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Skandal um entlassene Hortleiterin: SPD will Trägerschaft entziehen

Caritas gerät unter Druck

Von Maximilian Liegl

Nachdem die Holzkirchner Stimme bereits am Freitag über den Skandal mit der Holzkirchner Hortleiterin berichtet hat, zieht das Thema jetzt immer weitere Kreise. Die SPD fordert nun sogar, der Caritas die Trägerschaft zu entziehen. Von Seiten der CSU – insbesondere Ilse Aigner – fehlt hingegen ein klares Statement.

Die SPD fordert der Caritas die Trägerschaft für den Hort zu nehmen.
Die SPD fordert der Caritas die Trägerschaft für den Hort zu nehmen.

„Ich werde im Juli meine Freundin heiraten. Weil dieser Schritt nicht mit der Grundordnung der katholischen Kirche vereinbar ist, muss ich die Hortleitung abgeben”, schrieb die Leiterin des Caritas-Horts Anfang April den Eltern, die ihre Kinder in Holzkirchen betreuen lassen.

Am Freitag hatte die Holzkirchner Stimme über den Fall berichtet. Seitdem zieht das Thema immer größere Kreise. Die Ankündigung hat zwischenzeitlich für heftige Empörung gesorgt. Insbesondere bei der Holzkirchner SPD. So erklärt der Vorsitzende Hannes Gräbner:

Wir wollen der Caritas die Trägerschaft des Hortes entziehen.

Für die Sozialdemokraten ist die Entlassung nicht mit dem Diskriminierungsverbot vereinbar. Die Fraktion ist sich einig – die Angelegenheit werde man nicht auf sich beruhen lassen. So weiß die zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD), dass sich vor kurzer Zeit schon ein Interessent gemeldet hätte, der Interesse zeigt in Holzkirchen als Träger im Kinderbetreungsbereich einzusteigen.

Öffentliche Gelder – öffentliches Interesse

„Wer sich zu großen Teilen aus öffentlichen Geldern speist, der kann nicht personalpolitisch nach Gutsherrenart vorgehen“, so Gräbner. Es könne nicht sein dass die Gemeinde regelmäßig für die Defizite einer Einrichtung aufkommt, in der Engstirnigkeit und Intoleranz gelebt wird.

Der SPD-Vorstand verweist auf Alternativen: „Es ist nicht so, dass die Gemeinde an der Caritas festhalten muss – es gibt genügend andere Träger, die eine weltoffene und liberale Kindererziehung gewährleisten.“ So weiß die zweite Bürgermeisterin Elisbeth Dasch (SPD), dass sich vor kurzer Zeit ein Träger gemeldet hat, der Interesse zeigt in Holzkirchen als Träger im Kinderbetreungsbereich einzusteigen.

Sexuelle Orientierung irrelevant

Unverständnis kommt auch von den Grünen. In Zeiten eines akuten Fachkräftemangels und eines noch drastischeren Betreuungsnotstandes erscheine eine solche Kündigung nicht nur rückständig, sondern absurd. Für die Qualität der pädagogischen Arbeit sei die sexuelle Orientierung vollkommen irrelevant, so die Grünen.

Sogar die CSU sieht den Fall kritisch. Ein solches Vorgehen sei moralisch absolut nicht in Ordnung. Der Maßstab für eine Entlassung könne nur die erbrachte Leistung im Umgang mit den Kindern sein. „Ich finde wir sollten die Menschen so respektieren, wie sie sind“, sagt Bernd Weinmann.

Er zeigt sich jedoch auch optimistisch. „Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass der von Papst Franziskus angestoßene Dialog die Kirche auf einen besseren Weg bringen wird und wir in Zukunft nicht mehr über solche Entscheidungen diskutieren müssen.“

Aigner: Keine Meinung unter diesem Anschluss

„Man kann es drehen wie wenden – die katholische Kirche erweist ein erneutes Mal dem Ansehen des humanen, christlichen Wertekanons einen Bärendienst“, heißt es dagegen von den Grünen.

Leider ist dieses Vorgehen der katholischen Einrichtung kein Einzelfall. Gräbner sieht in der Kündigung einen weiteren Beweis dafür, dass die moderne Gesellschaft den katholischen Entscheidungsträgern weit voraus ist.

Landtagsabgeordnete Ilse Aigner (CSU) sieht sich im Übrigen für den Fall nicht zuständig. Trotz wiederholter Versuche und Anfragen war Aigner für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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