Bitterer Beigeschmack bei Prämierung

Der Bund Naturschutz (BN) ehrt im Mai zwei Jäger mit der Karl-Gayer-Medaille. Einer von ihnen ist Robert Wiechmann. Zwar ermittelte gegen den Holzkirchner und seinen Jagdkollegen bereits die Staatsanwaltschaft. Doch sie stellte die Ermittlungen ein. Der BN aber will die Auszeichnung durchziehen. Engagierte Jäger halten das für unangebracht.

Robert Wiechmann selbst möchte sich nicht mehr zu dem eingestellten Verfahren äußern.
Wiechmann selbst möchte sich nicht mehr zu dem eingestellten Verfahren um den Abschuss eines Steinbocks äußern.

Am 4. Mai werden unter anderem Peter Lechner und Robert Wiechmann „wegen ihrer Verdienste bei der naturgemäßen Waldwirtschaft, bei der Umsetzung des Grundsatzes Wald vor Wild und beim Waldumbau vom BN mit der Karl Gayer-Medaille“ geehrt. So steht es auf einem Handzettel des Bund Naturschutz zur Feier in Holzkirchen. Und weiter: „Die Karl Gayer-Medaille wird seit 1977 vom BN in unregelmäßigen Abständen an Forstleute oder Waldbesitzer verliehen, die sich vorbildhaft für den naturgemäßen Waldbau eingesetzt haben“.

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Weit fahren muss Revierförster Wiechmann nicht zur Preisverleihung. Er ist Grüner Gemeinderat und Dritter Bürgermeister der Marktgemeinde. Doch gegen die Ehrung regt sich Widerstand. Denn Wiechmann hatte am 6. November 2002 als Jäger am Sudelfeld einen kapitalen Steinbock geschossen.

Steinbock statt Gämse geschossen

Das streng geschützte Tier soll Wiechmann „angeblich mit einer Gämse verwechselt haben.” Allerdings wurden daraus “keinerlei Konsequenzen gezogen“, äußert ein namhafter Waidmann gegenüber der Holzkirchner Stimme. Bestätigt wird der damalige Vorfall von Birger Nemitz, dem Pressesprecher des Landratsamtes:

Nach dem Vorfall hatte Herr Wiechmann unverzüglich Selbstanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft München II hatte in der weiteren strafrechtlichen Verfolgung dieses Verstoßes gegen das Bundesjagdgesetz kein öffentliches Interesse gesehen und das Verfahren eingestellt. Der „Unrechtsgehalt der fahrlässig begangenen Tat“ wurde als gering angesehen.

Robert Wiechmann sieht in der Anfrage der Holzkirchner Stimme das Bemühen, „Geschichten wieder aufbereiten zu wollen, die vierzehn Jahre her sind. Ich bitte aber um Verständnis, dass es von meiner Seite zu dem damaligen Steinbockabschuss wirklich rein gar nichts mehr zu sagen gibt“. Mit der Ehrung würdige der BN „seine berufliche Leistungen im Privatwald. Jedweder Versuch, einen anderen Zusammenhang herzustellen, wirkte wohl doch eher etwas bemüht“.

Drückjagd führte zu umfangreichen Ermittlungen

Auch der zweite Jäger, der die diesjährige Auszeichnung erhalten soll, hat eine Vorgeschichte. Peter Lechner, Revierleiter vom Forstamt Schliersee, geriet ebenfalls zunächst in das Visier von Ermittlern. Pressesprecher Nemitz: „Dieser Vorfall ereignete sich im Jahr 2014. Herr Lechner hatte seinen Jagdschein über einen Zeitraum von neun Monaten nicht gelöst.”

Auch hier hat die Staatsanwaltschaft die Vorgänge geprüft, aber kein öffentliches Interesse an einer weiteren Verfolgung erkannt“. Lechner auf Anfrage:

Ich habe ein Jahr die Jagd ruhen lassen und in dieser Zeit nicht gejagt. Meine Munition hatte ich auch bei einem Kollegen eingelagert. Mein Fall wurde sogar zweimal von der Staatsanwaltschaft aufgegriffen. Zuletzt im vergangenen Jahr, da ging es um eine Drückjagd, an der ich aber nur als Treiber tätig war.

In diesem Fall sei er auch von der Polizei in Miesbach befragt worden, die die Ermittlungen dann einstellte. Über den Fall hatte die Tegernseer Stimme berichtet. Bei der Drückjagd im November 2014 waren drei führende Muttertiere geschossen worden. Eigentlich ein Vergehen gegen das Jagdgesetz, doch auch hier stellte die Staatsanwaltschaft München II das Verfahren gegen zwei beschuldigte Jagdteilnehmer ein.

Der Grund: man habe den Tatnachweis nicht führen können, da verwaiste Kälber im Revier nicht festgestellt worden seien. „Für die Beschuldigten war unter anderem nicht vorhersehbar“, so Staatsanwalt Ken Heidenreich damals auf mehrere Nachfragen, „dass das von den Jägern erlegte Tier kälberführend war“.

Lechner versichert zwar, in dem Fall von 2014 nicht selbst geschossen und nur als Treiber mitgewirkt zu haben. Jagdteilnehmer bestreiten dies allerdings. Doch für die Ermittlungsbehörden ist der Fall endgültig erledigt. Ein bitterer Nachgeschmack aber bleibt bei etlichen Jägern. „Man muss sich nicht alles gefallen lassen“, schreibt einer erbost.

Kein Problem damit hat der Landesvorsitzende vom BN, Prof. Hubert Weiger gegenüber der Holzkirchner Stimme: „Der BN sieht keine Veranlassung von einer Auszeichnung der Herren Peter Lechner und Robert Wiechmann für ihre großen Verdienste für naturnahe Wälder abzusehen“.

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