-Banden

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Seit vergangener Woche sind die Bürger von Weyarn in Aufruhr. Aggressive Bettler-Banden ziehen durch die kleine Gemeinde und bedrängen die Anwohner an den Haustüren. „Dort wird dann sehr fordernd nach Geld oder Lebensmitteln gefragt“, berichtet Polizeihauptkommissar Peter Wabnitz von der Holzkirchner Polizei. Darüber hinaus sind die Bettler auch nicht leicht von der Haustür zu vertreiben. Als ein Weyarner seine Tür schließen wollte, habe die Bettlerin den Fuß zwischen die Tür gestellt um das zu verhindern, berichtet Wabnitz.

Um die Bewohner zusätzlich einzuschüchtern, kommen die Bettler immer in der Gruppe. Aus purer Angst würden viele Bürger daraufhin spenden, erklärt der Polizeihauptkommissar. „Besonders alte Menschen werden dadurch übervorteilt“, so Wabnitz. Dabei rät die Polizei dringend davon ab, den Bettler-Banden Geld zu spenden. Langfristig wird man die Banden so nicht los, sondern verschlimmert die Situation nur. Potentielle Spender werden von den Banden immer wieder gezielt aufgesucht, weiß der Experte.

“Man muss inzwischen Angst haben”

“Sie kommen nur um die Häuser auszuspekulieren und wenn man nicht öffnet, ziehen sie laut schimpfend weiter”, weiß Alois Znika, Anwohner am Schmiedberg. Immer mehrere junge Männer wären mit einem Transporter unterwegs und würden gezielt durch die Straßen im Wohngebiet fahren, um festzustellen wer wann zuhause sei. Vor allem für ältere Leute und Familien mit Kindern wäre es keine angenehme Situation. In der Dorfbäckerei Perkman sind sich die Weyarner einig: “Man muss inzwischen Angst haben.”

Für eine junge Familienmutter liegt das Problem mit den organisierten Banden an der “Nähe zur Autobahn”. Auch die gewerblichen Altkleidersammler, die regelmäßig und “unaufgefordert Plastikkisten in die Vorgärten” stellen, bewertet sie als “nicht seriös”. Am hartnäckigsten würden meistens Frauen, mit Fotos und “Zettelchen”, betteln.

Die Anwohner misstrauen auch den gewerblichen
Die Anwohner misstrauen auch den gewerblichen Altkleidersammlern

Die Beamten können den Betroffenen nur wenig helfen. Denn Betteln ist Deutschland grundsätzlich nicht verboten. „Wenn Sie gefälschte Bettelkarten dabei haben, können wir sie wegen Betrugs belangen. Bei häufigeren Besuchen auch wegen Verdachts auf Hausfriedensbruch“, erläutert Wabnitz die Palette an Maßnahmen der Polizei.

Stumpfe Waffen, wie der Polizist allerdings selber zugibt. Daher rät die Polizei Betroffenen die Bettler höflich, aber bestimmt aufzufordern zu verschwinden. Wirklich einschreiten kann die Polizei erst, wenn die Täter in Grundstücke oder Wohnungen eindringen und dort stehlen. Dennoch ist es laut Wabnitz wichtig, dass sich die Bürger bei der Polizei melden. Auch wenn die Bettler bei der Ankunft meist schon verschwunden sind. „Die kriegen das natürlich mit, wenn wir kommen“, weiß der Polizist.

Organisierte Kriminalität

Mitleid ist aus Sicht der Polizei völlig unangebracht. Die Bettler seien zwar arm, aber keineswegs notleidend. Sie würden mittels Bussen meist aus osteuropäischen Ländern abgeholt und gezielt in die Ortschaften gefahren um dort zu betteln. Am Abend würden sie wieder abgeholt und das Geld wird ihnen von den Hintermännern abgenommen.

Das Renterehepaar Renate und Martin Völtel kennt inzwischen alle Tricks. Zu Anfangs hätten sie den “hungernden” Bettlern Lebensmittel angeboten, die diese jedoch ablehnten. Auf eine Spende von zwei Euro hätten sie frech nachgefragt: “Nicht mehr?”. Seitdem weiß das Ehepaar, dass “da mehr dahinter steckt”. Tatsächlich würde meist um die Ecke ein Sprinter warten. Renate Völtel öffnet inzwischen nur noch ungern die Haustür, wenn sie allein ist. Da habe sie ein “mulmiges Gefühl”.

Die Bettler an der Haustür seien nur die letzten Glieder einer Betrügerkette, meint Wabnitz. Daher versucht die Polizei nun vermehrt mittels Observation den Hintermännern auf die Spur zu kommen, wenn diese die Bettler wieder abholen. „Denn hier sprechen wir von organisierter Kriminalität“, stellt Wabnitz klar.

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