Neuer Sparkassen-Chef über Macht, Sponsoring und notwendige Fehler
Der leise Reformer

von Christopher Horn

Die Tegernseer Stimme hatte die Gelegenheit den neuen Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee, Dr. Martin Mihalovits, zu interviewen.

Mihalovits ist seit 2011 im Vorstand der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und hat seit 1. April diesen Jahres die Position des Vorstandsvorsitzenden vom langjährigen “Oberhaupt” Georg Bromme übernommen.  

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Tegernseer Stimme: Guten Tag Herr Dr. Mihalovits, wie sahen Ihre ersten zwei Wochen als neuer Vorstandsvorsitzender konkret aus?

Mihalovits: Eigentlich recht unaufgeregt. Es galt viele organisatorische Dinge zu regeln, aber auch sich noch tiefer in Bereiche einzuarbeiten, mit denen ich als bisheriges Vorstandsmitglied nicht täglich zu tun hatte. Gleichwohl ist die jetzige Position für mich aber kein Neuland. Ich bin nun seit über 11 Jahren in der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee und seit 2011 bereits Vorstandsmitglied und demnach mit den Dingen in der Sparkasse bestens vertraut.

Tegernseer Stimme: Wie gut sind Sie persönlich Ihrer Meinung nach in der Lokalpolitik vernetzt?

Mihalovits: Ich bin ja wie gesagt schon einige Zeit im Haus und habe dadurch Kontakt zu den unterschiedlichsten Landkreispolitikern. Und in unserem Verwaltungsrat sind neben dem Landrat auch Bürgermeister und Kreisräte vertreten, da besteht schon eine gute Zusammenarbeit.

Natürlich wird es in meiner neuen Funktion zukünftig noch mehr Berührungspunkte mit der Politik geben. Aber: Die Sparkasse hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag und wir sind sozusagen das Geldinstitut für den Landkreis und die Kommunen. Das bedeutet aber nicht, dass wir von der Politik abhängig sind. Wir sind ein eigenständig unternehmerisch tätiges Insitut, der Vorstand bestimmt im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben die Unternehmenspolitik.

Tegernseer Stimme: Wie wichtig ist denn die lokale Politik aus Ihrer Sicht?

Mihalovits: Die Verbindung der Sparkasse zur Lokalpolitik ist natürlich von großer Bedeutung. Zum einen haben wir wie gesagt einen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Wir stehen dem Landkreis und seinen Kommunen in vielen Bereichen tatkräftig zur Seite, beraten sie in finanziellen Fragen und versuchen dort zu helfen, wo wir gebraucht werden. Unser Kernbereich ist dabei eine beratende und vermittelnde Funktion und das Angebot von Finanzdienstleistungen. Die Politik sollen die gewählten Volksvertreter gestalten.

“Der Bezug zur realen Wirtschaft ist entscheidend”

Tegernseer Stimme: Sie haben sich wiederholt gegen risikoreiche Spekulationsgeschäfte ausgesprochen. Welche neuen Geschäftsmodelle sind aus Ihrer Sicht für die Sparkasse interessant?

Mihalovits: Auch wenn wir uns klar gegen Spekulationsgeschäfte mit sogenannten „modernen“ Finanzprodukten, die kaum noch einer versteht, aussprechen, heißt das dennoch nicht, dass wir keinen Sinn für Innovationen haben. Sie müssen aber immer einen Bezug zur realen Wirtschaft haben.

Beispielsweise werden wir unser Profil im Medialen Bereich weiter schärfen. Die neuen Technologien werden in Zukunft immer wichtiger. Doch auch hierbei ist es ratsam, nicht jeden Trend mitzugehen, sondern gezielt zu überlegen, in welcher Form was Sinn macht.

Die Sparkasse wird sich natürlich auch in Zukunft auf ihr Kerngeschäft der persönlichen Kundenbetreuung in den Filialen konzentrieren. Es wird unser Bestreben sein den persönlichen Kontakt zwischen Kunde und Betreuer weiter zu stärken. Der Betreuer soll für den Kunden greifbar und erreichbar sein. Das ist auch eine Motivation für die Mitarbeiter. 

“Wir müssen lernen Fehler zu akzeptieren”

Tegernseer Stimme: Sie haben kürzlich betont, dass die Führungskräfte der Kreissparkasse zukünftig noch mehr Verantwortung übernehmen müssen. Wie meinen Sie das konkret?

Mihalovits: Dies gilt nicht nur für die Führungskräfte, sondern für alle Mitarbeiter unseres Hauses. Die Mitarbeiter sollen künftig noch stärker in die Entscheidungsprozesse in ihren Bereichen mit eingebunden werden. Wenn sie Entscheidungen besser nachvollziehen können, stehen sie letztlich auch selbst guten Gewissens hinter der Umsetzung.

Das bedeutet auch, dass wir das Potential jedes Einzelnen künftig noch besser nutzen und somit auch fördern werden. Ein Kernpunkt unserer Überlegungen ist es dabei auch, die Bereitschaft der Mitarbeiter zur Eigeninitiative zu stärken, auch wenn es dann passieren kann, dass der eine oder andere Fehler gemacht wird. Das müssen wir akzeptieren, allerdings auch offen und nachvollziehbar ansprechen. Dann hat der Mitarbeiter auch kein Problem damit und bemüht sich umso mehr, es künftig besser zu machen. Es muss allerdings auch klare, verlässliche Ansagen geben, damit die Mitarbeiter wissen, was von ihnen verlangt wird.

Tegernseer Stimme: Glauben Sie, dass dies letztlich auch zu einer höheren Kundenzufriedenheit führen wird?

Mihalovits: Ja. Die Kundenzufriedenheit hat bei uns oberste Priorität. Und die Rückmeldung der Mitarbeiter aus den Filialen zeigt, dass sie sich dem Feedback der Kunden gerne stellen. Das gilt natürlich für Lob gleichermaßen wie für Kritik. Wenn Kritik berechtigt ist, hilft sie Arbeitsabläufe und Kundenbindung zu optimieren. Zudem wird dadurch das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen Mitarbeiters weiter gestärkt.

Tegernseer Stimme: Die Position des Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse ist im Landkreis zweifellos mit einiger Macht verbunden. Wie wirkt sich Macht Ihrer Meinung nach auf den täglichen Umgang aus und wie wollen Sie mit dieser Macht umgehen?

Mihalovits: Das ist eine schwierige Frage. Natürlich verfüge ich in meiner Position über einen gewissen Einfluss. Ich sehe die Macht, die die Position als Vorstandsvorsitzender mit sich bringt, als “geliehene Macht” an. Macht darf niemals zum Selbstzweck werden. Aus dem Grund will ich meine Möglichkeiten auch nutzen, um die Sparkasse nach vorne zu bringen und dabei unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag bestmöglich gerecht werden. Dabei geht es nicht um mich persönlich, sondern um die Belange der Sparkasse, unserer Kunden und des Landkreises als Ganzes.

Tegernseer Stimme: Bedeutet dieser neue Stil für die Sparkasse auch einen gewissen Kulturwandel?

Mihalovits: Es wird sich einiges ändern. Sowohl in der Außendarstellung, als auch im Umgang nach Innen.

“Einige Sponsoring-Aktivitäten gehören auf den Prüfstand”

Tegernseer Stimme: Lassen sie uns über die Sponsoringaktivitäten der Sparkasse sprechen. Nach welchen Kriterien erfolgt das Sponsoring und wo sehen Sie Veränderungsbedarf?

Mihalovits: Wir möchten mit unserem Sponsoring etwas zurück geben. Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises sind sozusagen unsere Aktionäre. Wenn wir von einem Projekt oder einer Idee überzeugt sind, unterstützen wir das gerne. Wir wollen das Geld aber nicht willkürlich oder mit der Gießkanne verteilen, sondern nachvollziehbar beispielsweise gezielt für die Förderung der Jugend, sozialer Projekte, Unterstützung von Vereinen, der Wirtschaft und des Tourismus einsetzen.

Wir helfen, um etwas zu ermöglichen, was sonst mangels finanzieller Möglichkeiten nicht machbar wäre. Zudem soll es möglichst vielen Menschen zugute kommen und nachhaltig wirken.

Tegernseer Stimme: So ganz selbstlos betreiben Sie das aber auch nicht, oder?

Mihalovits: Natürlich wollen wir in der Öffentlichkeit auch zeigen, wo und wofür wir uns engagieren. Das stärkt auch die Bindung zu unseren Kunden.

Tegernseer Stimme: Wird sich das Sponsoring denn zukünftig ändern?

Mihalovits: Ja und nein. Auch zukünftig werden wir – wie gesagt – die verschiedensten Bereiche unterstützen, wenn es uns sinnvoll erscheint. Wir werden aber genauer hinschauen, was wir sponsern und fragen, was es den Bürgerinnen und Bürgern bringt. Wichtig ist Transparenz, dass verständlich ist, warum wir Projekte unterstützen. Was gut und richtig ist, betreiben wir weiter und neuen Ideen gegenüber sind wir aufgeschlossen. Das gilt für das Sponsoring, aber auch für unsere Arbeit insgesamt.

Tegernseer Stimme: Herr Dr. Mihalovits vielen Dank für das Gespräch

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