Die Rottacher „Autobahn“ – Kontrollen zeigen Raserbrennpunkt

Von Steffen Greschner

Ergänzung vom 17. November / 15:29 Uhr
Im September hatte Franz Hafner einen anonymen Bürgerbrief noch als „abartig“ bezeichnet. In diesem ging der oder die Rottacher/-in auf scheinbar fehlende Geschwindigkeitsmessungen in der Valepper Straße ein.

Vor allem der Bereich auf Höhe der Wolfsgrubstraße werde einfach nicht kontrolliert, auch wenn da die größten Geschwindigkeiten gefahren werden, so der Verfasser.

Nun gab es die erste Auswertung vom Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland für den im Schreiben am meisten beanstandeten Bereich. Dieser hatte am 3. Oktober 2011 zwischen 13:02 und 14:30 Uhr in der Ludwig-Thoma-Straße, Höhe Haus-Nr. 61 geblitzt. Und damit nur ein paar Meter vor dem beschriebenen „Brennpunkt“.

Kontrollen zeigen: Es wird massiv zu schnell gefahren

Die Ergebnisse, die nun von Franz Hafner auf der letzten Gemeinderatssitzung vorgelesen wurden, sind fast schon erschreckend und zeichnen ein klares Bild der „Autobahn“ von und in Richtung Enterrottach. Insgesamt 75 Autos wurden in den 88 Minuten der Kontrolle geblitzt.

Die meisten Überschreitungen (55) bewegen sich im Bereich von 6 bis 15 km/h. Die Quote von gemessenen und zu schnell gefahrenen Fahrzeugen liegt bei überaus beeindruckenden 42,4%.

Ein Auszug der letzten Geschwindigkeitskontrollen in Rottach-Egern

Die übrigen Kontrollen sind, bis auf die Seestraße, positiv ausgefallen. Alle Ergebnisse von Anfang Oktober kann man im Originaldokument des Zweckverbandes nachlesen.
Auswertung 1
Auswertung 2

Ursprünglicher Artikel vom 20. September mit der Überschrift: „Bürgermeister verurteilt Bürgerbrief“

Als „abartig“ bezeichnete Rottachs Bürgermeister Franz Hafner am vergangen Dienstagabend auf der Gemeinderatssitzung einen anonymen Bürgerbrief, den er persönlich verlas.

In dem bereits dritten handschriftlichen Brief des anonymen Bürgers hatte dieser vor allem auf fehlende Geschwindigkeitsmessungen in der Valepperstraße hingewiesen.

Die Straße in Richtung Enterrottach wurde vom Verfasser gar als „Autobahn“ bezeichnet. „Krank vom Lärm wird man da,“ so die drastische Formulierung.

Franz Hafner zeigt sich empört über anonyme Bürgerbriefe

Diese Steilvorlage nutzte Hafner, um auf die Verkehrsüberwachsungszahlen der vergangenen Monate hinzuweisen.

Denn in der Valepperstraße wurde zweimal kontrolliert. Die Gemeinde habe dort sogar vier offizielle Messpunkte, an denen Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden, so Hafner.

Valepper Straße als Raserstrecke identifiziert

Recht hat das „Bürgeranliegen“ des Briefschreibers in dem Punkt, dass die Valepperstraße tatsächlich als eine der Strecken in Rottach-Egern gilt, an denen zu oft zu schnell gefahren wird. Die Auswertungen zeigen es deutlich. Auf Höhe der Einmündung in die Haslau wurden in knapp drei Stunden 309 Kraftfahrzeuge erfasst. Annähernd 10% waren zu schnell unterwegs. Oder genauer gesagt: 27 überschritten die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit um bis zu 30km/h.

Nicht gar so viele – 1,2% oder 7 von 578 – wurden auf Höhe der Einmündung Kalkofen geblitzt. Dafür wurde dort ein Kraftfahrzeug mit mindestens 51 km/h zu schnell erwischt.

Ergebnisse zeigen: Bürger/-in hat Recht

Keine Geschwindigkeitsmessungen wurden auf Höhe der Wolfsgrubstraße durchgeführt. Diese Stelle liegt aus dem Ortszentrum kommend vor der Abzweigung Richtung Sportplatz. Der konkrete Ort, von der der anonyme Bürger spricht, wurde also nicht kontrolliert.

„Ich finde die Kritik abartig“, so Hafner, der sich den persönlichen Vorwurf, dort keine Kontrollen durchzuführen, nicht gefallen lassen wollte. Besonders genervt zeigte sich der oberste Vertreter der Rottacher Bürger darüber, dass der neuerliche Brief erneut nicht mit einem Namen unterzeichnet war.

„Wenn ich etwas zu kritisieren habe, muss ich mich dazu auch bekennen“

In diesem Zusammenhang verwies Hafner auch auf einen Artikel aus dem aktuellen Magazin der Tegernseer Stimme, der bereits vor mehreren Wochen als Kommentar auf der tegernseerstimme.de erschienen war.

Anonymität wird in den Gemeinden nicht geschätzt.

Hafner hatte laut eigener Aussage den Beitrag gelesen. Stimmt aber mit den gefallenen Aussagen nicht überein.

„Ich bin anderer Meinung als die Tegernseer Stimme. Wenn ich etwas zu kritisieren habe, muss ich mich dazu auch bekennen,“ so die klare Ansage Hafners.

Was das allerdings an der offensichtlich berechtigten Kritik des anonymen Bürgers geändert hätte, wollte er nicht erklären. Es wird also interessant zu sehen sein, ob der Rottacher Bürgermeister seiner Theorie der völligen Transparenz folgend, bei den nächsten Bürgermeisterwahlen in 2014 ähnlich argumentieren wird.

Denn logisch weitergedacht müsste seine Stellungnahme zu einer möglichen Abwahl dann auch folgendermaßen lauten:

So lange die Bürger mir nicht öffentlich und unter Mitteilung des vollen Namens sagen, dass Sie einen anderen Bürgermeister haben wollen, werde ich hier auch nicht weichen.

Wenn jemand seine Wählerstimme anonym abgibt, dann ist das abartig. Und zählt für mich nicht als legitime Stellungnahme.


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