Interview mit Melanie Speicher über die aktuelle Lage im Krankenhaus Agatharied
Corona-Patienten deutlich jünger

von Sabiene Hemkes

Bundesweit steigt die Inzidenz – auch hier im Landkreis Miesbach liegen wir aktuell bei 46. Doch die Inzidenz soll nicht mehr allein entscheidend für die Corona-Maßnahmen sein. Künftig soll auch die Hospitalisierung ein wichtiger Faktor zur Risikoeinschätzung sein. Doch wie sieht es aktuell im Krankenhaus Agatharied aus?

Melanie Speicher, Referentin für Unternehmenskommunikation des Krankenhauses Agatharied, im Interview. / Quelle: Krankenhaus Agatharied GmbH

In unseren Nachbarlandkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Rosenheim ist die Lage in den Krankenhäusern angespannt, seit die Corona-Zahlen wieder rapide steigen. Auch im Landkreis Miesbach haben wir mittlerweile eine Inzidenz von 46 erreicht. Währenddessen liegt die Impfquote bei uns bei über 57 Prozent.

Doch wie sieht es nun aktuell in unserem Kreiskrankenhaus aus? Wie viele Corona-Patienten werden behandelt und wie viele Mitarbeiter ließen sich bereits impfen? Melanie Speicher ist das Gesicht des Krankenhauses Agatharied in der Öffentlichkeit. Als Unternehmenssprecherin ist sie verantwortlich für den Informationsfluss. Im Interview mit der TS gibt uns die Sprecherin stellvertretend einen Überblick über die aktuelle Lage in Agatharied.

Werden die Mitarbeiter des Krankenhauses Agatharied immer noch dreimal die Woche auf Corona getestet?

Melanie Speicher: Nicht geimpfte oder nicht genesene Beschäftigte sollen sich ohne Rücksicht auf die 7-Tage-Inzidenz vor Ort an mindestens zwei verschiedenen Tagen pro Woche, in der sie zum Dienst eingeteilt sind, in Bezug auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 testen lassen. Es besteht nach wie vor ein Testangebot über hausinterne Reihentestung

Auch geimpften Mitarbeitern bzw. Genesenen (2G) wird die regelmäßige Testung mittels Schnelltest nahegelegt, da sich auch geimpfte Personen gegebenenfalls anstecken und damit zum Spreader werden können. Um dies gerade bei einem nahezu symptomlosen Verlauf zu erkennen und den Eintrag einer Infektion ins Haus zu vermeiden, ist die Testung auch bei diesen Personengruppen dringend zu empfehlen.

Ist ihnen bekannt, wie hoch die Impfrate bei den Mitarbeitern in Agatharied ist?

Speicher: Die Impfrate im Krankenhaus kann nur geschätzt werden – eine Auskunftsplicht gibt es nicht.

Durch freiwillige Rückmeldungen der Mitarbeiter und eine Abfrage zur generellen Impfbereitschaft im Frühjahr, kann allerdings geschätzt werden, dass die Impfquote bei zirka 80 – 85 Prozent liegt.

Gibt es von Seiten der Krankenhaus-Leitung eine Aufforderung an die Mitarbeiter, die Impfangebote anzunehmen?

Speicher: Die Impfung wird durch die gesamte Krankenhaushausleitung inklusive Ärztlichem Direktorium und Pflegedirektorium dringend empfohlen. Auch am Krankenhaus-Campus vor Ort, in einer extra eingerichteten Zweigstelle des Impfzentrums Miesbach, gibt es die Möglichkeit für Mitarbeiter, Patienten und Besucher sowie für Externe sich täglich zwischen 14 und 17 Uhr und ohne Voranmeldung mit allen verfügbaren Impfstoffen impfen zu lassen.

Beobachten Sie aktuell einen Anstieg bei der Zahl der “ungeimpften Reiserückkehrer”?

Speicher: Unter den zuletzt Aufgenommenen Covid-Positiven befanden sich einige Reiserückkehrer, keiner davon war geimpft.

Welche Altersstruktur ist bei derzeit wegen Corona behandelten Personen zu beobachten?

Speicher: Das Alter der Covid-19 positiven Personen variiert sehr stark.

Auffällig ist jedoch, dass das Durchschnittsalter im Vergleich zur Zeit vor den Impfungen deutlich gesunken ist. Dieser Trend wurde bereits ersichtlich, als die Menschen in Pflegeheimen flächendeckend geimpft wurden. Die Covid-Patienten, die wir im August behandelt haben, waren zwischen 30 und 80 Jahre alt, aber alle ohne Impfschutz.

Wie viele Patienten befinden sich derzeit in Behandlung aufgrund einer Corona-Infektion?

Speicher: Die Zahl der stationären Covid-19-Patienten schwankt sehr stark. Im Durchschnitt wurden während der letzten zwei Wochen zirka zwei bis vier Patienten stationär geführt. Ergänzend angemerkt sei noch, dass neben den bestätigten Corona-Patienten auch weiterhin die Patienten mit unsicherem Coronastatus eine große Herausforderung für den Krankenhausbetrieb sind.

Dies sind vor allem Patienten, die nach RKI Vorgaben entsprechende Symptome (wie beispielsweise eine akute Bronchitis, eine Pneumonie, Atemnot oder Fieber) aufweisen oder aber ungeimpfte Patienten und daher bis zum Vorliegen eines negativen PCR-Tests isoliert werden müssen.

Dies stellt sowohl die Pflege als auch die Ärzte vor eine bettenplanerische Mammutaufgabe, insbesondere dann, wenn das Patientenaufkommen durch die Erkältungszeit naturgemäß weiter ansteigt.

Im Nachbarlandkreis Rosenheim steigt die Zahl der intensivmedizinisch betreuten Patienten. Rechnen Sie mit einer ähnlichen Entwicklung im Landkreis?

Speicher: Auch wir beobachten den Anstieg an intensivmedizinisch betreuten Patienten im Landkreis Rosenheim sehr genau. Wir stehen natürlich in engem Kontakt mit unseren Kollegen und erwarten auch bei uns einen erneuten Anstieg dieser Fälle. Nach den derzeitigen Erkenntnissen ist aber davon auszugehen, dass es sich aber nur um einen moderaten Anstieg handeln dürfte.

Wie stehen Sie zu der geplanten Risikoeinschätzung durch den 7-Tage Inzidenzwert und die Belegung der Intensivbetten?

Speicher: Wir sehen den 7 Tage-Inzidenzwert als reinen Parameter für die Risikobewertung als nicht ausreichend. Eine Kombination aus aktueller Krankenhausbelegung und Belegung der IntensivBetten erachten wir als sinnvoll.

Dies ist aber auch mit Vorsicht zu genießen, da es in vielen Fällen erst mit einer zeitlichen Verzögerung zu einer stationären ggf. intensivmedizinischen Behandlung kommt. Dies in einem Parameter darzustellen ist leider nicht möglich und beschäftigt aktuell die politischen Entscheidungsgremien.

Aktuell ist die Impfung weiterhin die einzige wirksame Maßnahme im Kampf gegen das Coronavirus. Wir empfehlen jedem Bürger, diese wahrzunehmen und so dazu beizutragen, die Pandemie einzudämmen und sich selbst und seine Angehörigen vor einem schweren Verlauf zu schützen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Speicher.


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