Bauprojekt der Kirinus-Klinik
Bekommt die Tiefgarage ein “Topping”?

von Martin Calsow

Kirinus-Betreiber Ludwig Klitzsch will Platz schaffen für die Autos seiner Kundschaft. Eine Tiefgarage soll her. Jetzt hat der Bauausschuss getagt.

Der Alpenpark erweitert seinen Parkraum – und danach?

Update – 23.04.2021 – 15.10 Uhr

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In der Bauausschuss-Sitzung bestätigte der CSU-Fraktionsvorsitzende Florian Sareiter, was die Tegernseer Stimme am Nachmittag berichtete. “Uns hat die Geschäftsführung der Kirinus-Klinik beim Ortstermin in der letzten Woche bestätigt, dass die Statik der Tiefgarage so konzipiert wird, dass ein Haus darauf gesetzt werden kann.”

Aber wie auch in der vergangenen Gemeinderatssitzung, in der der Bürgermeister vorsichtshalber die Öffentlichkeit über diese Möglichkeit nicht informierte, wurde auch diesmal diese entscheidende Frage nicht diskutiert. Man blieb bei Formalien.

Das Gremium war sich nur nicht einig, ob man schon über etwas abstimmen könne, was hinterher durch Beschlüsse oder Gutachten des Landratsamts wieder hinfällig sei. Deutlich wurde das Bestreben der CSU, diesen riesigen Baukörper in der Wiese neben der Klinik möglichst schnell zu realisieren. Warum diese Eile nur?

Ursprünglicher Artikel vom 22.04.2021 mit der Überschrift: „Bleibt es bei der Tiefgarage …“

Manchmal reicht nur ein Wortbeitrag, und man wacht aus einem Dämmerschlaf in einer Gemeinderatssitzung auf. Letzten Donnerstag in Bad Wiessee. Bauamtsleiter Bammer stellt ein Projekt der Kirinus-Klinik (Alpenpark) vor. Die liegt wesentlich auf Kreuther Gemeindegebiet. Nur ein Parkplatz befindet sich auf Wiesseer Seite. Der Eigentümer Ludwig Klitzsch will einerseits sein Unternehmen vergrößern, andererseits braucht er, so die Argumentation, dafür eine Tiefgarage. 2000 Quadratmeter sollen es sein. Neun Meter in die Tiefe soll gegraben werden, Platz für über 160 Stellplätze geschaffen.

So weit, so Tal-normal. Aber kaum beendet Bammer seinen Vortrag, kommt Florian Sareiter, CSU-Fraktionsvorsitzender mit einer Wortmeldung im Gemeinderat. “Tolles Projekt. Unbedingt unterstützenswert. Klasse, dass jetzt jedes Krankenbett sozusagen einen Stellplatz habe”, lässt sich der Sparkassenangestellte ein.

Das ist der Moment, wo der Außenstehende stutzt. Warum die Begeisterung? Steuern von der Klinik bekommt doch nur Kreuth, für die Tiefgarage gibt’s für den Nachbarn Wiessee kaum etwas. Warum also diese hemmungslose Unterstützung seitens der CSU in Person von Florian Sareiter?

Geht man ins Detail und fragt hier und da mal im Tal nach, tauchen interessante Details auf. Zum einen ist nicht klar, ob diese Wiese, in der das Tiefgaragen-Monster eingefressen wird, im Außenbereich liegt. Das sieht das Landratsamt derzeit so.  Egal. Klitzsch möchte hier eher offiziell eine Baulücke auffüllen. Wir haben den Klinikchef mehrfach kontaktiert und ihm Fragen zukommen lassen. Aber sie blieben unbeantwortet.

Eine Win-Win-Situation?

Man fragt sich, ob hier nur ein Parkproblem gelöst werden soll und erfährt von anonymer Seite, dass man auf eine Tiefgarage ja noch zu einem späteren Zeitpunkt ein Gebäude, zum Beispiel ein Ärztezentrum errichten könnte. Dieses wieder würde für die finanziell angeschlagene Kurgemeinde gerade recht kommen. Warum?

Nun, die SME, die so ein Ärztezentrum auf dem Gelände des alten Jod Schwefel Bads errichten wollte, ist ja ein Auslaufmodell. Wie praktisch, wenn statt eines Onkel-Doktor-Haus, reine Wohnbebauung dort entstehen könnte. So viele Ärzte will man dann ja doch nicht im Ort haben, soll ja jeder leben können von den Kranken und Siechen. Das wäre quasi eine Win Win Situation: Hier die klamme Gemeinde, die durch die Hintertür einem lange im Ort verwurzelten und einigen Parteien, wie man hört, sehr wohlgesonnenen Unternehmer wie Klitzsch hilft, sein Geld zu mehren und davon auch steuerlich profitiert.

Künftig sollen die Autos unter der Erde parken – denn zu viele Oberklasse-Autos nehmen Platz weg

Wer aber gewinnt nichts dabei? Nun, da wäre zuallererst die Natur. Der Bau für die Autos versiegelt an einer Hanglage massiv Fläche, mit seiner Tiefe greift er, so Kritiker, erheblich in die Grundwasserströme ein. Kurz: hydrologisch ist das ein riskantes Projekt. “Noch gibt es dazu kein Gutachten des Wasserwirtschaftsamt Rosenheim”, so Bauamtsleiter Bammer in der Sitzung. Genau das aber möchte der Grüne-Rat Johannes von Miller gern abwarten. “Mir erscheint der Komplex schon sehr groß. Auch das Niederschlagswasser muss ja irgendwo hin”, warnt er, während andere im Rat das Projekt erst einmal unterstützen wollen.

Von Miller wiederum führt zu einem interessanten Nebenaspekt. Denn sein Fraktionskollege Karl Schönbauer wohnt in direkter Nachbarschaft und ist unter Umständen Leidtragender der Klitzschen Bautätigkeit. Er stimmt in diesem Fall auch nicht ab, was aber der Öffentlichkeit vorsichtshalber nicht vom Bürgermeister Robert Kühn erklärt wird.

Der findet die Garagenlösung auch dufte, weil “wir immer wieder im Winter Probleme mit den Räumfahrzeugen dort wegen parkender Autos hatten.” Ja, das wird sicher der Hauptgrund sein…Aber dann wird der Jungpolitiker konkret: “Solch tiefgreifende Bauten dürfen nicht bodenlos sein und leichtfertig genehmigt werden. Daher die gleichzeitige Bearbeitung von Bauantrag und Bebauungsplan.” Zudem sind die geologischen Voraussetzungen vor Ort denkbar schlecht. Wie immer in Bad Wiessee befinden sich in Bad Wiessees Ufernähe Erdschichten, die einen Tiefbau zu einem Vabanquespiel werden lassen.

Wie geht es weiter?

Das Landratsamt hatte der Gemeinde aufgetragen, für das Tiefgaragen-Vorhaben einen Bebauungsplan aufzustellen. Der wird in der nächsten Bauausschuss-Sitzung am heutigen Donnerstag, dem 22. April, erörtert. Welche Bedingungen die Gemeinde an so einen Bebauungsplan knüpft, wird ebenso interessant werden, wie die Wortbeiträge der Gemeinderäte dazu…

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