Thomas Gaulke dokumentiert Unfälle und andere Ereignisse
Der Mann hinter der Linse

von Mirja Tsioumanis

Schwerer Unfall auf der A8 in Holzkirchen, Brand einer Lagerhalle im Landkreis Miesbach, kuriose Tierrettung: Wenn Thomas Gaulke solche aktuelle Nachrichten erhält, zögert er nicht lange. Der als Chronist bekannte Fotograf dokumentiert Ereignisse wie diese seit vielen Jahren. Doch wer ist der Mann hinter der Linse?

Unfallfotograf Thomas Gaulle ist bei verschiedensten Einsätzen vor Ort.
Unfallfotograf Thomas Gaulke ist bei verschiedensten Einsätzen vor Ort.

Er hat Dinge gesehen, um die man ihn nicht beneidet. Und dann wieder welche, um die man ihn beneidet, weil unser einer sie nicht live mitbekommen würde. Thomas Gaulke ist Fotograf mit Schwerpunkt Unfall, Feuer, Rettungswesen und Kurioses. Im Prinzip hält er fotografisch all das fest, was für die Bevölkerung im Großraum München und darüber hinaus von öffentlichem Interesse ist. Von seiner Arbeit profitiert jedoch auch unser einer – er schießt die Bilder, die ohne ihn gar nicht erst entstehen würden und lässt uns daran teilhaben.

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Bei allem Tragischen oder Außergewöhnlichem, mit dem er tagtäglich konfrontiert wird, sagt er: „Extrem berühren darf dich das Gesehene nicht, sonst ist dieser Beruf der falsche. Was mich bei tödlichen Unfällen oft beschäftigt, ist, dass Einsatzkräfte und ich bereits von dem Unglück wissen, während den Angehörigen die Information zu diesem Schicksalsschlag noch bevorsteht.“

Bilder, die einen nicht los lassen

Als es vorletzte Woche auf einer Kreuzung in Gmund krachte, war er zur Stelle. Es war ein vergleichsweise kleiner Unfall mit geringem Schaden. Thomas Gaulke hat ihn dennoch dokumentiert. Genauso wie jenen Moment, als 1977 eine trächtige Giraffe aus dem Tierpark Hellabrunn in einen Graben gefallen war oder die Feuerwehr 2008 auf dem Oktoberfest 20 Menschen aus einem hängen gebliebenen Zug der Riesenachterbahn aus 30 Metern Höhe retten musste.

Als Fotograf war und ist er stets dabei, nicht aber in erster Reihe. Abstand zu halten, um die Arbeiten der Rettungskräfte nicht zu behindern, ist ihm wichtig: „Ich halte grundsätzlich Distanz, arbeite zumeist aus dem Hintergrund mit Teleobjektiven. Insofern ist meine Tätigkeit nicht mit der der Hilfskräfte zu vergleichen, die ja direkt am Opfer arbeiten müssen.“

Trotzdem gibt es sie – Bilder, die auch einen gestandenen Unfallfotografen wie Thomas Gaulke nicht los lassen. „Erschüttert war ich bei einem Einsatz im November, als die Feuerwehr das Leben eines auf dem Balkon seiner brennenden Wohnung stehenden Rentners nicht mehr retten konnte“, erzählt er.

Erheiternd: Geschichte einer Marienkäfer-Invasion

Zum Ausgleich ist er aber auch bei weniger dramatischen Situationen dabei. Gaulke bezeichnet sie als die „medial dankbarsten Einsätze“. Hierbei handelt es sich beispielsweise um „kuriose Verkehrsunfälle meist ohne Personenschaden oder auch Tierrettungen, wie die klassische Kuh in der Odelgrube.“ Sie sind Einsätze, bei denen auch der Fotograf ins Schmunzeln gerät: „Im Herbst gab es zum Beispiel die Geschichte einer Marienkäfer-Invasion. So etwas ist mir zehnmal lieber als jedes Unfalldrama.“

Fotos, insbesondere von Unfällen oder anderen Rettungsmaßnahmen, sind wichtig. Nicht nur in dem Sinne, dass sie die Öffentlichkeit über ein bestimmtes Ereignis visuell informieren, sondern auch als spätere Dokumentation für die Helfer. Als Fotograf, erzählt Gaulke, müsse er blitzschnell abwägen, welche Einsätze er begleite:

Kriterien sind Schweregrad des Unfalls oder andere Besonderheiten, die mir aufgrund meiner Erfahrung bedeutsam erscheinen. Es geht nicht darum, dass mich das Geschehnis selbst interessiert. Es muss ein Thema für meine Kunden sein, ob dies nun die tagesaktuellen Medien sind oder auch Fachzeitschriften im Feuerwehrbereich. Das Problem bei der Sache ist, dass ich eine Entscheidungsgrundlage brauche, ob ich fahre oder nicht – und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem naturgemäß noch wenige konkrete Informationen vorliegen.

Das andere Problem, dass seine Arbeit nicht unbedingt einfacher mache, seien die permanent verstopften Straßen in München. Weniger die Ereignisse vor Ort machten ihm zu schaffen, vielmehr die Rahmenbedingungen seines Jobs. Diese seien in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden als früher. „Es wird immer schwieriger, Einsatzstellen überhaupt noch zeitnah zu erreichen. Überspitzt gesagt, wenn die Maurer schon da sind, brauch’ ich keine Bilder mehr zu machen“, sagt Thomas Gaulke.

Darüber hinaus leide sein Business auch unter der Zeitungskrise. „Weil Auflagen und Anzeigen seit vielen Jahren rückläufig sind, werden Budgets zusammengestrichen und Kostenlos-Material von Schaulustigen-Knipsern und sogar Feuerwehren bevorzugt“, beklagt er sich.

Ruhe und Ausgleich sind wichtig

Trotzdem kann er sich keinen anderen Job vorstellen. Vielleicht auch, deswegen, weil ihm die Fotografentätigkeit quasi in die Wiege gelegt worden ist. „Mein Vater hat ebenfalls oft Geschehnisse und städtebauliche Veränderungen in der heimatlichen Umgebung im Bild festgehalten. Er inspirierte mich und schenkte mir seine ausgemusterten Kameras“, erinnert sich Thomas Gaulke. Als hauptberuflicher Bildjournalist führt er die Tradition seit mittlerweile zehn Jahren fort.

Was noch kommen mag? Das weiß Thomas Gaulke nicht. Mit der Zeit hat er Routine entwickelt in einem Beruf, der nie langweilig ist und jeden Tag Neues mit sich bringt. Aber auch ein Fotograf ist irgendwann einmal Privatperson und stellt die Kameratasche in die Ecke. „Mein Ausgleich ist die Ruhe, die ich regelmäßig auf dem Land abseits der Massen finde.“

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