Bad Wiessee muss mehr für Kinder tun

Container gegen fehlende Krippenplätze

Eine Studie brachte es an den Tag: Die Gemeinde muss noch in diesem Jahr 12 neue Krippenplätze schaffen. Es bleibt nur eine Notlösung: Die Aufstellung von Containern. Der Gemeinderat ist alarmiert.

Statt eines Anbaus an der Kinderkrippe soll nun ein Container aufgestellt werden / Quelle: Klaus Wiendl

Die Kinderbetreuungsstudie der Firma MUC Consulting im Auftrag der Gemeinde bringt es auf den Punkt: Bis zum Jahr 2021 werden Bad Wiessee 10 bis 15 Krippenplätze fehlen – Tendenz steigend. Im gesamten Tegernseer Tal sieht es nicht besser aus. Laut Studie fehlen derzeit 50 Krippenplätze für die Kleinsten. Der Grund sei, dass Kinder in immer jüngerem Alter in die Betreuung gegeben werden. Denn angesichts des angespannten Wohnungsmarktes sei der Einkommensdruck auf Familien mit Kindern sehr hoch, so dass in den meisten Fällen doppelt verdient werden müsse.

Wenn sich diese gesellschaftlichen Strukturen weiterhin in der Art entwickeln, wie sie sich in der Vergangenheit abgezeichnet haben, müsste der Vorhalt an Plätzen deutlich steigen, wenn die Kommune ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachkommen möchte, machte Geschäftsleiter Hilmar Danzinger dem Gemeinderat deutlich. Außerdem könne es durch eine Erweiterung des Krippenangebotes, weiter steigenden Buchungszeiten und der finanziellen Unterstützung des Freistaates zu einer höheren Auslastung und damit zu einem zusätzlichen Bedarf kommen, so Robert Hobelsberger in seiner Studie. „Umso mehr Kinder von klein auf betreut werden, umso mehr zieht sich dies dann nach hinten“.

Betreuungsplätze fehlen hinten und vorne

Doch auch im Wiesseer Kindergarten sieht es nicht besser aus. Dort fehlen bis 2021 ebenso an die 15 Betreuungsplätze. Zudem sind die Einrichtungen in den Öffnungszeiten laut Hobelsberger relativ unflexibel. Denn die Wiesseer Einrichtungen „decken den Betreuungsbedarf nur zum Teil ab“. Hier sollte man im Sinne der berufstätigen Eltern über „flexible Öffnungszeiten nachdenken“.

„Wir haben dringenden Handlungsbedarf“, machte Danzinger als Fazit deutlich. Wie könnte eine schnelle Lösung aussehen, fragte Birgit Trinkl (Wiesseer Block), wäre eine Überbrückung, bis ein umfangreiches Konzept erstellt ist, in Containern möglich? „Es gibt sehr schöne gebaute Einrichtungen mit Containern“, wusste Experte Hobelsberger. Damit traf er den Nerv des Gremiums, das einen Anbau an der Grundschule, wo schon die Krippe untergebracht ist, nicht favorisierte. Diesen Vorschlag mit einem Anbau machte Tegernsees evangelischer Pfarrer Martin Weber, verantwortlich für die Trägerschaft der Wiesseer Kinderkrippe.

Anbau an Kinderkrippe verworfen

„Bei diesem Anbau habe ich Magenschmerzen, der ärgert uns in zwei Jahren furchtbar“, meinte Bernd Kuntze-Fechner (SPD). Zumal dies auch nur eine Notlösung und bei Weitem nicht der gewünschte große Wurf wäre. Auch für Fritz Niedermaier (Wiesseer Block) kam ein Anbau am Schulhaus nicht in Frage. Das Ensemble werde dadurch „verschandelt, wir brauchen ein Gesamtkonzept“. Niedermaier schlug stattdessen vor, den großen Parkplatz auf der Westseite der Schule zu überplanen. Bislang sei die Fläche „versiegelt und schiach“. Hier könne er sich eine Tiefgarage samt Kinderkrippe und Wohnungen fürs Betreuungspersonal vorstellen.

„Da wir jetzt schon die Quoten nicht erfüllen und das Thema extrem unter den Nägeln brennt“, so Florian Sareiter (CSU), „brauchen wir eine kurzfristige und schnelle Lösung mit Containern auf dem Schulgelände“. Deren „Attraktivität“ biete einem Fachpersonal wenige Anreize, meinte dagegen Kinderpädagoge Rolf Neresheimer (ranBW). „Das ist nicht prickelnd“, meinte er und warb für einen Neubau. Markus Trinkls (Wiesseer Block) Empfehlung dagegen lautet, um sich Luft für ein Gesamtkonzept zu schaffen: „Zack, Container holen, draufsetzen“. So lange, bis eine „große“ Lösung mit einer gemeinsamen Kindereinrichtung in Sicht ist.

Diese würde aber ein entsprechendes Grundstück voraussetzen. „Das ist eine finanzielle Sache. Träume können wir nicht realisieren“, warnte Kurt Sareiter (CSU). Dennoch besteht Handlungsbedarf, denn der katholische Kindergarten Maria Himmelfahrt ist stark in die Jahre gekommen. Ob das Gebäude überhaupt noch saniert oder gleich abgerissen werden muss, ermitteln derzeit Gutachter. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, die Verwaltung mit einer Kostenkalkulation für die Aufstellung von Containern zu beauftragen. „Ziel ist es, noch in diesem Jahr zwölf zusätzliche Krippenplätze in der Gemeinde entstehen zu lassen“.


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