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Nach Rausschmiss von TTT-Chef Köhl wächst die Kritik

Bürgermeister-Strategie: wegducken

Von Maxi Hartberger

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Stephan Köhl muss nach nur drei Monaten die TTT verlassen. Der Grund: unklar. Dabei halten sich die Talbürgermeister weiter bedeckt. Und so gerät die Art der Entscheidungsfindung immer mehr in den Fokus der Kritik.

Stephan Koehl ist weg. Peter Höß auch - irgendwie.
Stephan Köhl ist weg. Peter Höß auch – irgendwie.

„Ich will die Marke Tegernsee blau strahlen sehen“ – mit diesen Worten stellte sich der ehemalige TTT-Geschäftsführer Stephan Köhl in den vergangenen Wochen den Gemeinderäten in allen fünf Gemeinden vor. Köhl hatte große Visionen für den Tourismus im Tal – Online-Marketing stand auf seiner Agenda. Doch noch bevor er die Aufgaben richtig anpacken konnte, kam am 1. April die überraschende Nachricht: Köhl ist weg.

Dabei ist die Frage nach dem Warum weiterhin völlig offen. Peter Höß als Sprecher der Bürgermeister nannte zwar in einer ersten Mitteilung, die Disharmonie zwischen Team und Geschäftsführer als Hauptgrund. Offiziell ist von den TTT-Mitarbeitern dazu allerdings nichts zu hören. Und hinter vorgehaltener Hand wird darauf verwiesen, dass Köhl sehr umgänglich war. Die Probleme lägen in den verletzten Egos einiger weniger.

Keine Stellungnahme aus dem Ausland

Ob die Bürgermeister dazu gehören, ist dabei ebenfalls unklar. Keiner möchte sich äußern. Dabei nimmt die Verschwiegenheit groteske Zügen an. So erklären sowohl Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn als auch Rottachs Rathauschef Christian Köck unisiono:

Wir haben vergangenen Donnerstag beschlossen, dass Peter Höß als alleiniger Sprecher fungiert.

Daher wolle man sich auch nicht äußern. Höß ist zwar auf dem Handy erreichbar, erklärt allerdings, dass er sich derzeit „in einer Besprechung im Ausland“ befinde, und somit bis frühestens Dienstagabend keine weitere Erklärung zum Köhl-Intermezzo abgeben kann.

Bisher hieß es nur, dass die Bürgermeister, also die Gesellschafter der TTT, und Köhl sich in beiderseitigem Einvernehmen getrennt hätten. Doch vieles deutet daraufhin, dass der 51-Jährige alles andere als freiwillig gegangen ist.

Denn genau drei Monate nach seinem Amtsbeginn ist der Geschäftsführer plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Und so tauchen auch hier weitere Frage auf: Hat Köhl weiterhin einen laufenden Vertrag? Was kostet das offensichtliche Besetzungs-Fiasko? Wollen die Bürgermeister mit der Aktion zusätzliche Kosten vermeiden und warten deshalb mit einer Neu-Besetzung des Postens? Antworten gibt es darauf ebenfalls keine.

Maulkörbe wohin man blickt

Bedeckt gibt sich auch der Tegernseer Stadtrat Peter Hollerauer: „Ich habe eine klare Meinung dazu, aber die werde ich nicht öffentlich äußern.“ Sein Stadtrats-Kollege Andreas Obermüller wird dagegen deutlicher:

Für uns ist das Ganze absolut intransparent – man serviert uns dann letztendlich nur die Entscheidung der Bürgermeister. Mir wäre es lieber, wenn damit künftig transparenter umgegangen werden würde, doch das wird wahrscheinlich nicht passieren.

Es sei, so Obermüller weiter, nicht mal klar, wie man die Leistung des Geschäftsführers der TTT überhaupt beurteilt. Für Rolf Neresheimer, Mitglied des Wiesseer Gemeinderates, ist die Informationspolitik zu Köhls Abgang ein Desaster:

Ich habe meine ganzen Infos eigentlich nur von der Tegernseer Stimme, mehr weiß ich auch nicht.

Er verstehe überhaupt nicht, warum Köhl nach so kurzer Zeit gehen musste, bevor er sich überhaupt bewähren konnte. „Er machte so einen modernen, aufgeweckten und motivierten Eindruck. Ich bin sehr überrascht.“

Die richtigen Fragen gestellt?

Köhl, der Fachmann – das hört man von vielen Seiten. Eine Tatsache, die derzeit für die meisten Spekulationen sorgt. TS-Leser Thomas verdeutlicht dies im folgenden Kommentar: „Vielleicht hat er einfach die falschen Fragen gestellt… also die Richtigen… nach Posten, Kosten und Dingen, die bei uns traditionell unter „Is hoid so“ fallen.“

Waren Köhls Vorstellungen wirklich zu modern für die Tal-Bürgermeister? Ging er den Verantwortlichen mit der Digitalisierungs-Offensive auf die Nerven? Musste er weichen, weil einige wenige das so wollten oder weil viele mit ihm nicht konnten? Auch darauf gibt es keine echte Antwort.

Für Max Scheyerl vom Gästehaus Schwaiger in Bad Wiessee ist klar, dass es sich aufgrund der fehlenden Transparenz um einen Rausschmiss handeln muss: „Das dürfte eine sehr kurzfristige Entscheidung gewesen sein, weil wir Vermieter und auch sonst Niemand etwas gehört oder gewusst haben.“

Was denken Sie?

Anders sieht es Ursula Pfefferkorn. Sie vermietet in Kreuth eine Ferienwohnung und glaubt, Köhl sei freiwillig gegangen. Pfefferkorn betont: „Die Bürgermeister verhalten sich wie die Großkönige. Dass ein Mann mit Erfahrung und Wissen das nicht lange mitmacht, liegt doch auf der Hand.“

Josef Hilder vom Gasthof Weidenau in Gmund schildert seine Meinung kurz und knapp: „Das Ganze interessiert mich schlichtweg nicht.“ Grund sei, dass er grundsätzlich nicht viel von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH halte: „Die kassieren viel Geld und tun nichts für die Gastgeber.“

Unser Fazit: Viele haben etwas zu sagen, doch kaum jemand äußert sich direkt zu Köhls Rauswurf. Das Wort „Maulkorb“ erlebt in den vergangenen Tagen eine bemerkenswerte Rennaissance. Ist das wirklich Angst vor der „Allmacht“ der Talbürgermeister? Klar ist, dass die Informationspolitik der TTT und ihrer Hauptgesellschafter derzeit im Zentrum der Kritik steht. Und diese dürfte nicht verstummen, solange die Bürgermeister weiterhin so mauern.

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