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Interview mit Landrat Wolfgang Rzehak

Gekommen, um zu bleiben

Von Robin Schenkewitz

Seit fast zwei Jahren ist Wolfgang Rzehak der erste Grüne Landrat in Bayern. Wir haben ihn nach seinen bisherigen Erfahrungen befragt und wie sich sein Leben nach der Wahl verändert hat. Im Interview macht Rzehak deutlich: Er will auch bei der nächsten Wahl um den Landratsposten kämpfen. Und räumt sich selbst gute Chancen auf eine Wiederwahl ein.

Vor fast zwei Jahren: Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing gratulierte dem frisch gewählten Landrat zuerst.
Vor fast zwei Jahren: Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing gratuliert dem frisch gewählten Landrat als erster.

Herr Rzehak, Sie sind jetzt fast zwei Jahre im Amt. Fühlen Sie sich als Grüner Landrat immer noch als Exot unter ihren zumeist „schwarzen“ Landrats-Kollegen?

Wolfgang Rzehak: Von meinen Kollegen werde ich als erstes als Landrat gesehen, erst dann kommt die Partei. Für eine erfolgreiche Arbeit ist ein Parteibuch nicht so wichtig, was zählt sind gute Ideen und eine besonnene Umsetzung.

Hat sich Ihrer Meinung nach das Bild der Bürger des ersten grünen Landrates in den ersten zwei Jahren Ihrer Amtszeit gewandelt?

Wolfgang Rzehak: Der ein oder andere war zunächst mit Sicherheit skeptisch, ob ein Grüner diese Position erfolgreich ausfüllen kann. Doch bald haben wohl alle erkannt, dass für mich persönlich immer das Wohl des ganzen Landkreises im Vordergrund steht – nicht ein ideologisches Parteiprogramm.

Was hat Ihrer Meinung dazu beigetragen?

Wolfgang Rzehak: Ich bin in meiner Heimat fest verwurzelt, ich liebe die bayerische Lebensart mit all ihren Facetten. Außerdem kann ich gut auf Menschen zugehen und bin offen. Dies bereitet mir großen Spaß. Die Aufgaben versuche ich immer mit großem Pragmatismus und mit Sachlichkeit zu lösen. Die Bürgerinnen und Bürger erkennen das an.

Muss Idealismus häufig der politischen Realität zum Opfer fallen?

Wolfgang Rzehak: Manchmal schon. Aber es fiel mir niemals schwer, sachliche Entscheidungen zu treffen, denn ich war noch nie ein politischer Fundamentalist, sondern immer ein Mann der Mitte.

Wie viel Einfluss haben CSU und FWG auf ihre Entscheidungen? Schließlich haben Sie keine eigene Mehrheit im Kreistag.

Wolfgang Rzehak: Bei meiner politischen Arbeit setze ich bewusst nicht auf vorgegebene Koalitionen. Stattdessen versuche ich durch Moderation und Argumentation Mehrheiten für Sachentscheidungen zu finden. Es gibt nicht mehr eine bestimmende Partei. Ein Kreisrat der Bayernpartei mit vielen guten Ideen ist mir so lieb wie ein Kreisrat der CSU mit vielen guten Ideen. Entscheidungen sollten transparent getroffen werden, unter Einbindung aller sechs Parteien, die im Kreistag vertreten sind.

Haben Sie eine Vision, wie sich der Landkreis unter ihrer Leitung ideal entwickeln sollte?

Wolfgang Rzehak: Politiker neigen manchmal dazu, sich hinter „Visionen“ zu verstecken, die vielleicht gut klingen, aber konkret doch nicht umgesetzt werden können. Ich versuche lieber eine Politik von kleinen, machbaren Schritten. Leitziele sind dabei eine nachhaltige Entwicklung für den Landkreis und eine Betonung von Ökologie und Umweltschutz. Wirtschaftlicher Erfolg ist wichtig, jedoch nicht auf Kosten der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Außerdem stehe ich für eine soziale Ausgewogenheit – zwischen Alten und Jungen, den Reichen und den Hilfebedürftigen, auch zwischen den Interessen der Einheimischen und den Belangen des Tourismus. Ein weiterer, konsequenter Abbau der Schulden ist selbstverständlich.

Warum ist es noch nicht so weit?

Wolfgang Rzehak: In den bald zwei Jahren, die ich nun Landrat in Miesbach bin, haben wir schon einen neuen Weg gefunden. Wir haben den Landkreis wieder in ruhigeres Fahrwasser gebracht. Der Landkreis ist einer mit den meisten Schulden in ganz Bayern, deshalb müssen wir diszipliniert haushalten. Große Ausgaben wollen wir in der nächsten Zeit erst mal nicht machen. Auf die Rahmenbedingungen, die Bund und Freistaat Bayern setzen, haben wir nur begrenzten Einfluss

Welche Erwartungen hatten Sie anfangs an die neue Aufgabe als Landrat? Haben sich diese Erwartungen erfüllt?

Wolfgang Rzehak: Schon bevor ich Landrat wurde, habe ich viele Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt: In den 18 Jahren als Kreisrat und in den Jahren als Fraktionsvorsitzender habe ich ein realistisches Bild der Arbeit als Landrat bekommen. Die Arbeit ist zeitaufwändig, sie ist stressig, das ist klar, das hat mich nicht überrascht. Entscheidungen sind nicht immer einfach zu treffen, da viele Beteiligte berechtigte Interessen haben. Probleme sind selten eindimensional, nur schwarz oder weiß. Manchmal brauchen Entscheidungen auch Zeit zu reifen.

Inwieweit hat sich Ihr Leben in dieser Zeit privat verändert?

Wolfgang Rzehak: Die Arbeit als Landrat ist zeitintensiv. Daher habe ich mir von Anfang an vorgenommen, meine Familie nicht zu vernachlässigen. Für meine Frau und meine beiden kleinen Töchter möchte ich da sein. Meine Kinder sollen mich nicht nur aus der Zeitung kennen. Darum habe ich neben der Tätigkeit als Landrat bewusst keine weiteren Ämter angenommen. Wichtig ist mir weiterhin, dass ich regelmäßig zu den Spielen von meinem Eishockey-Verein komme. Am TEV hängt mein Herzblut.

Vor allem der Schuldenabbau und die Senkung der Kreisumlage waren ihre Hauptziele vor knapp einem Jahr. Wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Wolfgang Rzehak: Diese Ziele werden ja von allen geteilt: Am Runden Tisch – den Haushaltsberatungen – waren wir uns einig, dass wir den eingeschlagenen Weg der Schuldenverringerung konsequent weitergehen wollen. Bis zum Ende des Jahres 2016 könnten wir so schon unter die Marke von 100 Millionen Euro Schulden kommen. Es bleibt dabei: 2019 wollen wir eine Senkung der Kreisumlage um einen Prozentpunkt erreichen. Wir sind also bei der Umsetzung dieser Ziele auf einem guten Weg.

Sind diese Ziele durch die intensive Flüchtlingsarbeit in den Hintergrund getreten?

Wolfgang Rzehak: Einen Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich in der Tat mit der Flüchtlingskrise. Derzeit sieht es so aus, dass uns die Unterbringung von Flüchtlingen pro Jahr 2,5 Millionen Euro kosten wird, die vom Freistaat Bayern nicht übernommen werden. Allerdings hat unser Einsatz beim Ministerpräsidenten und bei der Staatsregierung viel genutzt, zum Beispiel unsere Resolution zur Kostenübernahme für die Flüchtlingsunterbringung. Aber ganz eindeutig: Unser Hauptziel Schuldenabbau werden wir nicht aus den Augen verlieren.

Landrat Wolfgang Rzehak und die CSU müssen im Landkreis zusammenarbeiten.
Wolfgang Rzehak und die CSU müssen im Landkreis auf allen Ebenen zusammenarbeiten. Manchmal klappt das.

Wundert es Sie, dass Sie in dieser Frage im Landkreis verhältnismäßig wenig Gegenwind von der CSU bekommen?

Wolfgang Rzehak: Die CSU hat im Kreistag bewiesen: Es ist auch ihr Ernst mit dem Abbau der Schulden. Jedem Politiker, der ernsthaft an Sachpolitik interessiert sind, ist klar, dass wir bei weiterhin so hohen oder sogar noch höheren Schulden bald nicht mehr handlungsfähig wären. Die CSU ist in der Beziehung konstruktiv, sie sieht – wie die anderen Parteien: Wir müssen die Schulden in den Griff bekommen.

Macht Ihnen der Job als Landrat Spass?

Wolfgang Rzehak: Eindeutig ja. Mir gefällt zum einen das Repräsentative. Mir liegt es, auf die Leute zuzugehen. Mir gefallen auch die Trachtenumzüge, die Jubiläums-Feiern der Feuerwehren, Veranstaltungen der Gebirgsschützen oder zum Beispiel Sportveranstaltungen. Da fühle ich mich wohl und man trifft viele nette Leute. Andererseits hat man politisch als Landrat auch sehr viele Entscheidungsmöglichkeiten. Mancher Abgeordneter des Bundestages oder des Landtages würde diese Gestaltungsmöglichkeiten gerne haben, die man als Bürgermeister oder als Landrat hat.

Werden Sie in vier Jahren erneut zur Wahl antreten?

Wolfgang Rzehak: Falls ich gesund bleibe, trete ich sicher wieder zur Wahl an. Das Amt des Landrats – gerade in unserem Landkreis – ist sicher das schönste, das man ausüben kann. Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, erneut gewählt zu werden?

Wolfgang Rzehak: Die Entscheidung darüber treffen alle Wählerinnen und Wähler in vier Jahren. Ich glaube, meine Chancen stehen nicht zu schlecht. Ich werde weiterhin Probleme sachlich und pragmatisch angehen. In vielen persönlichen Gesprächen erfahre ich oft: Die Wähler sehen in mir in erster Linie den Landrat, nicht einen grünen Politiker.

Würden Sie im Falle einer Niederlage auch wieder in Kreistag oder Gemeinderat zurückkehren oder zieht es sie zu höheren Aufgaben in Richtung Berlin?

Wolfgang Rzehak: Mein Ziel ist es ganz klar, wieder als Landrat gewählt zu werden. Falls die Wähler sich anders entscheiden, würde ich auf jeden Fall als einfacher Kreisrat weiter Verantwortung für den Landkreis Miesbach übernehmen. Definitiv nicht in Frage kommt eine Kandidatur als Abgeordneter des Bundestages, denn Berlin ist nicht meine Welt. Meine oberbayerische Heimat möchte ich auf keinen Fall verlassen, dafür liebe ich sie zu sehr und fühle mich hier zu wohl. Meine Frau würde mich auch nicht nach Berlin lassen.

Was möchten Sie persönlich in den kommenden zwei Jahren erreichen?

Wolfgang Rzehak: Hoffentlich kann ich weiterhin Beruf und Familie vereinen. Ich möchte, dass meine Frau und meine beiden Töchter glücklich sind. Menschlich möchte ich mich nicht verbiegen. Zum Schluss: Mal wieder eine Meisterfeier mit dem TEV Miesbach wäre wirklich fällig.

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