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Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Daniel U.

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Um gut 100 Millionen soll Daniel Uckermann seine Anleger mit einem Schneeballsystem betrogen haben, die TS berichtete. Nun sucht ihn die Polizei – aber der Rottacher ist wohl in Afrika abgetaucht. Die abenteuerliche Geschichte vom angeblichen erfolgreichen Hedgefonds-Manager, der jetzt mit kongolesischem Diplomatenpass auf der Flucht ist.

Hier residierte Daniel Uckermann vor seiner Flucht.
Hier residierte Daniel Uckermann vor seiner Flucht.

Der 33-Jährige hatte schon früh alle Attribute eines “Playboys”. Eine Villa in einer der besten Lagen Rottach-Egerns, dann etliche Nobelmarken, vom Lamborghini, Maserati, einen SUV mit 700 PS, einen Aston Martin für die attraktive Frau von einer Münchner Tabledance-Bar. Auch sein Rennsport-Hobby verschlang Unsummen, von der Miete für die Rennwagen bis zum Rundum-Service an den Boxen.

Als Multimillionär erkaufte sich der Beschuldigte auch noch am 15. März vergangenen Jahres einen Diplomatenpass der Republik Kongo, wie ein Insider berichtet. Den brauchte Uckermann zu diesem Zeitpunkt auch, weil sein Schneeballsystem aufflog und die Staatsanwaltschaft München zu diesem Zeitpunkt bereits Wind bekam, wie Pressesprecher Steinkraus-Koch der Tegernseer Stimme bestätigt.

Vorgeworfen werden dem Lebemann „gewerbsmäßige Untreue und Betrug“. Uckermann war zwar in Rottach-Egern gemeldet, doch seine Firma „Premium Safe Ltd. & Co. Verwaltungs KG“ hatte ihren Sitz in München. Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Gelder der Anleger so verwendet wurden, „wie man ihnen dies bei der Einwerbung der Gelder zugesagt hat“, so Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Bei den Hausdurchsuchungen wurde offensichtlich viel Material sichergestellt, deswegen könne man aus „ermittlungstaktischen Gründen“ derzeit keine weiteren Details nennen.

42 Prozent Rendite

Als ziemlich sicher gilt, dass Uckermann seinen gutgläubigen Anlegern märchenhafte Renditen für ihre Einlagen versprochen hat, von bis zu 42 Prozent im Jahr. Tausende sollen bedenkenlos zugegriffen haben. Manche vertrauten Uckermann bis zu 200.000 Euro an. Ausgegeben hat sich Uckermann wohl als erfolgreicher Hedgefonds-Manager. Eingetrieben wurden die Gelder über die Firma Swiss Concept GmbH in Grünwald, wie der Firmen-Insider berichtet.

Auch Swiss-Geschäftsführer Christian N. soll auf großem Fuß leben. In seinem Fuhrpark in Grünwald sollen ein Ferrari 458, ein Bentley GT und ein Porsche Cayenne GTS stehen. Wo man die Kunden wie der Beschuldigte Uckermann offensichtlich um 100 Millionen Euro und mehr geprellt hat, sind solche Lebensstile leicht möglich.

Verunsicherte Anleger

So lange immer eingezahlt wurde, funktionierte dieses System auch. Die meisten Kunden sahen auch ihre monatlichen Renditen, allerdings nur auf ihren Kontoauszügen, nur wenige bekamen auch ihr Erspartes samt bescheidener Rendite. Das sprach sich rum und erweckte Begierden. Doch dies ist einige Zeit her, nun kursieren anderen Fragen in entsprechenden Foren: „Was soll ich tun?“, fragt ein Interessierter, dem Zweifel aufkommen.

„Lass die Finger davon, bekomme mein Geld auch nicht zurück“, wird ihm geantwortet. „Ich warte nun drei Monate auf eine Auszahlung. Immer nur Beschwichtigungen, und ich sehe meine Einlage dahinschwinden“, beklagt ein Dr. Werner K. am 29. September. „Seit wenigen Monaten nun wird den Anlegern die Auszahlung verweigert, dieses ist den Rechtsanwälten durch Anleger bekannt geworden“, erwidert der Berliner Anwalt Thomas Schulte.

Schmiergeld für Immunität

Die Quellen sind offenbar versiegt, das Geld ist wahrscheinlich genauso weg, wie Daniel Uckermann mit seinem kongolesischen Diplomatenpass. Der wohl nicht ganz billig war, da musste er wohl kräftig schmieren. Zunächst einmal Titelhändler „Konsul“ Hans-Herrmann Weyer in Berlin mit insgesamt 80.000 Euro einschließlich Flugkosten, behauptet der Informant. Weitere 40.000 Euro Bakschisch seien fällig geworden, damit Uckermann bei der Frau des Botschafters der Republik Kongo in Berlin eine Vorzugsbehandlung bekam.

Auch Attaché K. der Botschaft soll nicht leer ausgegangen sein. Ihm spendierte Uckermann wohl einen amerikanischen SUV der Extraklasse, einen Hummer HS, dank seines Verbrauchs wohl der beste Freund der Mineralölindustrie. Als Uckermann am 15. März vergangenen Jahres seinen Pass in Kinshasa abholte, hätte er noch etliche Scheine nachreichen müssen, weil der Frau Botschafterin das Geld beim Hausbau ausgegangen sein soll, erzählt der einst Vertraute von Uckermann.

Keine Werbung für Uckermann? Seine Eigendarstellung sah anders aus...
Keine Werbung für Uckermann? Seine Eigendarstellung sah anders aus…

Ob diesem der Diplomatenpass den Status der Immunität garantiert, sei allerdings fraglich, denn das Auswärtige Amt in Berlin ziere sich, diesen Status anzuerkennen. Nun sollen Uckermanns Berliner Botschaftsfreunde versuchen, ihm einen Honorar Konsul von München ans Revers zu heften. Fraglich bleibt hier, ob Uckermann dies hilft. Denn es ist wohl davon auszugehen, dass er als Beschuldigter inzwischen auf Fahndungslisten steht, nachdem er untergetaucht ist. Seine Villa in Rottach-Egern macht jedenfalls nicht den Eindruck, als sei sie derzeit bewohnt.

Im Internet warb Uckermanns Firma im März noch damit: „Wir entwickeln Produkte durch Beobachtung unserer Mitmenschen, Gespräche mit Freunden und Familie. Wir gehen mit offenen Augen und Ohren durch die Welt. Das Ziel dieser Produkte ist so einfach, wie schwer: Kinder und Erwachsene finanziell absichern“. Manchem Anleger dürfte dies nun wie eine Verhöhnung vorkommen.


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