Was ein Wildtier so treibt

Der „coole“ Hirsch von Wiessee

Derzeit ist er ein begehrtes Fotomotiv. Viele bekommen ihn vor die Linse: einen stattlichen Hirsch, wie er durch den südlichen Teil von Bad Wiessee stolziert, stets auf Nahrungssuche. Doch nicht immer verläuft so etwas ohne Folgen.

Der “ungerade Sechszehnender” in voller Größe / Foto: Erwin Tontsch

Mit mächtigem Geweih frisst er sich für die Brunft fit. Mal stibitzt er die unreifen Äpfel aus dem Garten von Bürgermeister Peter Höß unweit des Friedhofs, mal wird er in der Nähe des Edeka-Marktes am Söllbach gesehen. Bis nach Abwinkl reicht sein Aktionsradius, dabei muss er die viel befahrene B318 queren, bisher offenbar ohne Schaden.

Den „ungeraden Sechszehnender“ hat ein Jäger schon seit drei Jahren im Visier. „Der kommt mit zwei anderen Hirschen meist vom Bucherhang und hat die Scheu abgelegt. Der ist besonders mobil“. Muss er auch, denn jetzt sei für ihn das Allerwichtigste, „viele Kohlehydrate aufnehmen und mit Fettreserven fit zu sein für die Brunft“, weiß die Wildbiologin Christine Miller. Die Rottacherin ist Vorsitzende des Vereins „Wildes Bayern e.V.“

Hirsch in Ruhe lassen

Für Miller ist das Auftauchen von Hirschen in dieser Jahreszeit nichts Besonderes. „Das kommt immer wieder vor“. In den Jagdzeitungen gebe es jedes Jahr Bilder von Rotwild in Obstgärten. Das ist kein unnormales Verhalten im Spektrum eines Hirsches. „Es gibt coole Typen, die die wildesten Sachen machen“. Noch sind diese vom Wiesseer Hirsch nicht bekannt. Laut Miller sucht sich dieser ein „ruhiges Platzerl, wo es was zu fressen gibt“. Das Wild habe „gecheckt, dass ihm in besiedeltem Gebiet nichts passiert und im Gegenteil der Tisch mit Blumen, Gemüse und Obstbäumen reich gedeckt ist“, berichtet Jäger Michael Herrmann.

Er geht davon aus, dass der Hirsch sein Verhalten noch eine Zeit lang nicht verändern werde. Denn der Hirsch befinde sich in der sogenannten Feistzeit, in der er sein Geweih „fertig schiebt“ und sehr bald „verfegt“. Sobald die Hormone im September tanzen, „verzieht er sich wieder in den Wald“. Bis dahin sollte der Mensch „keinesfalls ein solches Wildtier gezielt anfüttern und handzahm machen“, warnt Miller. „Es ist und bleibt ein Wildtier“. Die Würde des Tieres gebiete es, dass man ihn „in Ruhe lässt und auch nicht verfolgt“.

Hund hetzt Hirsch

Diese Einsicht hatte ein Hundehalter vor zehn Jahren in Bad Wiessee nicht. Dessen Hund stöberte unweit vom aktuellen Hirsch einen Artgenossen auf und hetzte ihn in die Freihausstraße, wo der Hirsch erschöpft aufgab und sich auf dem Gehweg niederließ.

Vor zehn Jahren: Gehetzter Hirsch bekam Fangschuss / Foto: Klaus Wiendl

Die Polizei wurde informiert. Nachdem sie das Tier eine Weile beobachtete und der Hirsch keine Fluchtreflexe mehr zeigte, erlöste ein herbeigerufener Jäger mit einem Fangschuss das Leiden des Tieres. Ob der Hundehalter damals mit Konsequenzen zu rechnen hatte, ist nicht bekannt.

Im Garten von Bürgermeister Peter Höß ist der Apfeldieb zu Gange / Foto: Erwin Tontsch
Auf der Suche nach Fettreserven für die bevorstehende Brunft / Foto: Erwin Tontsch

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