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Trotz Parkplatz-Streit: Kaltenbrunn als Beispiel für nachhaltiges Bauen

„Das ist nicht tirolerisch jodelnd“

Hochwertig, innovativ und nachhaltig soll es sein, aber man sollte beim Bauen nicht jedem Trend nachlaufen. So die Botschaft einer Pressereise, die vergangene Woche auch auf das vieldiskutierte Gut Kaltenbrunn führte.

Rzehak und Pawlowsky (2. Und 3. V. l.) im Kreis der Architekten aus dem Landkreis.
Rzehak und Pawlowsky (2. und 3. v. l.) im Kreis der Architekten aus dem Landkreis und Geschäftsführer Kemeter (r)

Qualitätsvolles Bauen sei ein hoher Anspruch, dem man sich im Kreistag 2009 mit einem Arbeitskreis gestellt habe, sagte Kreisbaumeister Werner Pawlowsky zu Beginn des Pressetermins auf Gut Kaltenbrunn. Dieses Gremium, dem acht „renommierte Architekten mit Gestaltungsanspruch“ angehören, hatte den Auftrag, aus dem Landkreis bis 2014 eine „Premiumregion für Architektur“ zu machen. „Was aber unmöglich ist“, so Pawlowsky, „weil sich der Staat immer mehr aus den Genehmigungsverfahren zurückgezogen hat, unter dem Motto: die Bürger müssen selbst entscheiden, was schön ist“.

Trotzdem habe man einen Konsens formuliert, was regional typisch für ein Haus ist, „das in unsere Gegend passt. Man war sich schnell einig, das ein Toskana-Haus, das manche gerne hätten, eben nicht hierher passt“. Als Vorlagen für qualitätsvolles Bauen dienten bei diesem Termin denkmalgeschützte Häuser, Wohnhäuser, Gewerbebauten und Mehrfamilienhäuser.

Manches im Landkreis „passe noch nicht“

Bestes Beispiel, aber eine Ausnahme, sei hierfür einfach das denkmalgeschützte Gut Kaltenbrunn, weil es schon stehe. „Es war ein Glücksfall, dass die Unternehmerfamilien Schörghuber und Käfer eine Symbiose gefunden haben“, so Pawlowsky anerkennend. Denn im Grunde belasse man alles so, wie es ist. Man baue nichts Besonderes dazu.

Allein von den Baumaßnahmen, die hier ablaufen, ist es unter den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes ein Gewinn für den ganzen Landkreis.

Natürlich könne man immer über Details streiten. Es sei hier allerdings nichts passiert, was nicht mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgesprochen worden sei, auch die langgestreckte Beton-Stützmauer zum Biergarten. “Ich finde auch die zeitgerechte Form des Salettl-Anbaus im Eingangsbereich in Ordnung. Aus meiner Sicht wertet dieser Flachbau das altehrwürdige Gemäuer nur auf, auch wenn er sich deutlich absetzt“. Pressesprecher Birger Nemitz war froh, „dass das Neue nicht historisiert wurde, sondern sich bewusst vom Alten absetzt“.

Der Salettl-Anbau gilt als gelungenes Beispiel Alt und Neu zu vereinen.
Der Salettl-Anbau gilt als gelungenes Beispiel Alt und Neu zu vereinen.

Mit Einschränkungen sieht Landrat Rzehak den Landkreis auf dem richtigen Weg. Vieles sei schon in Ordnung, doch es gebe noch Einiges, „was noch nicht passt. Wir müssen sehen, dass wir noch sensibler werden“. Kaltenbrunn aber zeige, wie es gehen könne. Klar sei aber auch, dass die Ökonomie stimmen muss, „denn Eigentümer und Wirt möchten etwas verdienen. Dieses Alt und Neu trägt dazu bei und passt hier zusammen. Es ist nicht tirolerisch jodelnd“.

Aufwändige Rekonstruktionen

Beim anschließenden Rundgang durch die Baustelle zeigte Käfers Geschäftsführer Markus Kemeter, wie eine nachhaltige Sanierung der gut 200 Jahre alten Gebäudetrakte aussehen kann. Selbst die Mitglieder des Arbeitskreises, allesamt bekannte Architekten im Landkreis, waren angetan von den aufwändigen Rekonstruktionen und den beeindruckenden Details, ob im Rinderstall, der Tenne oder dem Pferdestall, der erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Dort mussten die Dachstützpfeiler vielfach wegen Fäulnis durch neuere Konstruktionen, teils auch mit Stahlverbindungen, ersetzt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Pawlowsky sieht in diesen Maßnahmen keinen Widerspruch zum Denkmalschutz: „Die sind einfach erforderlich und fallen nicht auf“. Die Schießscharten im Pferdestall wurden verglast. Die Zufahrt zur Tenne ist über zwei Rampen möglich. Früher sei man hier mit Kutschen ein- und vorgefahren. Möglich wäre dies wohl dann auch in Zukunft, lässt sich vermuten, wer Käfer kennt.

Die Tenne bietet Platz für 800 Gäste.
Die Tenne bietet Platz für 800 Gäste.

Doch was konkret hier geplant ist, darüber wollte sich Kemeter noch nicht auslassen. Die Entscheidungen würden nächste Woche fallen. Gesprächiger war der Kaltenbrunn-Geschäftsführer beim Rinderstall und der darüber liegenden Tenne für 800 Gäste,. Diese seien mit der Fertigstellung im Oktober voll im Zeitplan und sehr gefragt.

Die ersten Veranstaltungen sind Kongresse, Tagungen und Auto-Präsentationen. Im Winter plant hier auch das Münchner Residenztheater eine Aufführung.

An den Adventssonntagen sollen Lesungen stattfinden. Ansonsten würden große und kleine Firmen bereits ihre Events in Kaltenbrunn planen. „Beim Gesindehaus wird vorerst nur die Fassade erneuert, das Innere bleibt, wie es ist,” so Kemeter. Da gebe es noch keine konkreten Planungen, weil man noch “wahnsinnig” auf den Denkmalschutz Rücksicht nehmen müsse. Auch beim Pferdestall stehen noch Entscheidungen an, aber er würde “definitiv” bis Ende des Jahres fertiggestellt.

Pawlowsky beeindruckten Details im Rinderstall, der nicht nur durch sein Deckengewölbe mit den unzähligen Säulen besticht, sondern auch durch die Schlichtheit im Farbton. Alles ist in weiß gehalten. Dies lockt offenbar auch künftige Hochzeitspaare. 90 Prozent der Heiratswilligen, die bei Käfer anfragen, so Kemeter, würden diesen Raum für ihren Bund fürs Leben buchen.

Bleibt nur noch die Frage, wo sie künftig parken können. Denn die beantragten 275 Stellplätze d+rften nicht ausreichen, wenn die Gastronomie in allen Sälen ausgelastet ist. Der Ernstfall wird es dann zeigen.


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