Starkbieranstich im Bräustüberl Tegernsee

Gäste spenden nach Schifferers Aufruf

Von Steffen Greschner

Ergänzung vom 16. April / 11:52 Uhr
Ganz zum Schluß seiner diesjährigen Fastenpredigt hatte Nico Schifferer – alias Bruder Barnabas – noch etwas Wichtiges zu vermelden. Ein kleiner Spendenaufruf für die Walter-Waldschütz-Stiftung lagen dem Prediger wie auch dem Initiator Peter Hubert am Herzen. So wurde eine Bedienung verpflichtet mit einem Körbchen durch die „geldigen Reihen“ zu gehen. Dabei war der kurze Aufruf am Ende ziemlich erfolgreich. Die Gäste im Bräustüberl spendeten insgesamt 2.190 Euro.

Die Summe wurde nun an die bereits oben erwähnte Walter-Waldschütz-Stiftung sowie an Glückskinder e.V. vom Tegernseer Pfarrer Martin Weber überreicht, der sich auch nochmal explizit bei Hubert und Schifferer bedankt: „Für die spontane Idee ein großes Dankeschön an Peter Hubert und Nico Schifferer. Die Kinder wird es sehr freuen.“

Ursprünglicher Artikel vom 22. März mit der Überschrift: „Das Volk ist verärgert“

Kein Platz blieb am gestrigen Abend frei. Geschlossene Gesellschaft im Tegernseer Bräustüberl. Tal-Politiker, Unternehmer, Prominenz und die Geistlichkeit waren eingeladen, um der diesjährigen Fastenpredigt von Nico Schifferer – alias Bruder Barnabas – zu lauschen.

Verschont wurde dabei kaum jemand – derbleckt so ziemlich alles. Und Schifferer brachte es gleich in seinen ersten Worten auf den Punkt: Es gäbe vieles worüber man sich als Bewohner des Tegernseer Tals mokieren könnte. „Das Volk ist verärgert.“

Ehe Schifferer seinen Rundumschlag um den See begann, bekam die TTT und Chef Georg Overs die volle Breitseite ab: Overs sei ein „Teurer Tourismus Taktiker“, der an einem Abend zwei Gemeinderatssitzungen rasiert und zusätzliche Gelder genehmigt bekommt. „Meinen größten Respekt Herr Overs.“

Was mit dem zusätzlichen Budget passiert, stellte Schifferer auch gleich klar: „Das ist Spitze mit der Spritze. Wir haben zwar damit nicht einen Touristen mehr in der Region. Aber ihre Mitarbeiter haben mehr Geld in der Tasche.“

Den Gemeinden immer mehr Geld abzuluchsen habe die TTT-BT (Träge Tourimus Technik belebt Tirol) und die ATS (Auswärtige Touristen Schnappen) perfektioniert. „Wenns brennt lichterloh – zapf ma halt die Gmeind’n o.“ Und wer als Gast die mittlerweile dichtgemachte Tourist Information in Moosrain findet, der hat drei Übernachtungen gratis verdient.

„Ruinenbumsen im Maximilian“

Dann war Gmund und der von nur 36 Prozent der Bevölkerung wieder gewählte Bürgermeister Georg von Preysing an der Reihe. Von Preysing, der eigentlich ein netter Zeitgenosse ist. Aber in seinem Gemeinderat eine „Quotengrüne mit Nein-Sage-Automatik“ sitzen hat.

Bei Bier und Schweinshaxen, so Schifferer an den Gmunder Bürgermeister gerichtet, kommt man zwar fast allen Menschen näher. Dabei funktioniert die „Von-Preysing-Methode“ prinzipiell ja sehr gut. Doch bei der Grünen Helga Wagner stößt sie auf Grenzen. Da hilft dann nur die Umstellung auf „Sellerischnitzel, Nudelsuppe und einen ayurverdischer Entspannungstee“.

Der hoch subventionierte Dorfladen mit Heimattheke solle lieber das Sortiment auf FC Bayern-Tickets und Pornos mit dem Titel „Ruinenbumsen im Maximilian“ umstellen. Und weil ja jetzt die Brauerei für ordentliche Gewerbesteuer sorgt – „ja da strahlst Schorsch“ – wird aus dem Maximilian bald ein achtstöckiges Hochhaus mit Penthouse für den Bürgermeister.

Ein Friedensinstitut in Kaltenbrunn

Zunächst sollte aber der Tegernsee Lauf mal die Steckenführung ändern – über den Ludwig-Ehrhard-Platz – damit das wuchernde Unkraut zusammengetreten wird und mal mehr als drei Menschen am Tag dort vorbeikommen. Ach ja: und das schöne an einem Gmunder Touristen ist doch: Er kann nicht verschwinden, denn er ist gar nicht erst gekommen.

Weitsichtig und beinahe visionär sind dann Schifferers Gedanken zum Gut Kaltenbrunn. Eine Hochschule ist dort ja völlig okay. Aber Tourismusmanagement? Was sollen den die Studenten dort lernen? Thematisch muss es eher als Friedensinstitut mit dem Schwerpunkt Konfliktmanagement ausgerichtet werden. Und die Lehrstühle wären laut Schifferer auch schnell und kompetent besetzt.

Konfliktbewältigung `Bavarian Style` bei Dr. Preysing, mittels steriler Verwaltung bei Rottachs Bürgermeister Professor Franz Hafner, durch gekonntes Abtauchen bei Dr. der Ruhigstellung Josef Bierschneider aus Kreuth. Im Fach Konflikt als Lebenselixier käme ganz besonders Kurt Sareiter in Frage – mit dem Eröffnungsvortrag: Wir haben zwar kein Konzept, aber das Vertreten wir hart.

Starkbier für das Wiesseer Trauerspiel

Und die Parkautomaten in Wiessee. Des ist ein westuferliches Trauerspiel. Der Gemeinderat Alois Fichtner, seit 10 Jahren selbst Wirt, will sich mit dem Peter Hubert wegen der Parktickets nicht an einen Tisch setzen. Dabei kenne der sogenannte „Sperrhof- und Sperrkopfbauer“ den Hubert Peter doch gar nicht.

Und noch was stimmte Bruder Barnabas traurig. Die Manuela Neuner hört ja auf. Doch der Kurt Sareiter macht immer weiter. „Da wacht einer jeden Morgen unglücklich auf, weil er nicht Bürgermeister geworden ist. Und es verschafft ihm nur ein wenig Linderung wenn er den Amtsinhaber einen reinwürgen kann. So mancher lernts eben nie….“

Grundsätzlich werde man leider von der Trauerballade aus Bad Wiessee noch mehr hören. Denn bei der Rechenlegasthenie von Bürgermeister Peter Höß („Die in der Sparkasse sind man unter vorgehaltener Hand froh, dass der Höß endlich weitergezogen ist und für die Gemeinde arbeitet“) und den horrenden Schulden der Gemeinde sieht nicht nur Schifferer schwarz.

Auch unser Finanzminister Wolfgang Schäuble habe letztens auf einer Pressekonferenz gemeint: „Die Schuldenkrise in Griechenland bekommen wir irgendwie in den Griff. Aber in Bad Wiessee bin ich mir da nicht so sicher.“

Kommunale Flach-Dach-Gehirne

Tegernsees Bürgermeister Peter „Streitbarnstorf“ Janssen musste wegen dem Seesteg, den Bahnhofstoiletten, der Schuhschachtel und dem Parkhaus in Deckung gehen. Tegernsee sei eine Western-City – nach dem Goldrausch. „Für die Hauptstraße fehlten nur noch rollende Büsche wie in einem John Wayne Film – soviel ist dort los.“ Der Seesteg werde nur dafür gebaut, um den Touristen das Grauen zu nehmen.

Doch Janssen solle sich nicht grämen. Denn eigentlich brauche er als König von Tegernsee keinen Stadtrat mehr. Der koste doch nur Zeit und Geld. Die letzten Jahre habe er ja auch in Alleinherrschaft die Ideen entwickelt, entschieden und umgesetzt.

Den richtigen Zahlmeister hat der Rathauschef ja schon. Dr. Norbert Kruschwitz, seines Zeichens treuester Vasalles Janssens und E-Werk-Chef, tue sein bestes um aus Energie Gold zu machen.

Der Kruschwitz ist dafür zuständig, die Eskapadan seines Chefs zu finanzieren über die der Bürger im Unklaren gelassen wird.

Der kann die Kohlen gar nicht so schnell herbringen, wie sein Bürgermeister diese auf dem Altar der selbstdarstellererischen Projektwut verheizt.

Und auch auf die Dixie-Klo-Posse der Stadt ging Schifferer ein. Die Bedürfnisanstalt am Bahnhof sei eine Schande für jede touristische Metropole. Eine „Stuhlgangsinkompetenz“ sozusagen. Bruder Barnabas dazu wörtlich: „Das ist die Stadt, wo man sich um jeden Gast noch reißt, solange er nicht bieselt oder scheißt.“

Illegale Stromerzeugung

Dass Rottach, Kreuth und Landrat Jakob Kreidl beinahe komplett verschont blieben, hat einen Grund: es gab keine Themen. Nur die Renovierung des Kur- und Kongress-Saals erinnere Bruder Barnabas hinsichtlich Bauzeit und Kostenexplosion ein wenig an Ground-Zero.

Und in Kreuth ist außer beim CSU-Neujahrsempfang und wegen der „Vicky“ Rebensburg schon gar nichts los. Doch da die Naturkäserei auch auf Kreuther Grund steht, hat die Gemeinde trotzdem ein kleines Thema: die illegale Stromerzeung der Naturkäserei. Die laut Schifferer auf dem „riesen Dach mehr Strom erzeugt, als das legale Mühlbach-Murmel-Wasserradl vom E-Werk-Kruschwitz.“

Und so beendete Nico Schifferer seine Reise um den See. Vielleicht sind die Menschen ein wenig verärgert. Doch sie können trotzdem noch lachen. Auch das wurde gestern klar.


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