Ökopartei will am Tegernsee zweitstärkste Kraft werden

„Das Tal wird begrünt, das ist gut so“

Heute war es so weit. Nach einigen Ankündigungen hat das Tegernseer Tal nun einen Grünen-Ortsverband. Nicht nur Bayerns Grünen-Chefin sorgte in Gmund für Aufsehen, sondern auch die Tal-Prominenz, die sich für die Partei interessierte oder ihr gleich beitrat.

Grünen Prominenz in Gmund: Ulrike Köster (v.l.) Kreisvorsitzende Miesbach, Louisa Geismann und Hella von Ketelhodt vom Ortsverband, Bayerns Grünen-Chefin Katharina Schulze, dahinter: Thomas Tomaschek (Co-Sprecher des neuen Ortsverbandes), Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) und Georg Kammholz (Co-Kreisvorsitzender) / Alle Fotos: Klaus Wiendl

Schnell füllt sich trotz Ausflugswetters der Nebenraum im Gasthof Maximilian in Gmund. Eine kleine Blasmusik-Besetzung aus Tegernsee spielt, als der „Stargast“ aus dem Landtag auf der Bildfläche erscheint. Dem grünen Gemeinderat aus Rottach-Egern, Thomas Tomaschek, ist es gelungen, Bayerns Grünen-Chefin Katharina Schulze als Geburtshelferin für den Ortsverband der Grünen im Tegernseer Tal zu gewinnen.

Interessant ist aber auch, wer sich nach Gmund verirrt. Beispielsweise Tegernsees Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (BürgerListe), der aus „Neugier“ vorbeikam. Mit seiner Ehefrau kam auch Tegernsees ehemaliger Rathauschef Peter Janssen. Er hatte sich zuletzt noch für die Freie Liste Oberbayern um ein Mandat im Bezirkstag beworben. Da dies nicht geklappt hat, wurde er heute zusammen mit seiner Frau im Maximilian gleich Mitglied bei den Grünen. Die Begründung Janssens:

Ich unterstütze meine Frau, weil sie mich in meiner politischen Arbeit auch unterstützt hat.

Beide durften gleich mitwählen, wie auch Pfarrer Martin Voß aus Bad Wiessee. Es sei auch schon in früheren Jahren einmal Mitglied der Grünen gewesen, wie er auf Nachfrage gegenüber der TS erklärt.

Peter Janssen schließt sich den Grünen an.

Die Idee für einen Ortsverband im Tal sei nach der Landtagswahl entstanden, so Georg Kammholz als Sprecher des Kreisverbandes Miesbach. Zusammen mit Co-Sprecherin Ulrike Küster wolle man die vielen Sympathisanten der Grünen am Tegernsee zu einer Mitgliedschaft mobilisieren. Ziel sei es, so Kammholz, mit Grünen-Listen in jeder Talgemeinde zur Kommunalwahl im nächsten Jahr antreten zu können.

Das Tegernseer Tal habe inzwischen ein großes „Grünen-Potenzial“, davon ist Grünen Landrat Wolfgang Rzehak überzeugt: „Das Tal wird begrünt, und das ist gut so“. In seinen fünf Jahren als Landrat habe sich „schon etwas verändert“. Nicht nur in der Ökobilanz, auch bei den Finanzen: „Wir haben 36 Millionen Euro Schulden abgebaut“. Das sei „nachhaltige Politik“ eines Grünen und nicht eines „CSUlers“. So schlecht könne es daher nicht sein, „wenn man von einem Grünen regiert wird“. Ein gemeinsamer Ortsverband sei gut, so Rzehak weiter, „weil alle Talgemeinden die gleichen Probleme haben“: den Verkehr, bezahlbares Wohnen und den Flächenfraß.

Mit der Gründung des Ortsverbandes beginne nun die grüne „Lawine“ im Landkreis zu rollen. Im nächsten Jahr wolle man nicht nur in „alle Stadt- und Gemeinderäte“ kommen, sondern überall auch „zweitstärkste Kraft“ werden, gab Rzehak als Losung aus. Das Wählerpotenzial sei vorhanden, wenn man keine „Eigentore schieße“. Das Tal aber sei „reif für eine grüne Zukunft“.

Politik mitgestalten

Bis zu 100 neue Ortsverbände will Grünen-Chefin Katharina Schulze noch bis zur Kommunalwahl mit auf den Weg bringen. In dieser aufgewühlten und globalisierten Welt könne man nur etwas gemeinsam schaffen, um die Herausforderungen der Zukunft zu gestalten. Keine „Eigenbrötelei“ in jeder Talgemeinde, sondern ein Miteinander: „Mauern niederreißen und Brücken bauen“, so Schulzes Devise. Man müsse wieder gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus aktiv werden. „Nie wieder“ habe sie schon in der Schule gelernt und „nie wieder“ treibe sie auch an.

“Stargast” Katharina Schulze war in ihrem Element.

Denn die Zeiten seien vorbei, in denen die Gesellschaft dies verinnerlicht habe. Beispiel dafür sei Österreich. Die selbsternannten Patrioten wären bereit, „ihr Land an einen russischen Oligarchen zu verkaufen“. Dies zeige, dass Demokratie „nicht selbstverständlich ist“. Wer Politik mitgestalten wolle, für den reiche es nicht, eine Petition im Internet zu unterstützen, der sollte auch „ein Teil der Politik“ werden. So könne sie sich den momentanen Höhenflug der Grünen erklären.

Die Politik muss die Rahmenbedingungen verändern, ob beim Klimaschutz oder beispielsweise beim Nahverkehr in der Fläche.

Mit dem, so Schulzes Forderung, sollte „jeder Ort stündlich“ angeschlossen sein. Baden-Württembergs Grüne Landesregierung mache dies bereits mit einer Mobilitätsgarantie vor. Am Ende ihrer fünfzehnminütigen Rede verriet Schulze ihren Leitspruch aus dem Elternhaus: „Du bekommst die Welt nicht bessergemeckert, du musst sie besser machen“. Mit der Gründung des Grünen-Ortverbandes mache das Tal den ersten Schritt dazu.

In den Vorstand des bislang 16 Mitglieder starken Ortsverbandes wurden Hella von Ketelhodt und Thomas Tomaschek einstimmig als gleichberechtigte Sprecher berufen. Schriftführerin wurde mit einer Enthaltung Louisa Geismann aus Bad Wiessee. Für die studierte Umweltpolitikerin, die derzeit in Brüssel als Beraterin tätig ist, sei „Grünen-Politik auf dem Vormarsch“. Nicht Mitglied wurde überraschend der Wiesseer Gemeinderat Rolf Neresheimer. Er befürchte derzeit noch “negative Konsequenzen” für seine ranBW-Bewegung. Dass er Grüner werde, sei aber nur eine Frage des “wann”, so Neresheimer.

Der neugewählte Ortsvorstand der Tal-Grünen: Louisa Geismann (Schriftführerin), Hella von Ketelhodt und Thomas Tomaschek (beide Sprecher).
Landrat Wolfgang Rzehak als Mitglied des neuen Ortsverbandes.
Der Nebenraum im Maximilian war gut mit Interessierten an grüner Politik besucht.

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