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"Ein seit Jahrzehnten heruntergekommender Schrottplatz mit Gefährdungspotential"

Tegernseer Bahnhof: Bürger planen Demos

Von Christopher Horn

Gmund und Tegernsee stehen seit langen in Verhandlungen mit der Tegernseer Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft, kurz TAG. Unter anderem geht es dabei um die Zukunft der Bahnhofsgelände in den beiden Gemeinden.

Die TAG will verkaufen, die Gemeinden wollen kaufen, doch die Verhandlungen gestalten sich schwierig. Vor allem am Preis soll es noch hapern, das sagt zumindest der Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen. In der Zwischenzeit verfallen die Gebäude vor allem in Tegernsee mehr und mehr. Laut Meinung vieler Bürger ein unzumutbarer Zustand und eine Schande für das gesamte Tegernseer Tal. Sie wollen nun demonstrieren.

Die Fassade der Bahnhofsgebäude in Tegernsee ist durchaus sanierungsbedürftig

Am Mittwoch fand in Tegernsee die alljährliche Bürgerversammlung statt. Zahlreiche Bürger fanden sich im Gasthof Schandl ein und lauschten dem ausführlichen Jahresbericht von Bürgermeister Peter Janssen, der mit den Worten endete: “Wir entwickeln uns sehr positiv. Mit der Stadt geht es voran.”

Dass das jedoch nicht alle Bürger so uneingeschränkt positiv sehen, wurde auf der Versammlung auch klar. So war bei der Diskussionsrunde unter anderem die Zukunft des Tegernseer Bahnhofsgeländes eines der großen Themen. Wie ist der Stand der Verhandlungen zwischen der TAG und den Talgemeinden und wie geht es mit den Bahnhofsgrundstücken weiter?

“Bahnhof verfällt immer weiter”

Das Gelände run um den Bahnhof befinde sich nach der Meinung vieler Tegernseer in einem bedauernswerten Zustand und verfällt immer mehr. Verantwortlich für diese Entwicklung sei vor allem die TAG als Eigentümer des Geländes. So sieht es Bürgermeister Peter Janssen: “Sie will ihre Grundstücke verkaufen und tut derzeit nur das Nötigste, um die Gebäude in Stand zu halten.” Die Gemeinden Gmund und Tegernsee sind unterdessen sehr daran interessiert die Grundstücke von der TAG zu erwerben, doch die Verhandlungen gestalten sich kompliziert. Wie immer geht es auch hier vor allem ums Finanzielle.

Zur Verdeutlichung: Der Bestand der TAG am Tegernsee umfasst 33 Wohneinheiten (2.330 qm, vorwiegend Seeblick), 35.000 qm Bahnhofsgelände in zentraler Lage von Gmund und Tegernsee, zwei Seegrundstücke (12.000 qm) und 12,4 Kilometer Gleisstrecke zwischen Schaftlach und Tegernsee mit einer Grundfläche von 147.000 qm. Das gesamte Gelände möchte die TAG allerdings nur im Ganzen veräußern

Kaufoption läuft Ende des Jahre aus

Die Gemeinden haben eine vertraglich vereinbarte Option die Grundstücke zu erwerben, bevor diese auf den freien Markt gelangen. Diese läuft jedoch Ende des Jahres aus. Bürgermeister Janssen ist sich “der großen Bedeutung des Bahnhofs für das Tegernseer Ortsbild” zwar bewusst, stellt jedoch auch klar, dass “wir zwar die Grundstücke erwerben wollen, jedoch nicht zu jedem Preis.”

Ein Gebäude im Einfahrtsbereich des Tegernseer Bahnhofs.

Ungeachtet des Verhandlungsverlaufs in letzter Zeit scheint jedoch eines klar: Das Gelände verfällt seit vielen Jahren, ohne dass die Stadt etwas dagegen unternimmt. Das Argument, dass die TAG als Eigentümer für die Instandhaltung verantwortlich wäre, wollen einige Bürger nicht mehr akzeptieren.

Demos geplant

Die Fassaden vergammeln, die Fensterläden verwittern, Lagerhallen verrotten – so lautet der Vorwurf in Richtung der TAG. Auch zerbrochene Fensterscheiben prägen das Bild. “Das Bahnhofsgelände ist ein seit Jahrzehnten heruntergekommender Schrottplatz mit einem inzwischen massiven Gefährdungspotential”, so der Tegernseer Harald Fuhrmann, der die Entwicklung seit langem beobachtet.

Die Aussage mag etwas überzogen sein, im Kern trifft sie jedoch die Meinung einiger Bürger. Gerade für Touristen sei der erste Eindruck, wenn sie am Bahnhof einfahren, nicht gerade positiv, so Fuhrmann weiter. Da er von den Bemühungen der Stadt Tegernsee enttäuscht ist, möchte er nun die Bürger mit ins Boot holen. Geplant ist eine Demonstration am Banhofsgelände, die noch mehr Bürgern die Missstände klarmachen soll.

Eine solche Demo müsste der Veranstalter spätestens 48 Stunden vor Beginn beim Landratsmat anmelden, sagt Gabriele Dorby, Pressesprecherin vom Landratsamt Miesbach: “Je früher, desto besser”. Darüber hinaus müssen der Organisator, der Ort, das Thema der Demo, die erwartete Anzahl der Teilnehmer sowie die Kundgebungsmittel angegeben werden.

Die Idee einer Demonstration hält Bürgermeister Janssen zwar für denkbar, hält an sich aber wenig davon: “Sie können gerne eine Demonstration organisieren, das wird die TAG jedoch kaum dazu bewegen, mehr für die Instandhaltung zu tun”, so Janssens Einschätzung auf der Bürgerversammlung. Nichts desto trotz könnte ein wenig mehr Aufmerksamkeit sehr wohl den Druck auf die Gemeinden Gmund und Tegernsee erhöhen, sich mit der TAG auf eine angemessene Lösung zu einigen. Zeit wirds.


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