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Ein Kommentar zur aktuellen Asylanten-Debatte

Das Tal als Unterschlupf in schwierigen Zeiten

Von Steffen Greschner

Es geht um 20 Menschen in Not. 20 Flüchtlinge auf der Suche nach Asyl, die dem Landkreis mit seinen knapp 100.000 Einwohnern „zur Unterbringung zugeteilt“ wurden. Das Landratsamt hat, weil es nicht anders geht, die eigenen Sporthallen als Notunterkünfte ins Gespräch gebracht. Für viele ein No-Go.

Doch seit Medien die Suche thematisieren, passiert etwas Gutes: es entwickelt sich Hilfsbereitschaft in Form privat angebotener Unterkünfte.

Die Turnhalle in Tegernsee wurde als Unterkunft ins Gespräch gebracht, was für Aufregung sorgte.

In den vergangenen Wochen wurden viele Brennpunktthemen zu einer Suppe verkocht: Milliardenhilfen für Griechenland, Wirtschaftsflüchtlinge aus EU-Oststaaten, niedrige Löhne, arme Rentner und jetzt eben noch die Flut Asylsuchender. Deutschland ist der dumme Otto, der Zahlmeister für alles.

Für einige im Tal ist das Fass aber nicht mehr nur voll, sondern durch die aktuelle Entwicklung übergelaufen. Der berühmte Tropfen sind 20 Menschen. Da hilft es auch nicht, wenn die Realität der Zahlen in der aktuellen Suppe ganz anders aussieht: Wenn es um Asylsuchende geht, nimmt Deutschland keine führende Rolle ein.

Zahlenspiele stützen jede These

Auf 1 Million Einwohner gerechnet kamen im vergangenen Jahr 945 Asylsuchende nach Deutschland. In Malta waren es 5.000, in Schweden 4.600. Unsere Nachbarn aus Österreich haben 2.100 Menschen auf der Suche nach Schutz bei sich aufgenommen. Selbst die Schweiz, in Kommentaren auf der Tegernseer Stimme vielfach als „Vorbild für Deutschland“ genannt, hat mit 3.575 Asylbewerbern auf eine Million Einwohner eine sehr viel höhere Quote.

Zugegeben, das ist nur eine Zahl, eine Quote von vielen. Man könnte das endlos weiterspinnen: Aufnahmequoten, Ablehnungsquoten, die Quote zur Umwandlung von Asylantrag in Flüchtlingsstatus. Die Zahl der Abschiebungen. Sicherlich finden sich Zahlen, die jede These unterstützen.

Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht

Die blanken Zahlen sind in solchen Debatten aber weder Grund noch Ursache für Meinungen, Stimmungen und Vorurteile. Es geht um Gefühle. Angst vor Überfremdung und Angst vor sozialen Problemen. Die Angst vor Unbekanntem: Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht. Auch nicht in der aktuellen Suppe.

Unterkünfte für 20 Flüchtlinge auf der Suche nach Schutz – der Landkreis sucht auch im Tegernseer Tal.

Und trotzdem gibt es bei uns im Tegernseer Tal Menschen, die nun versuchen, alle Ressentiments, Ängste und Befürchtungen beiseite zu schieben. Die in der vergangenen Woche zum Telefonhörer gegriffen haben, um dem Landratsamt ihre Hilfe anzubieten. Bei einem Problem, das sich gemeinsam am besten lösen lässt.

Wie viele Angebote für Wohnraum bisher eingegangen sind, wollte man im Landratsamt am vergangenen Freitag noch nicht sagen. Es seien aber erfreulich viele, wie man uns versichert hat. Mitarbeiter des Bauamtes sind bereits unterwegs, um die angebotenen Unterkünfte zu besichtigen.

Sicherer Unterschlupf

Das wünschenswerte Ergebnis wäre ein großer Schritt gegen diffuse Ängste und die Chance zu einem realen Bild: keine „besetzte Turnhalle“ und kein Asylantenheim, das neue Vorurteile schüren würde, sondern Menschen auf der Suche nach Schutz als ein normaler Teil der Gesellschaft. Menschen, die diesen Schutz direkt unter uns finden. Mal alleine, mal als Familie, mal als kleinere Gruppe.

Manche von ihnen werden in Deutschland einen Neustart versuchen. Ob im Tal oder anderswo, ist dabei in deren aktuellen Lage zweitrangig. Andere werden zurück in ihre Heimatländer müssen, sollte ihr Antrag abgelehnt werden. Wieder andere werden überhaupt nicht dauerhaft bei uns bleiben wollen, sondern darauf warten, endlich wieder in ihre – irgendwann hoffentlich sichere Heimat – zurückzukehren.

Ob letztendlich Wohnraum für 20 oder vielleicht nur für fünf oder zehn Asylsuchende in den fünf Talgemeinden gefunden wird – das Tegernseer Tal könnte ihnen eine Stütze sein und ist auf dem besten Weg dahin: als hilfsbereiter und freundlicher Gastgeber oder zumindest als sicherer Unterschlupf in einer schwierigen Zeit.

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