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Corona-Impftag in Gmund - auch für die Kinder

Fünf Piekser für eine Familie aus Kreuth

Von Sabiene Hemkes

Die Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren war bereits vor der Entscheidung der STIKO ein weltweit kontrovers diskutiertes Thema. Die USA, Israel und viele andere Staaten haben längst mit der Impfung begonnen. Wir haben eine Familie aus Kreuth an ihrem gemeinsamen Impftag begleitet. Wie haben die Kids reagiert?

Dreimal Pieks und schon geschafft.

Helena (6), Oskar (9) und Lara (10) sind mit ihren Eltern im Wartebereich der großen Gemeinschaftspraxis von Dr. Thomas Straßmüller in Gmund. Alle fünf werden heute gegen Corona geimpft. Den Kindern ist eine leicht gespannte Aufgeregtheit anzumerken, während sich die Eltern am Empfangstresen in die Schlange stellen.

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Auf dem Flur toben die beiden Mädels schon mal etwas herum, während sich Oskar ins Wartezimmer verzogen hat. Kurze Zeit später marschiert der kleine Trupp geschlossen ins Besprechungszimmer. Dr. Straßmüller erwartet die junge Familie an seinem Schreibtisch sitzend. Vor sich liegen die fünf gelben Impfbücher der Familienmitglieder.

Lara, Helena, Oskar und ihre Eltern beim Aufklärungsgespräch mit Dr. Straßmüller

Während die Eltern für das Aufklärungsgespräch auf den beiden Stühlen Platz nehmen, suchen sich die Kids wechselnde Positionen – mal vor dem Schreibtisch, mal auf dem letzten freien Stuhl, dann wieder auf dem Schoß von Mama und Papa oder gleich auf der Behandlungsliege im hinteren Bereich.

Auch wenn es nicht die erste Impfung für Lara, Helena und Oskar ist, steigt so langsam merklich die Nervosität. Der Doktor erklärt allen kurz, was es überhaupt mit der Impfung auf sich hat, was gespritzt wird und fragt dann in die Runde, wer noch Fragen hat. Die zehnjährige Lara will wissen:

Kann ich von der Impfung krank werden?

Das verneint Dr. Straßmüller, weist jedoch darauf hin, dass es sein kann, dass es in den ersten beiden Tagen nach der Impfung zu Schmerzen im Armbereich, Unwohlsein und vielleicht auch Fieber kommen könne. Mehr aber nicht. Daraufhin will Oskar wissen, ob er denn überhaupt heute noch in die Schule gehen könne. Darauf antwortet der Arzt ihm:

Zur Schule könnt ihr gleich gehen. Da spricht gar nichts dagegen. Nur solltet ihr darauf verzichten, euch heute zu sehr anzustrengen.

Denn, so führt der Mediziner weiter aus, es wurde bereits bei den geimpften Kindern über 12 Jahren beobachtet, dass zu viel Bewegung direkt nach der Impfung zu einer erhöhten Impfreaktion in den ersten Tagen nach der Impfung führen kann. Bei dem neunjährigen Oskar führt die Antwort des Docs zu einem leichten Kopfschütteln und leise murmelnd hört man ihn resigniert sagen: „Das hatte ich mir aber jetzt anders vorgestellt“.

Die kleinste im Trio schiebt noch ganz schüchtern die eigentliche Frage des Vormittags hinterher: „Tut das denn doll weh?“. Darauf antworten alle Erwachsenen im Raum unisono: „Nein, davon merkt man kaum was“ und die Mama erklärt noch Oskar, dass es viel weniger weh tue als das Blutabnehmen, was er gestern hinter sich gebracht habe. Immerhin vier Ampullen, wie Oskar allen erklärt.

Damit scheinen bei den Kleinsten erst einmal alle offenen Fragen beantwortet. Dr. Straßmüller aber möchte noch von den Eltern wissen, warum sich die beiden noch vor der Empfehlung der STIKO dazu entschlossen haben, ihre drei Kinder gegen Corona impfen zu lassen. Der Vater erklärt ihre Entscheidung zum einen mit der Unsicherheit darüber, welche Auswirkungen eine Infektion mit dem Virus tatsächlich für Kinder in ihrer Entwicklung haben kann.

Im Gegensatz zur Impfdosis für Erwachsene erhalten die Kids zwischen 5 – und 11 Jahren nur ein Drittel des Wirkstoffes

Eine Sorge, die der Arzt nachvollziehen kann, auch wenn er anfügt, dass die STIKO wahrscheinlich die Impfung für Kinder aufgrund einer medizinischen Indikation nicht empfehlen wird. Doch hält es Straßmüller für möglich, dass die Kommission den sozialen Aspekt der Impfung für Kinder in die Überlegungen einbezieht und es den Eltern freistellt, über die Impfung zu entscheiden.

Genau dieser soziale Aspekt sei ein weiterer Grund sich zur frühzeitigen Impfung ihrer drei Kinder zu entschließen, erklärt uns der Papa:

Im Zweifel lassen wir die Kinder lieber Impfen. Es ist einfach nicht erstrebenswert für die Kinder, dass sie im Winter immer wieder der Quarantäne Situation ausgesetzt werden – rausgerissen aus dem gewohnten Alltag mit Schule und Kindergarten. Das tut ihnen und ihrer Entwicklung nicht gut.

Etwas, was die Eltern selbst schon erlebt haben und auch vermehrt bei befreundeten Familien in ihrer Umgebung zurzeit sehen. „Wir wollen den Kindern diesen Stress einfach in Zukunft ersparen – und uns natürlich auch“, ergänzt der Familienvater noch.

Der Moment der Impfung für Lara, Oskar und Helena

In diesem Moment werden die Spritzen mit dem aufgezogenen Impfstoff hereingebracht. Die junge Ärztin lässt die drei Kleinen einen neugierigen und auch leicht angespannten Blick darauf werfen, während Dr. Straßmüller noch erklärt, was an dieser Kinderdosis anders ist als an der für Erwachsene:

In den USA und vielen anderen Ländern werden Kinderimpfungen schon seit über einem Monat durchgeführt. Das ist genau der Impfstoff, der auch bei den Erwachsenen verwendet wird, das gleiche Mischungsverhältnis. Nur eben nur ein Drittel der Dosis. Um diese geringe Dosis exakt zu verabreichen wird eine spezielle Injektionstechnik angewandt.

Dann geht’s ab ins Behandlungszimmer. Lara, die Älteste, erklärt sich mutig als erste bereit für den Pieks und klettert auf den Behandlungsstuhl. Keine 20 Sekunden und einen Piks später folgt ihr das Nesthäkchen, die sechsjährige Helena. Nach kurzem zureden der Mama lässt auch sie Dr. Straßmüller die dünne Nadel in den Oberarm stechen.

Beim Jungen der Familie, der nun doch noch später in die Schule muss, braucht es zwar ein wenig länger, bis er sich für die Impfung bereit fühlt, aber dann ist er heldenhaft wie seine beiden Schwestern zuvor und gibt keinen Laut von sich.

Und abschließend wird noch geboostert

Der familiäre Impfmarathon wird durch die beiden Booster-Impfungen der Eltern abgeschlossen. Diesmal stehen die Kleinen den Eltern bei, halten fest deren freie Hände und reden beruhigend auf sie ein, während Dr. Sophie Gumpinger den Impfstoff verabreicht.

Danach haben die Kids noch mit dem Doc den Schnelltest für die Schule gemacht. Alle haben dabei zu Straßmüllers Erstaunen routiniert den Stab selbst tief in die Nase geführt.

Den Selbsttest für die Schule führen die drei Pandemieerprobten Kinder zum Erstaunen des Arztes ganz allein durch – selbst Helena, die Kleinste im Bunde.

Am Ende füllt der Arzt noch die Impfbücher der fünf Familienmitglieder aus und schon ist die Sippe nach nicht einmal 30 Minuten entlassen.

Mama und Papa kündigen noch eine kleine Überraschung für Lara, Helena und Oskar an, die begeistert angenommen wird. Und Dr. Straßmüller verabschiedet sich von den Dreien mit dem Hinweis, sich darauf zu freuen, die Kinder in drei Wochen an gleicher Stelle für die zweite Impfung wiederzusehen.

Die Mama erzählte später, dass die Kinder nach der Impfung einen “schweren und leicht schmerzenden Arm” rund um die Einstichstelle gehabt haben und etwas müde gewesen seien. Was allerdings auch der Aufregung geschuldet gewesen sein könnte. Am nächsten Tag war aber wieder alles in bester Ordnung, wie die Eltern abschließend berichteten.

Allgemeine Informationen zur Impfung von Kindern

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat am 25.11.2021 die Zulassungserweiterung des Biontech Impfstoffes für Fünf- bis Elfjährige empfohlen. In den USA werden Kinder dieser Altersgruppe bereits seit dem 29. September über eine Notfallzulassung mit dem Vakzin gegen eine Coronainfektion geimpft. Andere Länder weltweit folgten dem Beispiel.

Kinderimpfung hat auch bei uns längst begonnen

In Deutschland wird mit der ersten Auslieferung des modifizierten BioNTech Kinder-Impfstoffes heute, am 13. Dezember 2021, gerechnet. Dieser enthält nur ein Drittel einer Erwachsenen-Dosis und wird zweimal im Abstand von drei bis sechs Wochen in den Oberarm gespritzt. Inzwischen liegt auch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) vor. Darin wird die Impfung gegen COVID-19 für Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren mit Vorerkrankungen empfohlen. Bei individuellem Wunsch können aber auch Kinder ohne Vorerkrankung geimpft werden.

Im Kreis Miesbach ließen einige Eltern ihre Kinder bereits vor der STIKO Empfehlung gegen eine Corona-Infektion impfen. Einige Haus- und Kinderärzte haben diese Leistung angeboten und halten entsprechende Dosen für Kinder bereit.

Bevor wir die fünfköpfige Familie aus Kreuth an ihrem „Impftag“ in der Praxis von Dr. Thomas Strassmüller begleitet haben, informierte Dr. Straßmüller, ärztlicher Leiter des Impfzentrums in Hausham, schon über das Thema Kinder-Impfung in einem ausführlichen Interview in der TS.


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