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Wenn Lachsersatz unter dem Verdacht steht, ADHS auszulösen…

Derzeit kursiert ein Bild auf Facebook: Die Inhaltsstoffe des Brotaufstrichs „Alaska-Seelachs“ der Firma Popp könne „die Aufmerksamkeit und Aktivität bei Kindern beeinträchtigen“. Ein Grund, die Firma zu kontaktieren.

Links das Bild, das auf Facebook kursiert. Rechts ein aktuelles Bild des Brotaufstriches mit geänderten Inhaltsstoffen.

Es klingt besorgniserregend: Die künstlichen Farbstoffe Cochenillerot A und Gelborange S, die dem Brotaufstrich Alaska-Seelachsfilet zugesetzt wurden, können „die Aufmerksamkeit und Aktivität bei Kindern beeinträchtigen“. Wenn diese Inhaltsstoffe ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) auslösen und in den Regalen unserer Supermärkte stehen – auch im Tegernseer Tal – dann ist das ein Grund, die Firma damit zu konfrontieren.

In Norwegen und in den USA ist Cochenillerot A verboten, seit es im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Auch Neurodermitis und Asthma werden mit diesem Farbstoff in Verbindung gebracht. Auf Nachfrage erhalten wir von Alexander Schmolling, Marketingleiter der in Schleswig Holstein ansässigen Firma Popp, folgende Antwort:

Zunächst möchten wir Ihnen mitteilen, dass es sich bei dem im Internet kursierenden Bild um eine veraltete Produktabbildung handelt und die Zusammensetzung unseres Brotaufstriches Alaska-Seelachssalat somit nicht korrekt dargestellt ist.

Vor drei Jahren sei die Rezeptur des Brotaufstriches „aufgrund zahlreicher Kundenwünsche und einer vorangegangenen Diskussion“ optimiert worden, sagt er weiter. Gesundheitsschädigungen nach Verzehr des Produkts hätte es bis dato keine gegeben, versichert er. Die künstlichen Farbstoffe Gelborange S und Cochenillerot A werden seitdem nicht mehr verwendet. “Meines Wissens nach sind diese Farbstoffe bei Energydrinks und Alkoholprodukten wie beispielsweise Campari im Einsatz”. Stattdessen färbe man jetzt ausschließlich mit natürlichen Stoffen wie echtem Karmin, Paprikaextrakt, Beta-Carotin und Riboflavin.

Durch den Austausch der Farbstoffe sei der Hinweis “kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ obsolet und seit 2015 nicht mehr auf dem Produkt aufgedruckt. Schmolling weist darauf hin, dass Azofarbstoffe wie Gelborange S und Cochenillerot A aufgrund ihrer chemischen Struktur zwar im Verdacht stehen, allergische Symptome, sogenannte Pseudoallergien, auszulösen, jedoch sei dieser Verdacht bislang nicht durch wissenschaftliche Studien bestätigt worden.

Seit Juli 2010 müssen EU-weit Gelborange S und Cochenillerot A sowie weitere Azofarbstoffe präventiv auf Lebensmittelverpackungen (mit Ausnahme alkoholischer Getränke) mit dem Hinweis „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ versehen werden.

Doch sowohl die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung würden darauf verweisen, so Schmolling, dass „bislang keine ausreichenden Beweise vorliegen, aus denen hervorgeht, dass die Farbstoffe mit einer Beeinträchtigung der Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen tatsächlich im Zusammenhang stehen“.

Dennoch habe man “sehr viel Energie investiert, unter anderem auch mit Entwicklungsaufträgen an Universitäten, um einen optimalen Ersatz für diese Farbstoffe zu finden. Was letztlich dann auch gelungen ist, sodass man auf natürliche Ersatzstoffe zurückgreifen konnte.

Genau hinschauen

Der Beschluss des EU-Parlaments, den zusätzlichen Hinweis aufzubringen, diene lediglich dem vorbeugenden Verbraucherschutz. Wie bereits dargestellt, sind in unserem Brotaufstrich Alaska-Seelachssalat seit drei Jahren keine Azofarbstoffe mehr enthalten. Somit sind jegliche Beeinträchtigungen der Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern durch unser Produkt ausgeschlossen.

Ob das Bild, das aktuell im Netz die Runde macht, tatsächlich aus dem Jahr 2015 stammt oder aktuell ist, lässt sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Genau hinschauen sollte man auf jeden Fall, wenn man zu diesem Produkt greift.


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