Ein Kommentar zur Kreis-SPD und ihrem Landratskandidaten

Der blasse Huber nimmt seinen Hut

Von Steffen Greschner

Große Ratlosigkeit herrscht derzeit bei der Kreis-SPD. Mit Robert Huber hatten die Genossen den heimlichen Favoriten in den Wahlkampf um den Posten des Landrats geschickt – zumindest dachten sie das bis zum Wahlabend. Doch die gewonnenen Stimmen reichten am Ende nicht mal für die Stichwahl. Mit Anstand und Zurückhaltung hat Huber die Wahl verloren und eine große Chance vertan.

 Nach dem gescheiterten Versuch Landrat zu werden zieht sich Robert Huber nun komplett aus der Kreispolitik zurück. Archivblid
Robert Huber zieht sich komplett aus der Kreispolitik zurück / Archivblid

Ein Kommentar von Steffen Greschner:
Die SPD hat im Landkreis auf ganzer Linie versagt. Alle Parteien, mit Ausnahme der FDP-Überreste, haben vom schwachen Abschneiden der CSU profitiert. Nur bei den Genossen hat sich nichts getan. Gleiche Prozente, gleiche Sitze wie 2008. Und das obwohl keine andere Partei ähnlich gute Voraussetzungen hatte. Genutzt hat das den Genossen nicht.

Robert Huber hätte den Aufsichtsrat der Sparkasse kritisieren können, in dem seine Partei als einzige nicht verteten ist. Er hätte für mehr Transparenz einstehen können und für einen neuen Politikstil im Landkreis. Er hätte seine Hände im Skandalwahlkampf ganz plump in Unschuld waschen können. Monothematisch zum ersehnten Erfolg. Stattdessen blieb er unsichtbar bis zum Schluss.

„Alles mache ich nicht mit“

Man mag es dem Charakter eines Robert Huber hoch anrechnen, dass er sich mit Schelte seiner Konkurrenten stets zurückgehalten hat. Es mag anständig sein, mit Ruhe und eigenen Ideen punkten zu wollen, statt zu polemisieren. Gehört wurde der rote Robert damit nicht. Die vermutlich größte Steilvorlage für Jahrzehnte hat er, politisch gesehen, ganz einfach verbockt.

Die SPD hatte sich im Wahlkampfpoker noch nicht mal verzockt, sondern mit einer Handvoll Assen einfach das Blatt geschmissen. Auch nach vier Wochen zeigt sich Huber enttäuscht und beleidigt über das Ergebnis am Wahlabend. Seine Arbeit der letzten Jahre sei nicht honoriert worden, so sein Fazit. „Es ist genug. Alles mache ich nicht mit“, bekräftigte er am vergangenen Freitag seinen Rückzug aus der Kreispolitik.

So verständlich die Enttäuschung menschlich auch sein mag. Der latente Vorwurf in Richtung des Wählers steht den Genossen nicht gut zu Gesicht. Das enttäuschende Ergebnis ist durchaus hausgemacht. Robert Huber ist ein lieber Kerl, als Wahlkämpfer und Stratege hat er versagt. Die Wähler haben seine Leistung nicht honoriert – er hat sie ihnen aber auch nie gezeigt.


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