Rottacher Ortsgestaltungssatzung soll künftige farbliche "Ausreißer" verhindern

Gelber Zaun im Barthweg bleibt gelb

Von Steffen Greschner

Dritte Aktualisierung vom 20. Juni / 8:32
Der gelbe Zaun im Barthweg muss nicht umgestrichen werden. Viel Wirbel hatte die Farbgestaltung vor eineinhalb Jahren verursacht.

Design ist eben auch Geschmackssache, was dem einen gefällt, geht dem anderen zuwider. Warum der gelbe Zaun gelb bleiben darf, diese Farbe aber jetzt nicht mehr geht, erklärt Michael Diegner vom Rottacher Bauamt.

Als der Zaun errichtet wurde, sei die Ortsgestaltungssatzung noch nicht so streng geregelt gewesen. „Weil der Zaun sich im hinteren Grundstücksraum befindet, kommen wir da nicht weiter“, so Diegner, der Bauamtsleiter Walter Hübsch wegen Urlaub gerade vertritt.

Der Zaun ist von der Öffentlichkeit nicht wirklich einsehbar „und deshalb auch nicht ortsverschandelnd“. Für die Zukunft hat man sich jedoch gerüstet. Vor etlichen Monaten ‒ so Diegner ‒ habe man die Ortsgestaltungssatzung geändert. Hier ein kurzer Auszug, wie Zäune in der Gemeinde jetzt auszusehen haben:

„Als Einfriedungen von Baugrundstücken sind nur zulässig: Waagrechte Bretterzäune mit 2-3 Brettern, Stangenzäune mit 1-3 Stangen, senkrechte Staketenzäune, Jägerzäune, jeweils aus Holz und mit Holzpfosten und Anpflanzungen heimischer Pflanzenarten. Das Holz der Zäune ist entweder natur zu belassen, oder kann mittel- bis dunkelbraun gestrichen werden. Außerdem ist eine grüne Imprägnierung des Holzes zulässig …“

Bis heute ist der Zaun im Barthweg noch in einem gelben Farbton gehalten. Allerdings dürfte man in Rottach weiterhin hoffen, dass der Hauseigentümer – ein „Neu-Mitbürger aus dem osteuropäischen Raum“ wie es in der Gemeinderatssitzung vom November 2011 hieß – noch „zur Vernunft kommt“ und seinen Zaun in einen passenderen Farbton umpinselt.

Zweite Aktualisierung vom 29. November 2011 Uhr mit der Überschrift „Der gelbe Zaun aus dem Barthweg: Bürgermeister bezieht Stellung“
Wir haben Hermann Ulbricht, Rottachs Zweiten Bürgermeister, gefragt, was er zu der Kritik sagt, die in der Öffentlichkeit an der einstimmigen Entscheidung des Gemeinderates zum gelben Zaun am Barthweg laut geworden war.

An dieser Stelle Ulbrichts ausführliche Antwort:

In letzter Zeit haben sich einige Dinge verändert. Die Atomkatastrophe in Japan hat im Gemeinderat ein Umdenken in Sachen Solarenergie bewirkt. Wir haben in den letzten Monaten den Aufbau von Solaranlagen weitgehend geöffnet.

Nach diesen Erfahrungen in den letzten Sitzungen sind wir zur Überzeugung gekommen, dies nun auch in die Gestaltungssatzung aufzunehmen. Hier sind auch noch andere Teile geringfügig abgeändert worden, die sich angesammelt haben.

Der „gelbe“ Zaun ist auch ein Teil davon.

Ich bin der Meinung, dass unsere Satzung genügend Freiraum lässt, um ein Haus nach

eigenen Vorstellungen bauen zu können, und dass es sich trotzdem in den traditionell

geprägten Baustil der Umgebungsbebauung gut einfügt. Es gibt hierbei sicherlich auch keinen Unterschied, ob ein Einheimischer einen Bauantrag stellt oder jemand, der neu ins Tegernseer Tal zieht. Für neue Zuzügler haben wir im Gemeinderat zusammen mit dem Bauamtsleiter einige Bildbeispiele aufgeführt, die positive Gestaltungsmuster aufführen.

Es sind sicherlich anfangs nur einzelne Ausreißer (gelber Zaun), mit der Zeit will dann aber sicherlich der eine einen roten Zaun, der andere eine blaue Garage … und dies würde dann nicht in unsere Ortsgestaltung passen.

Unsere „Industrie“ in Rottach-Egern ist der Tourismus, und bei diversen Gästeehrungen kommt ganz deutlich hervor, wie unsere Gäste den Baustil in Rottach-Egern schätzen. Ich bin mir sicher, dass die angebrachte Kritik an der rigorosen Durchsetzung der Gestaltungssatzung nur von Einzelpersonen kommt und eine große Mehrheit von Mitbürgern und Touristen mit der Ortsgestaltung in Rottach-Egern mehr als zufrieden ist.

In Rottach-Egern besteht seit 1981 eine Werbesatzung und seit 1983 eine Gestaltungssatzung. In den Jahren wurden diese immer wieder den Bedürfnissen und Möglichkeiten angepasst. Dies sieht man dem Ort Rottach-Egern sicherlich im positiven Sinne auch an.

Zu den Kommentaren im Bericht der Tegernseer Stimme möchte ich mich nicht äußern,

da alle anonym sind. Meiner Meinung nach kann in einem direkten Gespräch mit den

Verantwortlichen sicherlich Kritik angebracht werden. Ich bin aber überzeugt, dass hierbei die meisten Meinungsverschiedenheiten sofort ausgeräumt werden können. Bei vielen Objekten muss man auch die Vorgeschichte kennen, um die jeweiligen Entscheidungen verstehen zu können.

Anonym im Internet kann man schnell mal durch eine Gemütsregung heraus etwas schreiben, was man nach einem klärenden Gespräch sicherlich nicht mehr schreiben würde.

Ergänzung vom 25. November:
Am Dienstag hatten wir über den gelben Zaun vom Rottacher Barthweg berichtet. Daraufhin sind einige Kommentare eingegangen, die die Art und Weise kritisieren, wie im Rottacher Gemeinderat „jede Kleinigkeit reglementiert“ wird. Darunter auch ein Kommentar von Peter Herrchen, den wir noch mal explizit hochholen wollen, da er unserer Meinung nach einige richtige Dinge anspricht.

Liebe Leut’,

das kann doch nicht wirklich allgemeiner politischer Konsens der Gemeinde sein, dass alles bis in kleinste Detail reglementiert wird. Ohne auf einige ironische und amüsante Aspekte einiger Kommentatoren eingehen zu wollen, werbe ich hier als zugereister, halbwegs geduldeter Zweitwohnsitzbesitzer und das Tegernseer Tal liebender Mittfünfziger für viel mehr Gelassenheit oder, wenn diese nicht möglich und politisch gewollt ist, dann für ein wirklich generelles konsequentes Handeln.

Für mich stellt in Rottach-Egern z. B. der Schandfleck gegenüber dem Kurpark, mit hässlicher maroder Tiefgarageneinfahrt und dem großen, zunehmend verfallenden Gebäudekomplex, das absolut nicht in das Gesamtbild passende „Dreiecksgebäude“ an der Ecke Ludwig-Thoma-Str./Nördliche Hauptstraße oder das zwar architektonisch ansprechende, aber viel zu überdimensionierte Hotel Überfahrt in der unmittelbaren Nachbarschaft des historischen Malerwinkels ein viel größeres Problem in Bezug auf ein einheitliches Gesamtbild dar als ein etwas zu hell geratener privater, sehr gepflegter Zaun oder auch das genannte sehr gepflegte Gebäude Berghammer.

Aber natürlich geht es bei den genannten Beispielen um ganz andere ökonomische Dimensionen, bei denen man keinen der Investoren oder Eigentümer vor den Kopf stoßen möchte. Bei einem (ungeliebten) „Neu-Mitbürger aus dem osteuropäischen Raum“ – allein diese Formulierung dürfte den einen oder anderen weltoffenen Bürger erschrecken – sieht diese Sache natürlich ganz anders aus.

Die Gemeinde bzw. die Politik(er) sollte(n) aufpassen, nicht aus gut gemeintem oberbayerischen Traditionsbewusstsein den Blick auf die wirklichen Probleme, wie z. B. die mangelhafte infrastrukturelle Anbindung an München oder die Überalterung der Einwohner durch Wegzug der Jüngeren, zu verlieren. Unter dem Aspekt sollte man über „Neu-Mitbürger aus dem osteuropäischen Raum“, die schließlich auch Geld in die Gemeindekassen spülen, froh sein.

Ursprünglicher Artikel vom 22. November / 10:29 Uhr

In Rottach-Egern dürfen Zäune zukünftig nur noch naturbelassen oder mittel- bis dunkelbraun gestrichen werden. Die Gemeinde reagiert damit auf die Farbe eines Zauns im Barthweg.

Dieser ist bisher noch in einem gelben Farbton gehalten. Allerdings hofft man in Rottach, dass der Hauseigentümer, ein „Neu-Mitbürger aus dem osteuropäischen Raum“, noch zur Vernunft kommt und seinen Zaun in einen passenderen Farbton umpinselt.

Der Fall ist durchaus ernst gemeint. Bauamtsleiter Walter Hübsch erläuterte im Rahmen der Satzungsänderungen zur Gestaltung baulicher Anlagen, dass der Zaun zwar nicht einsehbar sei. Außer man wisse, wo er sich befindet.

Allerdings werde hier eine Art Präzedenzfall geschaffen, der am Ende auch dazu führen könnte, dass irgendwann jemand auf die Idee kommt, seinen Zaun an der Fürstenstraße violett zu streichen.

Das Risiko wollte der Gemeinderat dann doch nicht eingehen und verabschiedete die Satzungsänderung einstimmig. Auch wenn sich der Zaun im gefühlten Innenbereich eines Grundstücks befindet, wie man auf dem Bild sieht.


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