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“Der is a Benzin-Dodschn”

Von Rose-Marie

Max Kuypers fährt für das Wiesseer Rennsportteam Kathan

Maximilian Kuypers ist ein Rookie. Er will Autorennen fahren. Wochentags steht Max in der Miesbacher Autowerkstatt des Autohauses Kathan und schraubt; am Wochenende ist er auf der Rennstrecke zu Hause.

Einer, der zu den vielversprechenden Nachwuchsfahrern in der Serienwagenklasse zählt. Ein Rookie eben ‒ übersetzt ist das ein Neuling oder Frischling im Profisport.

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Angefangen hat alles, da war Maximilian – genannt Max – vier Jahre alt. Seine Eltern merkten schnell: der Kerl hat Benzin im Blut. Anfangs waren es kleine Motorräder im Gelände, die es ihm angetan hatten. Später schwenkt er um auf Go-Karts.

Dann geht er über zum Kartslalom. Beim örtlichen Automobilclub ist er wahrscheinlich öfter als zu Hause in Kolbermoor. Nach der Mittleren Reife beginnt Max eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker im Autohaus Kathan.

Der Rennsporttraum hängt auch eng mit der Firma Kathan zusammen. Rainer Kathan, einer der beiden Brüder, die die Autohäuser in Bad Wiessee und Miesbach führen, hat ebenfalls sein Herz an den Motorsport verloren und fährt selbst Rennen.

„Der is a Benzin-Dodschn.“ Das sagte Kathans Vater über ihn. Inzwischen ist Rainer Kathan 50 und hat das Wiesseer Autohaus seit rund zehn Jahren von seinen Eltern übernommen. Autorennen fährt er seit 20 Jahren. Anfangs waren es die Fahrertrainings am Nürburgring, dann die Rennen des Schweizer Gordini Clubs.

Immer am Limit, das Lebensziel vor Augen

„Ich war immer auf Achse mit meinem eigenen Auto“, erzählt er. Auf der Rückbank Werkzeug, Wagenheber und die Reifen zum Wechseln. Bei den Kurzstreckenrennen baut man kurzerhand sein eigenes Straßenfahrzeug zum Rennwagen um. Dijon, Monza, Most: In ganz Europa ist Rainer Kathan gefahren. Stets mit dem Ziel, seinem Lebensziel, dem Profirennsport, ein Stückchen näher zu kommen.

Besonders die Stimmung während der 24-Stunden-Rennen faszinierte Kathan. Wenn die Fans an den Banden johlen. Und nachts die Lagerfeuer brennen am Rande der Strecke. „Die braten da ihre Würstel“, erzählt Kathan schmunzelnd.

Seit der Saison 2004 ist er mit seinem eigenen Team bei der BF Godrich Langstreckenmeisterschaft auf der Nürburgring Nordschleife, der sogenannten grünen Hölle, vertreten. Von 2004 bis 2009 teilt er sich das Rennauto mit Dietmar Capelle, der das Fahrzeug in Wiessee komplett aufbaut und auch in Schuß hält. 2010 übernimmt dann Kathans Lehrling Max Kuypers das Steuer von Capelle.

Kathan erkannte “Maxis“ Talent beim Fahrerlehrgang. „Willst du mal ins Lenkrad beißen?“, lautete damals seine Frage an Max. Seitdem fahren sie zusammen. In der Drei-Liter-Serienklasse.

Serienklasse ‒ das heißt, dass am Auto relativ wenig verändert werden darf. Fahrwerk, Reifen und Sicherheitskomponenten, das war’s. Alles andere muss unverändert bleiben. „Der Motor wird verplombt, und so bleibt das dann“, erzählt Kathan.

Das hat den Vorteil, dass die Kosten im Rahmen bleiben. Das Teure am Motorsport ist das ständige Aufrüsten. Genau dieses Wettrüsten ist in der Serienwagenklasse unerwünscht.

Konzentration und Fitness – die entscheidenden Parameter beim Motorsport

Vier bis sechs Stunden dauern die Rennen in dieser Klasse. Gefahren wird in drei Startgruppen mit je 60 Autos. Vom Suzuki Swift bis zum Ford GT oder zum 600-PS-Porsche sind alle gleichzeitig auf der 25-Kilometer-Strecke. „Auf jeder anderen Strecke kriegst du so viele Autos gar nicht unter“, behauptet Kathan.

Die Konzentration ist das Wichtigste beim Motorsport. „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Kathan gibt seine Erfahrung gern an sein Nachwuchstalent weiter. Große Hoffnungen ruhen auf Max Kuypers, der im Mai seinen 20. Geburtstag gefeiert hat. Jüngere Fahrer können länger am Limit fahren, ist Kathan überzeugt. „Max kann locker 16 Runden fahren.“ Normalerweise wechselt der Fahrer nach acht Runden à zehn Minuten.

Auf ihm ruhen die Hoffnung von Rainer Kathan

Mountainbiken, Rennradeln, Joggen und eine gesunde Lebensweise ‒ das sind die Komponenten, die einen trainierten Fahrer ausmachen. Kondition ist auch im Rennsport die Grundbedingung. Das auch noch mit dem Berufsleben zu vereinbaren, ist nicht immer einfach. Deshalb ‒ und natürlich wegen der Kosten ‒ gibt es auch so wenige private Teams im Rennsport.

Max hat das Glück, dass er in seiner Ausbildung bei Kathan für Trainings häufig freigestellt wird. Ein paar Mal im Jahr finden längere Trainingslager statt. Regelmäßig ist freitags freies Fahren auf dem Nürburgring.

Am Samstagvormittag erfolgt dann das Qualifying. Die Rennen laufen am Samstagnachmittag. Max hat oft den weitesten Weg zum Nürburgring. Viele seiner Konkurrenten wohnen in der Nähe. Zehn waren es im vergangenen Jahr. Doch der Motorsport wird immer beliebter.

Heuer fährt er schon gegen 13 oder 14 andere Fahrer. Die meisten sind in organisierten Profiteams, die öfter trainieren als Max. Max ist häufig der Jüngste auf der Strecke. Er steht noch ganz am Anfang.

Mit 18 tauschte er die Jugendlizenz gegen eine richtige Rennlizenz. Danach folgten zahlreiche Podestplätze: Beim DMV 4-Stunden-Rennen, bei der ADAC Westfalenfahrt, dem DMV 250-Meilen-Rennen, dem ADAC Barbarossapreis und dem ADAC Ruhr-Pokal-Rennen.

Der Vater steht hinter Max. Und kümmert sich unter anderem um das Auto.

Seine Eltern stehen voll hinter Max’ Traum. Der Vater, selbst langjährig im Motorsport tätig, ist erfahrener Instruktor am Nürburgring. Er pflegt das Auto, das zu Hause in der Garage in Kolbermoor steht, wenn keine Rennen sind. Mit einem Gespann bringt er es zu den Rennen. Den größten Kostenblock – Reifen und Sprit – übernimmt Kathan. „Sonst würde es nicht gehen“, sagt Papa Kuypers.

Für welchen Traum – im Auto als Rennfahrer oder als Schrauber darunter – sich Max entscheidet, wird sich herausstellen. Bis dahin verfolgt er beide Ziele: Heuer wird er seine Ausbildung abschließen. Ab September ist er bereits an der Meisterschule angemeldet. Sein nächstes Ziel: So gut fahren und so bekannt werden, dass er fürs Rennfahren bezahlt wird.

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