Als die Tegernseer Point eine Mülldeponie war
“Der Gestank war einfach unerträglich”

von Klaus Wiendl

25.000 Euro investiert die Stadt Tegernsee in ein Gutachten, das klären soll, ob der Badestrand Point noch mit Schadstoffen belastet ist. Während Bürgermeister Johannes Hagn keinen Grund zur Besorgnis sieht, hat Hans Greither als ehemaliger Anwohner schlimme Erinnerungen an die einstige Müllhalde am schönsten Fleck in Tegernsee.

"Sommer dahoam": Auch an der Point hat man einen herrlichen Blick auf den Tegernsee.
Der Strand an der Point ist heute ein beliebter Badeplatz.

Wo jetzt die Orthopädische Klinik steht, war einst die Villa des Grafen Arco Valley. Das Anwesen erwarb 1930 der Münchner Arzt Dr. Otto Greither, um es in die Kurklinik Seeheim umzuwandeln. Als einziges Haus mit Park und Seeufer gehörte es bald zur ersten Adresse am Tegernsee. Prominente Gäste kamen. UFA-Stars residierten hier, bis die Nazis 1939 das Seeheim für die Kinderlandverschickung nutzten.

Nach dem Krieg konfiszierte die US-Armee das Haus für verwundete GI’s. 1953 wurde das Seeheim der Familie Greither zurückgegeben, und Sohn Hans führte es mit seiner Frau als Kurheim. Doch in den Folgejahren überwarf sich Hans Greither mit der Gemeinde, da sie am Leeberg eine Mülldeponie errichtete.

Anzeige

Gestank und Ratten

Greither „stank“ es so, dass er 1958 das Seeheim an den Arzt Erwin Kudernatsch und den Sanatoriums-Inhaber Anton Endisch verkaufte. Einige Jahre später veräußerten sie ihre Kurklinik an die LVA München. Daraus wurde dann die Orthopädische Klinik Tegernsee. So viel zur Vorgeschichte.

Auf Nachfrage äußert sich nun Hans Greither, der in der Jachenau lebt, zu der Müllhalde am Fuß des Leebergs. „Die gemeindliche Deponie am schönsten Fleck von Tegernsee war ein großes Ärgernis“, erinnert sich der 90-Jährige. „Viele Gäste reisten überstürzt und verärgert ab, da der Gestank vor allem bei Westwind unerträglich wurde“. Auf der Point sei alles abgeladen worden, darunter auch Küchenabfälle und Hinterlassenschaften aus Metzgereien. Dies hätte auch viele Tiere angelockt.

Ganze Schwärme von Krähen suchten im Müll nach Futter und es wimmelte vor lauter Ratten. Die Krähen verschleppten Aasstücke bis auf mein Grundstück und der Gestank war unerträglich.

Da der Zugang zur Deponie Tag und Nacht geöffnet gewesen sei, hätte Jedermann dort seinen Abfall jeglicher Art entsorgen können. Bekannt im Rathaus ist offenbar, wie es jetzt hieß, dass bis vor knapp 60 Jahren Bürger an der Point ihren Hausmüll abladen konnten. Ob es sich nur um Hausmüll handelt, bezweifelt allerdings Greither: “Es ist durchaus möglich, dass auch giftige Stoffe dort entsorgt wurden.”

“Unhaltbare Zustände”

Greither habe sich in den 50er Jahren immer wieder an den damaligen Bürgermeister gewandt und um Abhilfe gebeten. Auch viele seiner Gäste sollen sich im Rathaus über die unhaltbaren Zustände beschwert haben. „Doch von Seiten der Stadt wurde nichts unternommen, um diesen Zustand zu beenden. So entschloss ich mich zum Verkauf und habe Tegernsee verlassen“, meint Hans Greither rückblickend.

So sah die Kurpension der Familie Greither damals aus
So sah die Kurpension der Familie Greither aus.

Dessen Neffe, Dr. Andreas Greither, erwarb 2012 das historische Stieler-Haus an der Point. Heute kaum vorstellbar ist, dass dort in den 50er Jahren noch eine Mülldeponie für unhaltbare Zustände an einem der schönsten Flecken des Tegernsees sorgte.

SOCIAL MEDIA SEITEN

Anzeige
Aktuelles Allgemein

Diskutieren Sie mit uns
Melden Sie sich an und teilen Sie
Ihre Meinung.
Wählen Sie dazu unten den Button
„Kommentare anzeigen“ aus