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Mit neuem Service und mehr Zügen punkten und Strafen verhindern

BOB will raus aus dem Umfragetief

Von Christopher Horn

Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) befindet sich im jüngsten Qualitätsranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) weiterhin auf dem drittletzten Platz. Mit einigen Neuerungen soll sich das nun aber ändern.

Mittels einer Echtzeitanzeige übers Internet und einer Taktverdichtung will die BOB die Zufriedenheit ihrer Kunden steigern. Ab 21 Uhr müssen sich Pendler jedoch künftig auf eine unangenehme Neuerung einstellen.

Unzufriedene Gäste könnten die BOB bald Geld kosten.
Unzufriedene Fahrgäste könnten die BOB bald Geld kosten.

Schlechte Noten im Qualitätsranking sind für die Bayerische Oberlandbahn nichts Neues. In den letzten Jahren belegte der Anbieter konstant einen der hinteren Plätze bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). So auch erneut im Oktober 2013, als Platz 13 von 15 und ein Wert von -38,92 zu Buche standen. Zur Erklärung: Bei 0 Punkten wären die Qualitätsstandards der BEG gerade so erreicht.

Bewertet werden die Sauberkeit der Fahrzeuge (innen und außen), die Fahrgastinformation im Regel- und Störfall, die Funktionsfähigkeit der Ausstattung, die Serviceorientierung der Zugbegleiter und die Kundenorientierung bei Beschwerden.

Im Falle der BOB wurden diesmal vor allem die Temperaturen im Innenraum sowie insgesamt die Sauberkeit der Züge bemängelt. Schmutzige Böden, defekte Toiletten, zerkratzte Trennscheiben und kaputte Außentüren fielen besonders stark ins Gewicht. Zwar verbesserte sich der Wert der BOB von -51,18 auf -38,92 Punkte. Trotzdem sind die Verantwortlichen nicht zufrieden mit dem Ergebnis und kündigen weitere Schritte, vor allem im Bereich der Sauberkeit, an.

Neue Waschanlage soll helfen

Bereits Anfang November wurde die neue, rund 150.000 Euro teure Fahrzeugwaschanlage in Lenggries in Betrieb genommen. Dabei führte in der Vergangenheit nicht nur der äußere Zustand der Züge immer wieder zu einer Abwertung im Qualitätsmesssystem der BEG. Dazu Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein vor einigen Wochen:

Da auch die Innenreinigung in den Zügen unseren Qualitätsanforderungen nicht mehr genügte, wird die BOB zum Fahrplanwechsel im Dezember einen neuen Reinigungsdienstleister beauftragen.

Und Müller-Eberstein will es nicht dabei belassen. Man werde, so der neue Geschäftsführer, in den nächsten Monaten schrittweise weitere Qualitätsverbesserungen durchführen.

Die Verantwortlichen versuchen mit den geplanten Maßnahmen, auch die drohenden Strafzahlungen durch die BEG zu verhindern. Bis zur Fahrplanänderung im Dezember muss die BOB ihren Wert nun um genau 38,92 Punkte verbessern. Denn falls man erneut unter die 0-Punkte-Grenze fallen sollte, drohen Strafen in derzeit noch unbekannter Höhe.

Informationen in Echtzeit

Einen weiteren Schritt hin zu mehr Kundenfreiheit könnte mit der Einführung des neuen elektronischen Fahrgastinformationssystems gemacht werden. So soll zukünftig jeder Gast übers Internet oder sein Smartphone verfolgen, wo sich die BOB gerade befindet, ob Verspätungen auftreten oder ein Störungsfall vorliegt. Zusätzlich werden auch Luftbilder des bayernweiten Streckennetzplans zur Verfügung gestellt.

Seit Oktober ist diese neue Technik im Einsatz. Das DEFAS (Durchgängiges Elektronisches Fahrgastinformations- und Anschlusssicherungssystem) ist ein Projekt des Freistaates Bayern, das sämtliche Daten des öffentlichen Verkehrs in Bayern wie Fahrpläne, Echtzeitdaten und Störungsmeldungen zusammenführt, um so eine optimale Fahrgastinformation und Anschlusssicherung zu gewährleisten.

Zur Verbesserung der Position im BEG-Qualitätsranking wird dieser neuer Service allerdings wohl nicht beitragen, wie BOB-Pressesprecherin Gabriela Wischeropp bestätigt: „Dieser Echtzeitdatenservice fließt nicht ins Messsystem ein.“

Mehr Züge – abends schlechtere Anbindung

Zum Fahrplanwechsel im Dezember plant die Bayerische Oberlandbahn zudem eine Taktverdichtung der Züge von und nach München, die vor allem im morgendlichen und nachmittäglichen Berufsverkehr für Verbesserungen sorgen soll. Für Fahrgäste aus Tegernsee ergeben sich dann auch zwischen 5:45 und 7:45 Uhr halbstündliche Fahrmöglichkeiten.

Zudem erhalten die Züge der BOB mit Ankunft am Münchner Hauptbahnhof um 6:55 Uhr einen extra Zugteil aus Tegernsee. Am Nachmittag sieht das neue Fahrplankonzept ganzjährig zum Stundentakt zusätzlich verkehrende Züge vor. Auch zwischen 18 und 20 Uhr kommen Fahrgäste aus Schliersee und Tegernsee halbstündlich in München an.

Die erste Frühverbindung an Werktagen Richtung Tal fährt um 6:05 Uhr in München los. Um 15.30 Uhr startet auch am Nachmittag ein zusätzlicher Zug ins Tal. Um die Taktverdichtung realisieren zu können, wird die BOB neben den bisherigen Integralzügen weitere neue Fahrzeuge einsetzen.

Künftig kann man auf dem Smartphone verfolgen, wo sich die BOB gerade befindet
Ab 21 Uhr müssen die Fahrgäste in Holzkirchen künftig umsteigen

Sind die Fahrmöglichkeiten tagsüber besser, so müssen sich die Passagiere abends künftig jedoch auf eine unangenehme Neuerung einstellen. Ab 21 Uhr werden allen Fahrgäste auf dem Weg von Tegernsee nach München und umgekehrt in Holzkirchen gebeten, umzusteigen. Wolfgang Oeser, Leiter Qualitätsmanagement und Marketing bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, begründet diesen Schritt so:

Dies wird allein das nachfrageärmere Abendkonzept betreffen. Es wäre unwirtschaftlich, auch in den Abendstunden mit drei Integralen nach München zu fahren. Die knappen öffentlichen Mittel setzen wir für Verbesserungen zu nachfragestarken Zeiten ein.

Es bleibt also spannend, ob die Bayerische Oberlandbahn durch die nun eingeleiteten Maßnahmen ihre Kundenzufriedenheit weiter erhöhen kann. Schon Anfang Dezember soll es dafür den nächsten Indikator geben. Dann wird das neue BEG-Qualitätsranking veröffentlicht.

Steht die BOB erneut im Minus, soll sie, wie erwähnt, eine mögliche Strafe aufgebrummt bekommen. Die mit dem neuen Fahrplan eingeführte Taktverdichtung wird sich wohl erst nach und nach im Kundenurteil niederschlagen.

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