“Der Steg ist eine der größten Errungenschaften meiner Amtszeit”

Seit 2002 ist Peter Janssen Tegernseer Bürgermeister. Aus Altersgründen räumt der 66-Jährige in einigen Wochen seinen Posten im Rathaus. Im TS-Interview äußert sich Janssen zu schweren Entscheidungen in seiner Amtszeit und dem langen Kampf um den Seesteg.

Zudem spricht Janssen, der sich in den letzten Jahren als einer der streitbarsten Tal-Bürgermeister einen Namen gemacht hat, über Belastungen im Amt und persönliche Pläne für die Zukunft.

Nach zwölf Jahren als Bürgermeister tritt Peter Janssen in wenigen Wochen ab.
Nach zwölf Jahren als Bürgermeister tritt Peter Janssen in wenigen Wochen ab.

In drei Tal-Gemeinden werden am 16. März neue Bürgermeister gewählt. In Tegernsee und Rottach-Egern wird es dabei sicher zu einem Wechsel an der Spitze der Verwaltung kommen. Denn die beiden amtierenden Rathauschefs Peter Janssen und Franz Hafner scheiden aus.

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Hafner hat sich im vergangenen Jahr aus persönlichen Gründen dazu entschieden, nicht mehr zu kandidieren. Und Peter Janssen darf nicht mehr aufgrund der aktuellen Altersgrenze von 65 Jahren bei Amtsantritt. Wir haben mit beiden Bürgermeistern gesprochen und werden heute und morgen jeweils ein Abschlussinterview bringen.

Guten Tag Herr Janssen, in rund fünf Wochen endet, nach insgesamt zwölf Jahren, Ihre Amtszeit als Tegernseer Bürgermeister. Verspüren Sie Wehmut oder doch eher sowas wie Vorfreude auf die Zeit danach?

Peter Janssen: Beides. Einerseits habe ich immer gerne gestaltet und die Dinge vorangebracht. Das wird künftig nur noch in sehr reduzierter Form möglich sein. Andererseits bin ich froh, dass ich aus der manchmal sehr belastenden Verantwortung dann raus bin.

Was hat Sie in letzter Zeit besonders belastet?

Peter Janssen: Vor allem die Debatte um den Neubau der Orthopädischen Klinik. Hier muss man auf der einen Seite natürlich den Landschaftsschutz vor Augen haben. Verschwindet die Klink in Tegernsee, verschwinden aber auch viele Arbeitsplätze. Zudem gehen den Geschäftsleuten und Restaurantbesitzern in Tegernsee dann viele Kunden verloren. Die Deutsche Rentenversicherung hat die Zusage gemacht, sich um eine Lösung zu bemühen. Ich würde mir daher eine angekündigte abgespeckte Lösung wünschen.

Keine Kopfschmerzen wegen Seesteg

Hat Ihnen der erbitterte Kampf zwischen den Gegnern und Befürwortern des letzten Teilstücks des Seesteges zwischen Länd und August-Macke-Anlage nicht auch zugesetzt?

Peter Janssen: Der Seesteg hat mir keine großen Kopfschmerzen bereitet. Es war mir immer klar, dass dieser Steg etwas Gutes für Tegernsee ist. Ich habe mich über die sehr hitzige Debatte doch sehr gewundert. Die Argumente der direkten Anlieger kann ich zwar nachvollziehen. Mehr aber auch nicht.

Also würden Sie diesen Weg heute nochmals so beschreiten?

Peter Janssen: Selbstverständlich. Der Steg ist eine der größten Errungenschaften meiner Amtszeit.

Hat der Seesteg der Entwicklung des derzeit brachliegenden Guggemos-Areals in Ihren Augen eher genutzt oder geschadet?

Peter Janssen: Der Steg ist etwas Positives für alle Geschäfte und Restaurants an der Hauptstraße. Jetzt gehen Touristen und Einheimische hier spazieren, nehmen den Hinweg über den Steg und gehen auf dem Rückweg an der Straße entlang und an den Geschäften vorbei. Früher ist man dort gar nicht entlanggegangen.

Gibt es denn derzeit Gespräche mit dem Herzoglichen Brauhaus, als Eigentümer des Guggemos, über die Zukunft der Hotelanlage?

Peter Janssen: Nein. Es wird aber wieder welche geben.

Kommen wir zu einer weiteren offenen Baustelle der Stadt Tegernsee. Warum konnte in all den Jahren kein Investor gefunden werden, der das Krankenhaus-Grundstück entwickelt und dort eine Hotellösung verwirklicht?

Peter Janssen: Die Lage und der Preis haben bislang schlicht keinen Investor überzeugt, die von der Stadt Tegernsee dort gewünschte Hotellösung zu errichten. Hier hat sich der Stadtrat schon bewegt und von einer reinen Hotelanlage Abstand genommen. Heute sagen wir 50 Prozent Hotel. Der Rest könnten dann zum Beispiel betreutes Wohnen, Miet- und Eigentumswohnungen sein.

Ist ein Hotel an der Stelle angesichts der zahlreichen neuen Projekte wie dem A-ja-Hotel oder dem Almdorf nicht überflüssig geworden?

Peter Janssen: Wir haben in den letzten 20 Jahren 600 Gästebetten verloren, das ist ein Drittel. Auch wenn alle derzeit geplanten Projekte verwirklicht werden, A-ja-Hotel (300 Betten) Westerhof (200 zusätzliche), Almdorf (75) und Das Tegernsee (20 Betten zusätzlich), gleichen wir gerade einmal diesen Verlust wieder aus. Die Zahl der Gästebetten wird weiterhin rückläufig sein. Wir brauchen auch deshalb am Krankenhaus-Areal ein Hotel, weil es nah am Zentrum liegt und den Geschäften Kunden bringt.

Wäre eine reine Wohnlösung in Verbindung mit einem Einheimischenprogramm dort nicht sinnvoller?

Peter Janssen: Es geht grundsätzlich darum, Familien zu helfen. Hier haben wir in den letzten Jahren schon einiges getan. Das Lidl-Wohnungsprogramm wurde ausgehandelt. Wir haben zwei Wohnhäuser in der Max-Josef-Straße und der Pöttinger Straße 20 gekauft, die sonst auf den freien Markt gelangt oder abgebrochen worden wären. Zusätzlich sollen auf dem Bahnhofsgelände, das der Stadt gehört, Familienwohnungen entstehen. Aber man darf sich hier auch nichts vormachen. Grund und Boden fürs Krankenhausgelände ist sehr teuer. Hier wird es sich eine junge Familie kaum leisten können, zu bauen.

In Gmund hat man auf dem Landbaderfeld ein Einheimischenprogramm umgesetzt, ist das auch in Tegernsee möglich?

Peter Janssen: Ein Einheimischenprogramm basiert auf billigem Grünland, das dann zu Bauland umgewandelt wird. So ist es in Gmund mit dem Landbaderfeld geschehen. Hier kommen Familien für wenig Geld an Bauland und haben dann noch Geld übrig, um ein Haus darauf zu stellen. In Tegernsee sind freie Flächen wie ein Landbaderfeld schlicht nicht vorhanden.

Probleme seit Jahren bekannt

Über eine Belebung des Krankenhausareals will man auch wieder neue Kunden für die Geschäfte in der Stadtmitte gewinnen. Warum hat es eine CIMA-Studie gebraucht, um auf das seit über zehn Jahren offensichtliche Geschäftesterben aufmerksam zu machen? Hätte man hier nicht schon viel früher handeln müssen?

Peter Janssen: Das Problem ist in der Tat seit vielen Jahren bekannt. Leider haben hier verhärtete Strukturen dazu geführt, dass man nicht konstruktiv miteinander umgegangen ist. Von dem Gewerbeverband rund um die Vorsitzende Maria Heiß kamen keine innovativen Ideen. Seitdem es den neuen „Verein Geschäftsleute Stadt Tegernsee“ gibt, hat sich das allerdings geändert. Nun sehe ich große Chancen, hier etwas Positives zu erreichen. Auch die Gespräche im Arbeitskreis Ortsmitte waren sehr vielversprechend. Die Ergebnisse werden zeitnah präsentiert. Für das Wohl der Geschäfte und Läden brauchen wir jedoch auch die nötigen Parkmöglichkeiten. Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum Geschäft sind da A und O.

Also kommt das Parkhaus auf dem Horn-Parkplatz doch noch?

Peter Janssen: Ich rechne damit, dass es umgesetzt wird. Bislang war die Zeit scheinbar noch nicht reif. Es gibt aber keine Alternative zum Parkhaus. Nach der heutigen Planung würde man hinten den Hang abgraben und zwei Obergeschosse errichten, die über eine Wendelauffahrt erreicht werden. Das Erdgeschoss ist dann für Kurzzeitparker wie bisher mit Parkschein vorgesehen, die beiden Obergeschosse für Dauerparker. So würde man von derzeit 37 Stellplätzen auf dann rund 120 kommen.

Warum erweitert man nicht stattdessen die Tiefgarage der Sparkasse?

Peter Janssen: Ich sehe diese Möglichkeit zusätzlich zum Parkhaus auf dem Horn-Parkplatz. Spätestens wenn in einigen Jahren der Pachtvertrag für den Zentralparkplatz ausläuft und die derzeit 130 Stellplätze wegfallen, brauchen wir beides.

Aus der Sicht von Bürgermeister Janssen ist ein Parkhaus auf dem Horn Parkplatz ohne Alternative
Kommt das Parkhaus auf dem Horn-Parkplatz nun doch?

Was planen Sie nach Ihrer Zeit als Bürgermeister?

Peter Janssen: Ich habe ganz bewusst noch keine konkreten Pläne. Das will ich auf mich zukommen lassen. Zum einen werde ich mich als Vorsitzender der Bürgerliste auch weiterhin politisch engagieren. Zudem will ich mich künftig noch stärker einigen ehrenamtlichen Posten widmen. Bisher hat das reine Arbeitsleben ein großes Übergewicht gegenüber der Freizeit. Das soll sich künftig ändern und da freue ich mich schon drauf.

Und was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Peter Janssen: Eine gute Zusammenarbeit im Stadtrat. Es geht nur gemeinsam. Einer allein kann nichts entscheiden. Mein Wunsch ist, dass sich die gute Entwicklung Tegernsees fortsetzen wird. Das setzt auch Unternehmungsbereitschaft voraus.

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