Wiessees Bürgermeister zum Lindenplatz-Desaster

„Das wussten wir im Vorfeld nicht“

Von Nicole Kleim

Für viele war die Baustelle am Wiesseer Lindenplatz ein Desaster. Touristen schimpften über Lärm, die Staus waren lang, die Geschäftsleute traf es auch und der Gemeinde warf man Inkompetenz vor. Wiessees Bürgermeister Peter Höß äußert sich nun zum ersten Mal zu „seiner Baustelle“.

Wiessees Buergermeister Peter Höß im Interview mit der Tegernseer Stimme.
Wiessees Bürgermeister Peter Höß im Interview mit der Tegernseer Stimme.

Die Baustelle am Wiesseer Lindenplatz wurde die letzten Monate zur Problemzone. Sowohl für Anwohner und Geschäftsinhaber als auch für die Gemeinde selbst. Unzufriedene Bürger, finanzielle Einbußen bei den Geschäften, Staus, schimpfende Touristen. Allen voran eine Gemeinde, die sich dem Vorwurf ausgesetzt sah, inkompetent und überfordert zu sein. Ein Bürgermeister mit mangelnder Führungsstärke? Oder jemand, der – notfalls gegen eine Menge Kritiker – für Veränderung steht?

Tegernseer Stimme: Herr Höß, sind Sie glücklich, dass die Saison vorbei ist?

Peter Höß: Wie meinen Sie das? Ich finde, die Saison ist gut gelaufen.

Das sehen einige anders. Die Baustelle am Lindenplatz war für einige ein Desaster. Viele fragen nach dem Sinn und Zweck. Wie ist das Projekt aus Ihrer Sicht gelaufen?

Peter Höß: Gut. Zum einen haben wir die Umgestaltung des Lindenplatzes nicht allein hier im stillen Kämmerlein entschieden. Der gesamte Gemeinderat wurde nicht nur informiert, sondern hat dem Projekt zugestimmt. Gewisse Zeitverzögerungen sind bei solchen Baumaßnahmen immer dabei. Das Ganze hat sich um zwei bis drei Wochen verzögert.

Was kam denn dazwischen?

Peter Höß: Ungeplante, nicht vorherzusehende Maßnahmen, wie beispielsweise die Verlegung des Heissenbachs, die Erneuerung von Abwasserleitungen und Hausanschlüssen. Ein Haus hat neue Dachrinnenabläufe für beide Hausseiten bekommen, was einen trockenen Keller für den Eigentümer zur Folge hatte. Aber kaum war das gemacht, hagelte es auch schon wieder Kritik. So ist das eben, wenn sich in einer Gemeinde etwas verändern soll. Alle wollen es, aber den Ärger mit dem Umbau will keiner.

Die Kritik war ja die, dass die Bauarbeiten während der Saison stattfanden. Hätte man die Maßnahmen nicht in mehrere zeitliche Abschnitte aufteilen, den Geschäftsleuten mehr Luft für Umsatz geben können?

Peter Höß: Dann wären wir heute nicht so weit. Man muss ja erstmal bei den Zahlen schauen. Wir haben auch von Geschäftsleuten die Information bekommen, dass sie keinerlei finanzielle Einbußen hatten.

Sie sprechen wahrscheinlich vom Sportgeschäft Estner, dessen Kunden durch die Baustellenabgrenzung direkt am Geschäft vorbeigeführt wurden, und dessen Produkte unabhängig vom Lärm verkaufbar sind. Da ist man natürlich milder im Urteil…

Peter Höß: Am Ende wird der Platz um so viel attraktiver sein, dass mögliche Geschäftseinbrüche in diesem Jahr im nächsten Jahr sicher wieder reingeholt werden. Unser Ziel war es, den Ort optisch deutlich zu verbessern. Dieses Ziel werden wir erreichen.

Ist es wirklich eine Verbesserung?

Peter Höß: Sicher. Es wird ein richtig großer, erlebbarer Platz. Vor allem wird die Verkehrssituation deutlich entschärft. Das hat auch das Straßenbauamt bestätigt. Schauen Sie, der Zebrastreifen hat den Verkehrsfluss behindert. Eine Querungshilfe samt Ampel entschärft die Situation.

Sind Sie sicher, dass eine Ampel zu weniger Staus führt?

Peter Höß: Eine Ampel löst nicht zwangsläufig einen Stau aus. Sie wird selten benutzt werden. Meistens überqueren die Fußgänger doch in Gruppen die Straße.

Drückt nicht die Rentnergruppen verstärkt auf die Ampel?

Peter Höß: Eigentlich wollten wir keine Ampel. Wir sind dem Wunsch des Behindertenbeauftragten Grafwallner gefolgt, der uns gebeten hatte, die Mitbürger mit Behinderungen zu berücksichtigen.

Im Gespräch mit Wiessees Geschäftsleiter Michael Herrmann und Bürgermeister Peter Höß.
Mittlerweile entspannter: Wiessees Geschäftsleiter Michael Herrmann und Bürgermeister Peter Höß.

Wird die Ampel 24 Stunden lang laufen?

Michael Herrmann: Sie wird durchlaufen. Sollte es Probleme geben, müssten wir das hinterfragen. Aber generell gilt, dass eine Ampel Fußgängerströme bündelt, während ein Zebrastreifen wesentlich stärker behindert, weil Einzelpersonen den Verkehr zum Anhalten zwingen.

Wer zahlt die Ampel?

Peter Höß: Am Ende die Gemeinde Bad Wiessee.

Und was sind Ihre Lehren aus dem Projekt?

Peter Höß: Über die Medien hätten wir das Projekt erklären und dessen Vorteil in den Mittelpunkt stellen sollen. Ich sitze zu viel am Schreibtisch und habe zu wenig Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit gelegt. Das weiß ich spätestens, seitdem ich ihren giftigen Kommentar gelesen habe.

Hätte denn der Ärger so verhindert werden können?

Peter Höß Am Lindenplatz haben wir eine besondere Situation: Es ist ein Nadelöhr, Umfahrungsalternativen gibt es nicht. Und Baustellen lösen immer Ärger aus. Aber in diesem Fall ließ sich das nicht anders machen. Im nächsten Jahr wird keiner mehr über die Bauphasen sprechen. Ich bin mir sicher, dass sich alle über die Neugestaltung des Lindenplatzes freuen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!


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