Das Dorffest hat es bewiesen: Gemeinsam kann man Großes erreichen
Danke Wiessee! Die Chance der Gemeinschaft

von Steffen Greschner

Man kann einiges lernen vom Erfolg des gestrigen Dorffestes: mit Gemeinschaftssinn haben es die Wiesseer in den letzten Wochen geschafft Großes auf die Beine zu stellen. So standen während den Spielen hunderte Menschen morgens bereit, um sich gegenseitig und den Ort zu unterstützen.

Organisiert wurde alles von Ehrenamtlichen, die Spaß an der Sache hatten und den Rest einfach mitgerissen haben. Am Ende weiß keiner genau wie – aber alles hat großartig geklappt!

Gemeinschaftssinn vs. Unternehmerdenken

Vor über einem Jahr wollte schonmal jemand Großes bewirken, in und mit Bad Wiessee. Ein Unternehmer hatte den Beachclub ins Leben gerufen. Sein Gedanken waren nicht so viel anders: Er wollte ein Dorffest, den kompletten Sommer über.

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Der Beachclub als Treffpunkt, als Anlaufstelle, um sich mit Freunden zu treffen und den Tag im Freien zu verbringen. Und natürlich wollte er damit Geld verdienen. Damals hatte es nicht geklappt.

Der Beachclub auf dem Spielbankgelände: Großer Euphorie folgte damals schnell große Ernüchterung

Die von Kritikern ausgemachten Gründe für das Scheitern: hässliche Container, die Atmosphäre zu langweilig, Getränke zu teuer, das Essensangebot zu gering. Und doch liegt es vielleicht an etwas anderem. Der Beachclub ist, anders als die Bewerbung zum Dorffest, nicht aus der Initiative von Bürgern entstanden, sondern aus den Überlegungen eines Unternehmers.

Klar, auch das Dorffest hatte professionelle Unterstützung: Bayern3 schuf den Rahmen, hatte mit Profis die Bühne aufgebaut und auch gestern Abend für den reinbungslosen Ablaufs des Programms und hochkarätige Künstler gesorgt.

Aber die eigentliche Aufgabe, daraus ein schönes Dorffest zu machen, haben die Wiesseer alleine gestemmt. Keine Eventagentur hat die Organisation übernommen und Getränkestände aufgebaut, sondern Vereine, Ehrenamtliche – eben Amateure und damit ganz normale Menschen.

Wenn Bürger ihre Plätze zurückerobern

Ein gutes Beispiel, wie ein institutionalisierter Gemeinschaftsgedanke in der Realität aussehen kann, zeigen die Bürger der Baden-Württembergischen Stadt Vaihingen/Enz jeden Sommer aufs neue, indem sie ihren Marktplatz zum eigenen Beachclub umfunktionieren.

Auf eigene Initiative und auf eigene Rechnung beziehungsweise durch freiwillige Spenden, wird der Vaihinger Marktplatz über die Sommermonate von den Bürgern mit Strandleben gefüllt. Die Stadt selbst stellt lediglich die Fläche, also das “Commons/Gemeingut” der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung.

Was dort den Sommer über passiert liegt anschließend alleine in der Hand der Bewohner:

Der Vaihinger Marktplatz hat sich auch 2012 wieder in einen der größten Sandkästen der Region verwandelt. Vom 16. Juli bis 3. September gibt es den rund 300 Quadratmeter großen Sandstrand am Marktplatzbrunnen. Spielerische und sportliche Ereignisse, organisiert von Einzelpersonen, Vereinen oder anderen Organisationen, tragen auch in diesem Jahr wieder zum Gelingen des Strandsommers bei.

Das Vaihinger Strandleben gilt als bürgerschaftliche Gemeinschaftsaktion. Freiwillige finanzieren, organisieren und betreuen das Angebot, das sich zum echten Sommerhit entwickelt hat. Auf einer 300 Quadratmeter großen Sandfläche können die Vaihinger und ihre Gäste ganz neue Marktplatzgefühle entwickeln.

Rund um den Stadtstrand entstehen durch das bürgerschaftliche Engagement Angebote und Programme (PDF), die nur durch die gemeinschaftliche Nutzung der Fläche überhaupt möglich werden.

Vaihinger Bürger halten Lesungen und organisieren Bucktauschkreise, andere bieten Yogakurse oder Spiel- und Bastelstunden an. Örtliche Vereine und die umliegenden Gastronomen kümmern sich um die Verpflegung. Für die Sauberkeit wird selbst gesorgt und die Spielregeln garantieren ein friedliches Miteinander.

Klar, auch dort gibt es so etwas wie einen ehrenamtlichen Organisator, der die Terminvergaben koordiniert und Überschneidungen vermeidet. Diesem kommt eine ähnliche Rolle zu, wie Michael Herrmann bei der Wiesseer Dorffestbewerbung. Aber es gibt keinen Veranstalter, der bestimmt, was auf dem Vaihinger Beachclub passiert. Es gibt keinen Platzherren, der sich um Getränke, Preislisten oder Zutrittsbeschränkungen kümmert. Geregelt wird alles durch gegenseitiges Verständnis.

Geburtstagsfeiern auf dem Marktplatz 

Der Vaihinger Marktplatz wird so seit Jahren in den Sommermonaten zum Gemeingut. Er wird mehr oder weniger von der Gemeinde an die Bürger übergeben und kann von jedem genutzt werden. Egal ob zum Feierabendbier mit Freunden, für die eigene Geburtstagsfeier oder als Veranstaltungsort für Vereine. 

So viel los, wie beim Dorffest, war auf Bad Wiessees “Brachland” noch nie

Auf dem ehemaligen Spielbankgelände in Wiessee ist am Wochenende ähnliches passiert. Natürlich in größerem Rahmen und nicht ausschließlich durch die Eigeninitiative der Bürger, sondern mit tatkräftiger Unterstützung durch einen großen Radiosender.

Und trotzdem hat das Dorffest gezeigt, was an Bewegung und Motivation entstehen kann, wenn es um eine gemeinsame Sache geht. In Rekordzeit wurde ein Fest organisiert, welches das Tal in dieser Form noch nicht gesehen hatte. Es wurde ein eigenes Lied komponiert und ordentlich für den eigenen Ort gekämpft.

Die Räume sind da: Sie sollten genutzt werden

Vielleicht kann man diese positiven Erfahrungen auch für weitere Vorhaben nutzen. Vielleicht hat auf diese Weise auch ein Beachclub in Wiessee wieder eine Zukunft – die Fläche dafür ist da. Warum das Grundstück verkaufen, wenn man Mehrwert für alle schaffen könnte!?

Was auch immer dadurch entstehen kann. Dass allerdings etwas umsetzbar ist, was die meisten vor einiger Zeit wohl als Spinnerei abgetan hätten, haben die Wiesseer in den letzten Wochen gezeigt. Dafür einfach mal ein großes Dankeschön an alle, die mitgemacht haben!

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