Wegen Corona: Vier junge Missionare kommen aus Argentinien zurück
“Danke für die glückliche Heimkehr nach Tegernsee”

von Rose Beyer

“Es begann alles so wunderbar. Meine ersten sieben Tage im Hogar – dem Kinderdorf Puerto Rico – waren aufregend und ich begann, mich langsam einzugewöhnen. Doch dann kam alles ganz anders.”

Auf abenteuerlicher Rückreise aus Argentinien: Elisabeth und ihre Freunde

Bei meiner Ankunft noch hatten viele Argentinier die Lage in Europa zu COVID-19 belächelt. Doch kurz bevor die Schule nach den dreimonatigen Ferien wieder beginnen sollte, wurde verkündet, dass der Schulstart auf Anfang April verschoben wird. Als Grund wurden zuerst Lehrerstreiks, später aber dann doch die Corona-Krise genannt.

So beginnt der Reisebericht von Elisabeth Raßhofer (23), die gemeinsam mit weiteren jungen Leuten des sogenannten MaZ-Projekts von Pater Walter Waldschütz ihre Rückreise vom Kinderdorf „Hogar Jesús Niño“ in Puerto Rico/Argentinien zurück an den Tegernsee beschreibt. Hier ihre ganze Geschichte.

Am nächsten Tag, einem heißen Freitagmorgen, war ich im Casa 3 und spielte mit einigen der Kinder ein beliebtes Ballspiel. Gegen 10 Uhr kamen Liliana – die stellvertretende Leiterin des Kinderdorfes – und Nilda – die Kolpingvorsitzende – mit Angelika und Johanna auf mich zu und erklärten mir, dass ich nun in die leerstehende Wohnung von Tia Esther in Quarantäne gebracht werden würde.

Der Grund dafür: die argentinische Regierung hatte für alle Einreisenden aus Risikogebieten eine 14-tägige Quarantäne verordnet. Allerdings war ich schon sieben Tage mit vielen Personen in Kontakt gewesen, weshalb mich auch meine Mit-MaZler besuchen durften.

Am ersten Tag machte ich mir Pläne, was ich nun alles erledigen könnte, beispielsweise meine Spanisch-Kenntnisse weiter vertiefen. Einfach aus allem das Beste machen – das war der Plan! Allerdings wurde dann bekannt, dass ab 17. März auch der gesamte Flugverkehr von und nach Europa eingestellt werden sollte.

Eingegrenzt und unter Quarantäne

Von da an spitzte sich die Lage zu und ich entschied mich, so schnell wie möglich zu versuchen, nach Hause zu kommen. Keiner wusste, wie sich die Coronakrise weiterentwickeln würde. Es folgten noch vor Deutschland landesweite Ausgangssperren, der komplette Nah- und Fernverkehr wurde eingestellt. Personen ab 65 Jahren mussten in Quarantäne – auch zwei Hausmütter.

Provinzgrenzen wurden geschlossen und Johanna und Angelika wurden aufgrund des Kontaktes zu mir ebenfalls vorsorglich bis zum Ende meiner Quarantäne vom Dienst freigestellt. Unterstützung für eine Heimreise kam von allen Seiten: von Herrn Monsignore Walter Waldschütz mit der gesamten MaZ-Projektleitung, Herrn Alexander Radwan mit seiner Wahlkreisreferentin Frau Bogner, Frau Dimitroff von der Deutschen Botschaft in Argentinien, Frau Gisela Hölscher und nicht zuletzt von all unseren Freunden und Familien.

Eine „normale Ausreise“ stellte sich für mich zunächst als sehr riskant heraus, da ich durch die Quarantäne in Flughäfen auf unbestimmte Zeit festgehalten werden könnte. Im Laufe der Woche kam auch der Wunsch bei Julius, Angelika und Johanna auf, nach Hause zu fliegen. Wir alle versuchten, uns über das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes zu registrieren, weil keine anderen Flüge mehr gingen.

Wie kommen wir an ein Flugticket?

Am Donnerstag bekam ich erstmals einen Anruf aus der Botschaft, wo ich mich denn befinden würde und ob es mir möglich sein würde, nach Buenos Aires für einen eventuellen Rückflug zu kommen. Dies war aber nur eine Nachfrage und bezog sich leider auch nur auf eine Person. Als wir aber gerade im Krankenhaus waren und unser Gesundheitszustand für eine mögliche Reise festgestellt wurde, kam nochmals ein Anruf aus der Botschaft.

Man versicherte uns, dass alle vier Freiwillige einen Platz am Montag im Rückholflug bekommen würden. Die kompetente Dame wollte uns dies noch per Mail bestätigen, damit wir auch die Provinzgrenzen mit unserem Fahrer, der vom Kinderdorf organisiert wurde, passieren konnten. Diese Mail kam aber den ganzen Freitag nicht und wir dachten schon, dieser Anruf war wieder nur eine Bestandsaufnahme und wir hätten uns getäuscht.

Doch am Samstagnachmittag kam dann nacheinander bei drei von uns eine Bestätigungsmail an und in Windeseile wurden noch von Nilda und Liliana die ausstehenden Bestätigungen für den Fahrer und uns vom Bürgermeister, der Polizei und dem deutschen Konsul etc. kopiert. Um 20.30 Uhr verabschiedeten wir uns tränengerührt vom Kinderdorf und fuhren mit unseren beiden Fahrern im Kleinbus Richtung Buenos Aires los.

Wir sind nicht allein

Am Sonntagvormittag kamen wir etwas verschlafen am Flughafen an und lernten dort andere Deutsche kennen, die bereits seit fünf Tagen im Terminal 1 campten. Wir waren also nicht alleine und verbrachten die Zeit mit Emails schreiben. Insgesamt waren es 53 Mails innerhalb einer Woche. Damit wir für den nächsten Tag alle vier eine vorläufige Flugbestätigung vorzeigen konnten.

Durch die Unterstützung aus Deutschland gelang es dann tatsächlich, dass auch Angelika noch eine Zusage erhielt. So konnten wir entspannter Karten spielen und weiter abwarten. Um 7.30 Uhr sollten sich alle Deutschen am Schalter der Lufthansa einfinden, hieß es. Allerdings standen die Ersten bereits um 2.30 Uhr vor Ort und so gesellten wir uns auch ab 3 Uhr in die Warteschlange.

Um 8.00 Uhr hielten wir alle vier glücklich und noch etwas ungläubig unser Flugticket in der Hand. Wie sich später herausstellte, hatten wir großes Glück gehabt, da der Flug mit 80 Personen überbucht war und es viele einfach nicht so schnell bis zum Flughafen in Buenos Aires geschafft hatten.

Glückliche Heimkehr

Am Dienstagmorgen landeten wir glücklich in Frankfurt, wo schon Angelikas Eltern auf uns warteten. Im Namen von uns vier (Angelika, Julius, Johanna und Elisabeth) möchte ich ein herzliches Vergelt‘s Gott aussprechen und dar las gracias (Muchas Gracias por tu ayuda!) an alle, die zu unserer glücklichen Heimkehr beigetragen haben.

Wir schauen nun weiter zuversichtlich in die Zukunft und hoffen, dass die Corona-Krise möglichst bald und glimpflich an allen und allem vorüber geht. In Gedanken sind wir sehr oft noch immer in Puerto Rico bzw. Capiovi!


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