Kreuther Bürgermeister schimpft über Vollsperrung

Bierschneider: „Das ist vollkommen hirnrissig“

Normalerweise geht es in Kreuth vergleichsweise friedlich zu. Keine großen Aufreger, keine Streitereien im Gemeinderat. Doch bei der gestrigen Bürgerversammlung musste Bürgermeister Josef Bierschneider seinem Ärger Luft machen. Der Anlass: eine „hirnrissige“ Straßensperrung.

Die Strecke zwischen Scharling und Kreuth muss fünf Nächte lang komplett gesperrt werden.

Die diesjährige Bürgerversammlung der Gemeinde Kreuth verlief – wie immer – größtenteils ruhig. Zahlreiche Besucher folgten der Einladung in die Naturkäserei und lauschten dem Bericht ihres Bürgermeisters Josef Bierschneider. Der gab sich sichtlich zufrieden mit dem vergangenen Jahr. Vor allem betonte er immer wieder seine Dankbarkeit für das Engagement der ehrenamtlichen Helfer und die gute Zusammenarbeit innerhalb des Gemeinderates.

„Wir werden zwar beim Starkbieranstich immer wieder belächelt, dass sich hier in Kreuth nix rührt. Aber ich glaube, wir brauchen keine Situationen wie in anderen Nachbargemeinden, wo nur gestritten wird. Da ist es mir so lieber“, sorgte der Rathaus-Chef für einen Lacher. Doch trotz der harmonischen Stimmung im Bergsteigerdorf, kam gestern auch ein Thema zur Sprache, das sowohl beim Bürgermeister als auch bei den Zuhörern für Unmut sorgt.

Straßenbaufirma hat’s verbockt

Konkret geht es dabei um die angekündigte Sperrung der Bundesstraße. Risse und Rillen durchziehen die Strecke zwischen dem Ortskern von Kreuth und dem Ortsteil Scharling. Die Straße muss deshalb saniert werden – mal wieder. „Der Bund hat bereits vor zwei Jahren die Straße zwischen der Käserei bis nach Kreuth sanieren lassen“, so Bierschneider bei der Bürgerversammlung.

Doch warum ist dann erneut eine Sanierung notwendig? „Der Teil zwischen Ortskern und Scharling wurde mangelhaft gemacht. Jetzt soll das im Rahmen der Gewährleistungsfrist bereinigt werden. Die Straße muss also wieder abgefräst und neu asphaltiert werden.“ Vor zwei Jahren seien solche Arbeiten noch relativ einfach gewesen. Doch die Sicherheitsvorschriften haben sich mittlerweile so verschärft, dass aus einer simplen Sanierung nun eine Komplettsperrung wird.

Der Grund: zwischen der Baustelle und dem vorbeifahrenden Verkehr muss nach diesen neuen Vorschriften jetzt mehr Abstand bestehen. Daher könne man nicht erst die eine und dann die andere Seite sanieren. Eine Vollsperrung muss her. Fünf Tage lang soll die Bundesstraße zwischen Kreuth und Scharling ab 19 Uhr bis sechs Uhr morgens komplett gesperrt werden. Angepeilt sei derzeit der Zeitraum zwischen dem 13. und 18. Mai.

Kreuth muss fünf Nächte geduldig sein

„Für mich ist das absolut nicht nachvollziehbar, aber damit müssen wir jetzt eben einfach leben“, so Bierschneider. Das Problem sei natürlich, dass all diejenigen, die südlich der Baustelle wohnen und vor sechs Uhr morgens zur Arbeit müssen oder nach sieben Uhr abends heimkommen, festsitzen.

Es geht nicht, dass die Leute eingesperrt werden. Das Straßenbauamt sollte sich deshalb eine Alternative überlegen.

Die Lösung soll nun ein Shuttlebus sein, der zwischen Hirschbergliftparkplatz und Wildbad Kreuth pendelt. „Nähere Informationen haben wir aber bis heute immer noch nicht.“ Bierschneider ist sauer:

Ich kann es wirklich nicht verstehen, dass wir in Deutschland solche Regelungen einführen, sodass irgendwelche Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten werden. Das ist vollkommen hirnrissig.

Nach dem Vortrag des Bürgermeisters durften sich dann auch einige Zuhörer zu Wort melden. Die wollten natürlich wissen: Wie komme man als Einheimischer abends wieder heim, wenn man morgens mit dem Shuttlebus vor sechs Uhr zu Arbeit fahrt, dann aber vor 19 Uhr nach Hause fahren will? Dann stünde man abends ohne Auto da und kommen nicht heim.

Keine andere Lösung

Bierschneider schien es fast schon unangenehm zu sein, diese Frage zu beantworten. Denn die Lösung für dieses Problem kam bei den Kreuthern nicht sonderlich gut an. Personen, die nur einmal am Tag gezwungen sind, den Shuttlebus zu nehmen, müssen dann nämlich auch für die andere Strecke den normalen Linienbus nehmen. „Betroffene Personen können ihr Auto nur bei Scharling stehen lassen und die restlichen Strecken mit dem Bus fahren.“

Es gebe keine andere Möglichkeit – auch keine Umfahrung. „Wir hatten eine große Besprechung mit der Polizei, dem Straßenbauamt und dem Landratsamt. Wir haben nach Lösungen gesucht, dass wir eine Sperrung verhindern. Wir als Gemeinde haben wirklich dafür gekämpft. Aber uns wurde keine andere Möglichkeit angeboten.“ Ihm sei bewusst, dass es ein großes Problem für viele sei. „Aber wir haben bereits alles versucht.“


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