Wie der Gmunder Gemeinderat den Aufstand gegen von Preysing probte

Dämpfer fürs große Ego

Von Christopher Horn

Bürgermeister Georg von Preysing ist Widerspruch nicht gewohnt. Den Gmunder Gemeinderat hat er im Griff. Doch damit war es vergangene Woche für einen kurzen Augenblick vorbei. Die Räte durchschauten Preysings Egomanöver und probten den Aufstand.

Bürgermeister Georg von Preysing muss einen Dämpfer für sein Ego verdauen
Wenig zu lachen hatte Georg von Preysing am vergangenen Dienstag.

Ein Kommentar von Christopher Horn
Es müssen ungewohnte Zeiten für Georg von Preysing sein. In dieser Woche hat der Gmunder Bürgermeister kurz die Kontrolle über seinen eigenen Gemeinderat verloren.

Sonst spielt Preysing bei den Sitzungen des Gremiums gerne den Alleinunterhalter: Er sorgt mit flotten Sprüchen für Erheiterung im Ratssaal, gibt gleichzeitig aber stets die Richtung vor. Es wird zwar rege diskutiert, am Ende stimmt die Mehrheit aber meist so, wie ihr gewählter Anführer es erwartet.

Gelegentliche Einwände von der Grünen-Gemeinderätin Helga Wagner hört sich Preysing zwar mit einem Lächeln auf den Lippen an, wirklich Gehör finden sie aber nicht. Wagner ist für ihn nur ein lästiges Nebengeräusch. Ab und an kommt auch Barbara von Miller (SPD) aus der Deckung und wagt es, dem Rathauschef zu widersprechen. Die Anderen geben sich aber meist parteiübergreifend linientreu.

Ein Racheplan

Doch vergangenen Dienstag hat die Treue tiefe Risse bekommen. Und Schuld ist ausgerechnet ein Projekt, mit dem die Gemeinde Gmund eigentlich gar nichts zu tun hat. Die Rede ist vom Sonnenbichl in Bad Wiessee. Der dortige Förderverein Schneesport Tegernseer Tal wird von allen Talgemeinden finanziell unterstützt, auch Gmund bewilligte in diesem Jahr, mit Preysings Stimme, einen Zuschuss.

Doch nun ist Preysing sauer auf seinen Wiesseer Amtskollegen Peter Höß. Der ist ihm bei einer Abstimmung im Kreistag in den Rücken gefallen. Hintergrund war die Ausweisung von neuem Bauland am Osterberg und an der Münchner Straße in Gmund.

Höß stimmte ebenso dagegen, wie der ehemalige Rottacher Bürgermeister Franz Hafner. Für Preysing muss sich das wie ein Affront angefühlt haben. Also setzte er auf seine, ihm sonst so treue, Gefolgschaft im Gmunder Gemeinderat und schmiedete einen Racheplan.

Gemeinderat durchschaut Preysings Manöver

Preysing wollte kurzer Hand die schon genehmigte Finanzspritze für den Förderverein Schneesport zurückziehen und setzte einen entsprechenden Antrag auf die Gmunder Tagesordnung.

Was dann am vergangenen Dienstag passierte, kann man getrost als kleine „Gmunder Palastrevolution“ bezeichnen: Preysing wurde von seinen Räten zur Ordnung gerufen. Sie setzten lieber auf die Solidarität mit den anderen Talgemeinden, als auf ihren Gmunder Zampano.

Den Gmunder Gemeinderat hat der Bürgermeister eigentlich im Griff. Archivbild
Den Gmunder Gemeinderat hat der Bürgermeister eigentlich im Griff. Archivbild

Doch Preysing ist clever und wendete eine drohende Abstimmungsniederlage mit einem geschickten Schachzug ab. Er zog seinen Antrag kurzerhand zurück und erklärte, er habe lediglich nochmal über das Thema diskutieren wollen.

Am Ende der Sitzung konnte der Gmunder Bürgermeister daher zumindest ein wenig erhobenen Hauptes aus der Sitzung gehen. Er hatte nicht nur sein Gesicht, sondern in seinen Augen auch den Nimbus des unumstrittenen Gmunder Anführers gewahrt.

Bärendienst für die Solidarität

Dabei zeigte Preysing mit seinem Manöver alles andere als Weitsicht und Souveränität, sondern eher das Gesicht eines trotzigen Jungen, dem man sein Spielzeug weggenommen hat.

Der Solidarität unter den Talgemeinden, die gerade Georg von Preysing jüngst vermisste, hat der Gmunder Rathauschef mit seiner Ego-Nummer allerdings einen Bärendienst erwiesen. Das Manöver ihres Amtskollegen werden sich die Bürgermeister Hagn, Köck, Höß und Bierschneider sicher gemerkt haben.


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