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Jahresrückblick: Wiesseer Ausflugslokale in der Warteschleife

Der Blockierer Franz Josef Haslberger

Bad Wiessee lebt vom Tourismus. Doch zwei wichtige Ausflugslokale gehören dem Freisinger Unternehmer Haslberger. Der aber denkt nicht im Entferntesten daran, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Rückblick auf zwölf Monate Blockade.

Das Ausflugslokal “Bauer in der Au” schaut so aus, als könnte es jederzeit eröffnet werden. Doch der Schein trügt.

Der 63-jährige gebürtíge Münchner Franz Haslberger besitzt inzwischen zahlreiche Ländereien und Immobilien im Gemeindegebiet von Bas Wiessee. Angefangen von der Söllbachau-Alm, einem Futterstadel unweit der ihm gehörenden Ausflugsgaststätte Bauer in der Au, die Söllbachklause, das Wohn- und Geschäftshaus mit den Niederstub‘n in der Ortsmitte, eine Villa in Holz und ein großes Jagdrevier zwischen Hirschberg und dem Golfclub Marienstein in Waakirchen. Dort lässt er auch einen Stadel bauen.

Doch bei all seinen Vorhaben denkt der Wahl-Wiesseer mehr an den Eigennutz als an das Gemeinwohl. Bis auf die Niederstub’n hat die Öffentlichkeit nirgends durchgängig Zugang, bestenfalls in seltenen Momenten gewährt er diesen. Früher waren es Fürsten, heute sind es Oligarchen, wie die Süddeutsche Zeitung Haslberger einmal nannte, die ihren Besitz als Tabuzone erklären. Bestes Beispiel dafür ist das einstige Ausflugslokal Bauer in der Au, das vor Jahren Touristen wie Einheimische anlockte und seit knapp zwei Jahren aufwendig renoviert ist.

Doch wer wie Wiessees Bürgermeister Peter Höß glaubte, Wanderer könnten dort wieder einmal einkehren, sieht sich getäuscht. Denn inzwischen avancierte die Ex-Traditionswirtschaft zur Event-Location mit Caterer. Martin Frühauf richtet am 28. sowie am 29. Dezember ein Drei-Gänge-Menü aus. Zuvor wurde bereits von pompösen Hochzeitsfeiern befreundeter Unternehmer berichtet, die dort die Korken knallen ließen. Man war ja unter sich.

Geheimniskrämerei

Ähnlich könnte es auch einem anderen Ausflugslokal ergehen, das Haslberger seit über drei Jahren sein Eigen nennt: der Söllbachklause. Auch sie wäre für den Fremdenverkehrsort eminent wichtig. Dort hat er zwar Großes vor, doch bislang kommt er nicht in die Gänge. 160 Sitzplätze soll es einmal dort geben. Der Gastraum soll laut Planungen, die der Gemeinde vorliegen, um etwa 50 Quadratmeter erweitert werden. Im aufgestockten Obergeschoß soll zudem eine Tenne für Veranstaltungen entstehen. Das Handicap: für die Gastronomie gibt es zu wenig Lagerflächen im Keller. Geplant sind nun zusätzliche 170 Quadratmeter für Terrassenmöbel, Getränke, Kühlräume und größere Personalräume mit Duschen.

Diese unterirdischen Räume würde laut Bauamtsleiter Helmut Köckeis das Gewerbeaufsichtsamt Haslberger „aufs Auge drücken“. Dieser habe seine Planungen selbst als „Wahnsinnsvorhaben“ bezeichnet, so Köckeis, da die oberen Gebäude stehen bleiben und bei Baubeginn unterfangen werden müssten, was ein “riesiger Aufwand” sei. Haslberger würde am liebsten alles komplett abreißen und neu aufbauen, wie Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) nach einem Gespräch mit dem Unternehmer berichtete.

Da es sich aber um ein Gebäude im Außenbereich handelt, bestünden kaum Erfolgsaussichten für einen Neubau. „Wenn ein Objekt abgerissen ist, dann ist es vorbei“, habe er Haslberger gesagt. Dies war vor etwa einem halben Jahr. Inzwischen soll es laut Höß ein weiteres Gespräch mit dem medienscheuen Unternehmer im Oktober gegeben haben. Der Inhalt aber bleibe geheim, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung der Gemeinde.

Die Niederstub’n im Zentrum von Bad Wiessee gehört ebenfalls Franz Haslberger.

Geheime Kommandosache ist wohl auch, wann Haslberger die Sanierung des Gebäudes mit den Niederstub’n am Dourdanplatz in Angriff nimmt. Alle Formalitäten sind geklärt, die Baugenehmigung längst erteilt. Doch nichts geschieht, obwohl auch Städteplaner Eberhard von Angerer inzwischen allmählichen „Handlungsbedarf“ sieht.

Er habe von Haslberger schon „lange nichts mehr gehört“, sagt Bauamtsleiter Köckeis auf Nachfrage. Vielleicht sollte man Haslberger mit der „Verschlossenen Auster“ auszeichnen. Dieser Negativpreis wird von Journalisten „Auskunftsverweigerern in Politik und Wirtschaft“ verliehen. Einen besseren Kandidaten gibt es wohl dafür nicht – zumindest nicht im Tegernseer Tal.


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