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Ein Kommentar zur Bayerischen Oberlandbahn

BOB – Bahn ohne Beifall

Von Robin Schenkewitz

Greifen wir einen beliebigen Tag heraus. Montagmorgen, 9:25 Uhr – München Hauptbahnhof. Ein Zug der Bayerischen Oberlandbahn steht bereit zur Abfahrt nach Tegernsee. Die Minuten vergehen. Eine freundlich-resignierte Stimme vermeldet irgendwann, dass der Zug „nicht will“. 

Wie willige Lämmer steigen die Fahrgäste zum danebenstehenden Zug um, der eine halbe Stunden später die Landeshauptstadt verlässt. Man kennt es: BOB-Fahren erfordert Gottvertrauen und einen Waggon voll Geduld.  

Zwei Integrale der BOB am Münchner Hauptbahnhof
Zwei Integrale der BOB am Münchner Hauptbahnhof.

Wer beim Verkehr zu spät kommt, den bestraft meist nicht nur das Leben. Diese Lebenslehre beweist nun seit Jahren ein ums andere Mal die Bayerische Oberlandbahn. Jene Nahverkehrs-Nabelschnur, die das Tal mit München und somit je nach Sichtweise mit der Zivilisation oder dem Gschwerl verbindet. 

Jeden Tag pendeln Tausende von und in die Stadt. Und jeder, der pendelt, verstopft nicht die überlastete Bundesstraße. Weniger Autos, mehr Erholung für Anwohner, weniger Dreck und Ressourcenverbrauch. Nichts Neues. Woran liegt es nun, dass sich noch immer die Menschen über das Nadelöhr in das Tal quälen? 

Note: mangelhaft

1998 bekommt der Veolia-Konzern den Zuschlag für zunächst 15 Jahre. Weg von der bösen, verschnarchten Staatsbahn hin zur modernen, schlanken und damit effizienteren Privatbahn BOB. Könnte ein Erfolgsmodell werden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Jede Woche verspäten sich die Züge, fallen aus. Auch der honorige Heino Seeger hat da nicht wirklich viel gerissen. 

Waren es in der Anfangsjahren noch Umstellungsprobleme, sind es jetzt, nachdem der Konzern im September 2012 erneut den Zuschlag für weitere zwölf Jahre bekommen hat, schlicht Schlamperei und fehlende Budgets, die dreckige Züge, mangelhaften Service und permanente Verspätungen manifestieren. Für Menschen, die rechtzeitig zur Universität oder zum Arbeitsplatz kommen müssen, ist die BOB ein Höllenritt – nicht jeden Tag, aber oft genug. Man könnte nachgerade eine Dissertation über die Auswirkungen eines mangelhaften Zugverkehrs verfassen.

Womit wir beim Landrat wären. Jakob Kreidl hat sich nun das Thema „Verkehr im Tal“ vorgenommen. Die BOB ist für den Mann von der CSU ein Erfolgsmodell. Dies kann ihm vermutlich nur sein Fahrer der Dienstlimousine gesteckt haben. Denn wäre Kreidl jeden Tag auf die BOB angewiesen, müsste sein Urteil leider anders lauten. 

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