Kruzifix-Lechner hofft auf Zufahrt - Wiessee sagt weiterhin Nein
Bloß keine Lösung

von Martin

Walter Lechner aus Bad Wiessee will eine zweite Zufahrt zu seinem Radl-Geschäft an der Münchner Straße. Der Bauausschuss verweigert ihm das. Grund sind Lechners ewig nervende Provokationen. Der Konflikt geht in die nächste Runde.

Michael Herrmann (r.) äußert als Geschäftsleiter der Gemeinde Bad Wiessee Kritik am Verhalten von Ladenbesitzer Walter Lechner (m.) - ein Grund dafür ist links im Bild.
Michael Herrmann ist als Vertreter der Gemeinde Bad Wiessee mit dem Verhalten von Ladenbesitzer Walter Lechner (m.) nicht einverstanden – ein Grund dafür ist links im Bild.

Im persönlichen Gespräch ist der Lechner Walter eigentlich ein netter Kerl. Er hat viele Ideen, gschaftelt gern umeinand und provoziert halt gern. Typischer Talbewohner. Nur mit der Gemeinde ist die Kommunikation eher auf Don Quijote Niveau.

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Lechners Geschäftsideen fingen mit einem Blockheizkraftwerk an, gingen über einen Trachtenladen und münden nun in einen scheinbar gut laufenden Radlladen in Bad Wiessee neben der Bodega. Dort bietet er den Umbau auf E-Bikes an. Ein Blick ins Lager: Das Geschäft scheint zu funktionieren. Klar: zweitausend Euro zahlt man für ein neues Radl, bis zu 700 Euro für den Umbau. Da bleibt der kostenbewusste Westbankler hängen.

Damit das Geschäft noch besser läuft, will der Kleinunternehmer Lechner eine Auffahrt von der Bundesstraße zu seinem Laden haben. Verständlich. Hier herrscht viel Verkehr, mehr Kundschaft könnte einfach in den Hof einbiegen und sich vom Angebot überzeugen.

Gemeinde hat Provokationen satt

Einzige Maßnahme: Der Bürgersteig müsste abgesenkt werden. Der wiederum gehört der Gemeinde. Und die ist sauer auf den Kruzifix-Lechner. Immer wieder, so Bauamtsleiter Helmut Köckeis, sei man bei den Bauvorhaben Lechners in Vorleistung getreten, habe auch einmal ein Auge zugedrückt, wenn eine Genehmigung nicht vorlag. Aber Lechner spielte die Salamitaktik.

Immer wieder kartete er nach, kam mit einer neuen Idee, provozierte mit Plastikkühen und Trachtenpuppen am Grundstücksrand. Das sah grauselig aus. Aber das war ja das Ziel. Lechner wollte ärgern. Dem Bauausschuß ging er damit zunehmend auf die Nerven – durchaus nachvollziehbar, vor allem wenn man das übergroße Kruzifix vom Lechner am Bürgersteig nicht als Glaubensbekenntnis versteht, sondern als schlichtes Provozieren.

Kein gutes Benehmen – keine neue Einfahrt

Also keine Auffahrt? Köckeis kann nicht für den Bauausschuss sprechen, will aber erst einmal sehen, wie sich Lechner in der nächsten Zeit verhält. Nehmen wir einmal an, dass der Dorf-Provokateur auf schrilles Werben und den Lattensepp in Zukunft verzichtet, könne es auch mit einer Auffahrt hinhauen. Doch Lechner bleibt seinem Image treu. Ganz nach dem Motto „Jetzt erst recht“ schmiedet er bereits andere Pläne.

Lechner möchte eine Zufahrt zu seinem Geschäft  - und zwar von der Hauptstraße aus.
Lechner möchte eine Zufahrt zu seinem Geschäft – und zwar von der Hauptstraße aus.

Letzte Woche habe ihm das Straßenbauamt Rosenheim die Papiere und Zeichnungen geschickt, wie sie sich die Auffahrt vorstellen können. „Das Verfahren läuft ja jetzt schon seit Juni 2014 und jetzt wurde es endlich genehmigt.“ Einzig die Gemeinde stelle sich weiterhin quer. Lechner findet deutliche – und wie zu erwarten – provokante Worte:

Die Gemeinde bewegt einfach ihren Arsch nicht, macht nur Probleme und das aus weit hergeholter Willkür.

Trotzdem lässt sich der Unternehmer von seinem Vorhaben nicht abbringen. Er werde demnächst den ganzen Hof vor seinem Radlgeschäft pflastern und im Zuge dessen dann auch die Auffahrt bauen. „Soll die Gemeinde von mir aus mit Polizei und Sonstigem anrücken.“

Und Lechner wäre nicht Lechner, hätte er nicht eine weitere Überraschung parat: „Außerdem sind noch diverse Kunstwerke in Planung, die auf diesen ganzen Vorfall reagieren.“ Mehr wolle er dann aber doch noch nicht verraten. Wie immer im Tal: Es geht weniger um Lösungen, als um Recht behalten.

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