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Rottacher Bürgermeister kritisiert Bauboom und Vorgehen bei Tourismusfusion

Hafners Abschied vom schönsten Job der Welt

Von Christopher Horn

Fast 14 Jahre ist Franz Hafner nun Bürgermeister von Rottach-Egern. Am 1. Mai wird er sich in den Ruhestand verabschieden und den Chefsessel im Rathaus an den neu gewählten CSU-Gemeinderat Christian Köck übergeben.

Auf seiner letzten Bürgerversammlung schilderte Franz Hafner gestern Abend die aktuelle Lage in Rottach-Egern und kritisierte die Art und Weise, wie die umstrittene Tourismus-Fusion durchgedrückt werden sollte.

Bürgermeister Franz Hafer stand gestern zum letzen Mal auf einer Bürgerversammlung Rede und Antwort.
Bürgermeister Franz Hafer stand gestern zum letzen Mal auf einer Bürgerversammlung Rede und Antwort.

Rund 70 Zuhörer kamen gestern Abend im Rottacher Seeforum zur Bürgerversammlung zusammen. Dort gab der scheidende Bürgermeister Franz Hafner einen Überblick über die vergangenen zwölf Monate der Gemeinde und einen kleinen Ausblick auf die kommende Zeit. Vor allem die Haushaltslage stand dabei im Fokus. Aufgrund einiger Großprojekte sieht Rottach einem schwierigen Haushaltsjahr entgegen.

So wird der Schuldenstand bis zum Ende des Jahres von derzeit 1,46 Millionen auf dann 2,36 Millionen Euro steigen. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 423 Euro steht Rottach im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt von 765 Euro aber noch relativ gut da. „Ich denke, wir sind auch im Vergleich zu anderen Gemeinden im Tal ganz gut dabei“, betonte Hafner gestern Abend. So steht beispielsweise jeder Wiesseer Bürger derzeit umgerechnet mit 6.764 Euro in der Kreide. In Kreuth wird die Pro-Kopf-Verschuldung bis Ende des Jahres bei 868 Euro liegen.

Das Problem mit den Gästebetten

Nach einem kurzen Abstecher in das kommunale Finanzwesen wandte sich der Bürgermeister dem Thema Tourismus zu. „Rottach- Egern hatte 2012 erstmals in seiner Geschichte über 100.000 Gäste. Im vergangenen Jahr waren es immerhin 98.986“, so Hafner. Auch mit den 392.000 Übernachtungen zeigte er sich zufrieden. Nichtsdestotrotz bereitet Hafner der Schwund an Gästebetten in der Gemeinde große Sorgen. Hatte Rottach im Jahr 2006 noch 3.307 Betten, waren es 2013 nur noch 3.017.

Damit kann sich auch Rottach-Egern dem talweiten Trend nicht entziehen. So hat beispielsweise die Stadt Tegernsee in den vergangenen 20 Jahren rund ein Drittel aller Gästebetten verloren. Von 2006 bis heute hat sich die talweite Bettenzahl um fast 17 Prozent verringert. Man müsse die Qualität des Angebots daher stetig hoch halten und weiter verbessern. Neue Hotels im Tal seien dabei sicher nicht schlecht, so der Rathauschef.

Auch in Rottach-Egern wird mit der Seeperle bald ein neues Hotel hinzukommen. Darüber wie man dem Bettenschwund Einhalt gebieten will, wird sich auch die TTT weiter Gedanken machen. Eine landkreisübergeifende Lösung rückt nach dem Schliersseer Nein zur Tourismusfusion wohl im weite Ferne. Auch Hafner äußerte gestern nochmals Kritik an der Art und Weise, wie die Fusion durchgedrückt werden soll.

Ich denke, das Ziel ist richtig, aber der Weg ist falsch. Jetzt hat man gesehen, wohin Zeitdruck führt. Man hätte das Ganze behutsam angehen müssen.

Er sei entsetzt. Jetzt habe man sich drei Jahre mit sich selbst beschäftigt, anstatt die Region nach außen wirksam zu bewerben, so der scheidende Rathauschef weiter. Der Rottacher Heinz Waldenmaier wollte dann auch eine klare Aussage haben, ob der landkreisweite Zusammenschluss nun aus Hafners Sicht vom Tisch ist. „Eine ATS ohne Schliersee kann ich mir nicht vorstellen. Jetzt muss man alles neu überdenken. Ich sehe momentan eher eine projektbezogene Zusammenarbeit im Landkreis“, gab Hafner eine Einschätzung.

buergerversammlung rottach-2

Auch die Bauwut und immer weiter zunehmende Flächenverdichtung im Gemeindegebiet prangerte der Rathaus Chef gestern Abend einmal mehr an. „Anders als anderen Gemeinden im Tal haben wir in Rottach-Egern schon seit rund 30 Jahren kein neues Bauland mehr ausgewiesen. Das Problem ist, dass Bauträger die vorhandenen Flächen immer weiter verdichten“, so Hafner. Aus seiner Sicht steht Rottach-Egern dieser Entwicklung mehr oder weniger machtlos gegenüber.

Den in den vergangenen Wochen vom gescheiterten Bürgermeister Kandidaten Josef Bogner (Parteifreie Rottach-Egern) mehrfach geäußerten Einwand, man könne das Problem lösen, indem man gebietsübergreifende Bebauungspläne aufstellt, konnte Hafner indes nicht nachvollziehen. Das sei Blödsinn und rechtlich gar nicht möglich, betonte er. Schon vor rund einem Jahr hatte Hafner an selber Stelle im Rahmen der Bürgerversammlung den Bauboom in Rottach-Egern bemängelt und mehr Unterstützung von Seiten des Landratsamtes gefordert.

Abschied mit Wehmut

Am Ende des Abends wurde Hafner dann etwas wehmütig und blickte auf seine fast 14 Jahre währende Amtszeit zurück. Dass die Gemeinde heute so gut dastehe, sei der Verdienst aller, die sich in den vergangenen Jahren für Rottach-Egern eingesetzt hätten, so Hafner. Er verlässt dabei das Rathaus mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Bürgermeister in einer Gemeinde wie Rottach-Egern zu sein, ist der schönste Job, den es überhaupt gibt. Ich bedanke mich daher bei allen, die mir das Vertrauen geschenkt haben“, unterstrich Hafner.

Gleichwohl zeigte er sich auch selbstkritisch und betonte, in der Vergangenheit sicher auch Fehler gemacht zu haben. „Nur wenn man auch was anpackt, kann man auch Fehler machen. Fehlerfrei ist man nur, wenn man nichts macht“, erklärte Hafner. Auch für konstruktive Kritik und Anregungen bedankte er sich, zeigte für anonyme Angriffe unter der Gürtellinie aber kein Verständnis. „So etwas macht mich wütend und tut mir weh. Man kann es als Bürgermeister sicher nicht jedem Recht machen, aber ein gewisser Respekt sollte immer da sein,“ forderte der Rathauschef. Respekt und Anerkennung zollten ihm dann auch die etwa 70 anwesenden Gäste und verabschiedeten Franz Hafner mit großen Ovationen.

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