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Kreuth im Kampf um Übernachtungen

Bierschneiders Sorgenkinder

Ob Wanderer-WC oder Wanderparkplatz-App – die Gemeinde Kreuth muss nach der Schließung der Hanns-Seidel-Stiftung den Einbruch der Übernachtungszahlen wieder wettmachen. Besonders ein Ziel gilt es zu erklimmen: Das Prädikat “Bersteigerdorf”.

Josef Bierschneider, Bürgermeister von Kreuth, setzt auf “nachhaltigen” Tourismus.

Vor allem den Tourismus stellte Kreuths Bürgermeister bei der Bürgerversammlung in den Mittelpunkt, denn die Gemeinde will das werbewirksame Prädikat „Bergsteigerdorf“ erreichen. Eine Entscheidung des Alpenvereins soll am 22. Mai fallen.

„Wir haben viel Geld in die Hand genommen“, sagte Josef Bierschneider (CSU) vor etwa 60 Zuhörern im Schützenhaus, als er die Projekte zur „Verbesserung der Touristeninfrastruktur“ ansprach. Waren es im vergangenen Jahr vor allem Wanderwege und Lawinenverbauungen, die saniert wurden, so wird es auch in diesem Jahr deutlich mehr Komfort für Touristen geben.

So soll ein weiteres öffentliches WC am Großparkplatz in Wildbad Kreuth installiert werden. Dies sei zwar schon 2016 geplant gewesen, so Bierschneider, aber jetzt könne der Abwasserzweckverband des WC an den Kanal anschließen. Auch für Wanderer zum Hirschberg sind Verbesserungen geplant.

Nachdem wir in Scharling das Problem haben, dass die Gehwege zugeparkt werden, haben wir von privater Seite die Möglichkeit bekommen, einen Parkplatz parallel zur Allee zu errichten.

Auch hier werde ein WC für die Wanderer gebaut. Dies schaffe wieder eine „Verbesserung der Situation“. Erleichtert werde auch das bargeldlose Zahlen an den Wanderparkplätzen ab Freitag mit einer Handy-App. Zu mehr Komfort gehöre auch, dass nun den Übernachtungsgästen Freifahrten mit den RVO-Bussen im ganzen Landkreis angeboten werden.

Wildbad Kreuth wird wieder Sanatorium

Da Kreuth eben sehr auf den nachhaltigen Tourismus setze, ist es Bierschneiders ganzes Bestreben in den Kreis der DAV-Bergsteigerdörfer aufgenommen zu werden. Zu ihnen gehören in Bayern bereits Ramsau, Schleching und Sachrang. Weitere 20 gebe es in Österreich. „Die Entscheidung des internationalen Steuergremiums über die Bewerbung Kreuth fällt am 22. Mai“, verkündete Bierschneider. „Wir bauen keine großen Anlagen in den Berg, sondern denken an unsere Nachkommen“.

Kreuths Bürger lauschten den Worten des Bürgermeisters.

Deswegen glaube er, dass „Kreuth gut in dieses Projekt passt“. Dies sei für den Ort die Chance, zusätzliche Gäste zu gewinnen. Denn die hat die Gemeinde dringend nötig, da im vergangenen Jahr die Übernachtungszahlen „erheblich“ eingebrochen sind. Diese knapp 14 Prozent weniger an Übernachtungen sei aber der Schließung der Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth geschuldet.

Wildbad Kreuth wird wieder Sanatorium

Da Bierschneider schon beim Thema war, erwähnte er die Zukunft des nun schon über ein Jahr leer stehenden Gebäudekomplexes von Herzogin Helene in Bayern. „Seit letzten Sommer laufen intensive Verhandlungen der Herzogin mit einem Investor“, so Bierschneider. Er hoffe, dass diese „bald“ zu einem Abschluss kommen und der Umbau beginne.

Das Gebäude soll zurück zu seinen „ursprünglichen Wurzeln“ von 1821 und wieder ein Sanatorium werden. An der sichtbaren Ostfassade werde es keine großen Veränderungen geben. Diese würden aber an der Westseite erfolgen. Das Schwimmbad soll abgerissen und durch einen Bettentrakt ersetzt werden.

Krankenanstalt ist Bierschneiders Sorgenkind

„Sorgenkind“ aber bleibt für Bierschneider die Krankenanstalt Dr. May. „Das Kaufangebot der Gemeinde scheiterte, weil der Eigentümer nicht darauf einging“, sagte der Rathauschef. „Wenn wir den gewünschten Preis bezahlen würden, könnten wir unsere gesteckten Ziele nicht verwirklichen“. Die Gemeinde will dort sozialen „Geschosswohnungsbau“ verwirklichen und kleineren Handwerksbetrieben eine Existenz schaffen.

Man gebe sich „aber nicht geschlagen“ und die Möglichkeiten des Baurechts nutzen, um die künftige Nutzung des Geländes „zu steuern“. Dies bisherigen Interessenten hätten bisher nur Interesse für den Bau von Eigentumswohnungen gezeigt. „Genau das wollen wir nicht“, versicherte Bierschneider. Dazu passte auch die Frage des Kreuther Bürgers Peter Gloggner nach Bierschneiders Tour d’Horizon.

Was die Gemeinde, ähnlich wie in Rottach-Egern, gegen die zunehmende Verbauung durch Bauträger unternehmen könne? „Leider sind auch in Kreuth Einheimische dabei ihre Grundstücke an Bauträger zu verkaufen, um möglichst viel herauszuschlagen“, musste Bierschneider einräumen. Doch das Problem sei in seiner Gemeinde „nicht ganz so präsent wie in Rottach, wo eine andere Baustruktur vorherrscht.

Bierschneider warnt vor nationalistischen Strömungen

Neben den qualifizierten Bebauungsplänen vor allem im Ortsteil Weißach, gebe es in Kreuth überwiegend die kleinteilige Bebauung. Und hier greife die Satzung für den Innenbereich. Neubauten müssen sich an den bestehenden Nachbarhäusern ausrichten. Dies sei in Rottach mit den großen Häusern und Villen anders. „Kreuth steuert ungewünschte Baulandausweisungen von Bauträgern so, dass wir unser Einvernehmen verweigern“, betonte Bierschneider, „wir lassen es lieber auf einen Rechtsstreit ankommen“.

Und da habe er die Erfahrungen gemacht, dass die Bauträger lieber zurückziehen als es auf einen Rechtsstreit „durch alle Instanzen“ ankommen zu lassen. Nach gut einer Stunde war die Bürgerversammlung beendet. Zuvor hatte Bierschneider mit Blick auf die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden noch appelliert, nicht Populisten und ihren alternativen Fakten zu erliegen. Langer Beifall.


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