Straßensanierung in Ellmösl
Das Warten auf die Abrechnung

von Nicole Kleim

Ein Anwalt, der nicht agieren, und eine Gemeinde, die keine Abrechnung verschicken kann. Anwohner, die bangen. Alles wartet und hängt an einer Sache: der Schlussrechnung für die umstrittene Straßensanierung in Ellmösl in Rottach-Egern. Nur, warum kommt die Rechnung nicht?

Die Straße in Ellmösl ist längst saniert – und die Anwohner warten noch immer auf die Schlussrechnung. / Bild: Felix Wolf

Obwohl die Straßensanierung in Ellmösl in Rottach längst abgeschlossen ist, ist noch immer die endgültige Höhe der Kosten offen, die die Anwohner zahlen müssen. Eigentlich sollte die Schlussrechnung der Gemeinde längst vorliegen. Die Lenggrieser Baufirma Willibald hatte der Gemeinde im letzten Jahr zugesagt, diese noch vor Weihnachten zu schicken. Dann wurde sie für Januar versprochen, zuletzt hoffte man im Februar auf die Endabrechnung. Im Rathaus von Rottach-Egern hört man diese Versprechungen nicht zum ersten Mal. Geschäftsleiter Gerhard Hofmann:

Die Schlussrechnung für den Straßenausbau Ellmösl ist trotz wiederholter Nachfrage noch nicht bei uns eingegangen. Wir hoffen, dass dies bald passiert. Wir sind dran.

Kein Rechnungseingang – und das, obwohl Georg Reiser von der Lenggrieser Firma Willibald, der als Bauleiter für die Straßensanierung in Ellmösl verantwortlich war, noch im Dezember letzten Jahres erklärte, man werde die Rechnung „noch in diesem Monat“ verschicken. Als Grund für die bis dahin entstandene Verzögerung gab er personelle Engpässe an.

Rechnung ist auf dem Weg – nur noch nicht ins Rathaus

Genau von dieser Rechnung hängt es aber ab, wieviel Geld die Anwohner für den Straßenausbau letztendlich noch zahlen müssen. Auf erneute Nachfrage bei Georg Reiser erklärt dieser, die Rechnung werde man in der kommenden Woche dem zuständigen Rottacher Ingenieur- und Planungsbüro Strohschneider zukommen lassen, damit dieses noch die Schmutz-, Wasser- und Kanalgebühren für die Anwohner auseinanderdividiere. Erst danach leite man die Rechnung der Gemeinde weiter.

Wie berichtet, war der Straßenausbau für viele der Anwohner in Ellmösl ein finanzielles Desaster. Die Gemeinde hatte sich nach Jahren für eine Komplettsanierung der Straße inklusive eines neuen Kanalanschlusses entschieden. Von den Anwohnern verlangte sie daraufhin die anteiligen Herstellungskosten von immerhin 70 Prozent der mit 850.000 veranschlagten Gesamtsanierungskosten.

Je nach Grundstücksgröße und Anzahl der Geschosse fallen damit auf jeden der 35 Anwohner zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Wie Hofmann mitteilt, können die anteiligen Herstellungskosten bis zu fünf Jahren gestundet werden. Der Stundungszins liegt bei ungefähr 1,2 Prozent.

Ruhe vor dem Sturm

50 Prozent der zu erwartenden Kosten wurde den Anwohnern bereits im Oktober vorletzten Jahres in Rechnung gestellt. Auf den zweiten Teil, der eigentlich im April letzten Jahres folgen sollte, warten die Anwohner noch immer. Zwischenzeitlich ist ein Münchner Anwalt eingeschaltet worden, der prüfen soll, ob die Höhe der Kosten rechtswidrig ist, und ob die Straßensanierung nicht deutlich günstiger hätte durchgeführt werden können. Prüfen kann er aber nur, wenn ihm die Rechnung vorliegt.

Die Stimmung in Ellmösl? „Relativ ruhig“, wie Anwohner Alexander Singldinger bemerkt. „Alles sind gespannt, was da kommt.“


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