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Höheres Budget - mehr Kritik

Der „Spagat“ von TTT-Chef Kausch

Das Budget der TTT für 2019 stellte Geschäftsführer Christian Kausch dem Tegernseer Stadtrat vor. Dabei wurde auch der Wunsch nach mehr ökologischem Tourismus laut.

TTT-Chef Christian Kausch berichtete im Tegernseer Stadtrat über die Pläne für die fünf Talgemeinden

Das Gesamtbudget der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) für 2019 liegt bei 4,3 Millionen Euro, etwa 40.000 Euro mehr als im Vorjahr. Für die Verwaltung werden 763.000 Euro eingeplant, für das Anbieterwesen 1,5 Millionen Euro, den Löwenanteil mit knapp 2 Millionen Euro verschlingt das Marketing.

Überwiegend finanziert sich die TTT durch ihre Gesellschafter, die fünf Talgemeinden. Sie müssen in diesem Jahr 3,1 Millionen Euro aufbringen, knapp 100.000 Euro mehr als 2018. Von den Bürgermeistern habe es laut Kausch die „klare Vorgabe“ gegeben, die Marketingumlage „nicht zu erhöhen“. Die TI-Umlage dagegen werde angehoben.

Zwei Aufgaben in einer Person

Eine Erhöhung könne er aber „nicht wegschlucken“, das Plus von 89.000 Euro für die Tourist-Informationen, bedingt durch höhere Personalkosten. „Wir versuchen dennoch mit den Geldern hauszuhalten und zu sparen“. Ein Beispiel dafür sei, dass er selbst einen Mitarbeiter einspare, „da ich Geschäftsführer und Prokurist in einer Person bin“. Als Beispiele für seinen Sparwillen nannte Kausch die Auflösungen des „Tagungserlebnis Tegernsee e.V.“ und der „Tourismus Vertriebs GmbH“. Hier werde „Zeit und Geld“ gespart.

„Outgesourcst“ worden sei der Bereich Pauschalreisen an die Agentur „Feuer und Eis Touristik GmbH“. Dort seien laut Kausch die Spezialisten, auch für das neue „Pauschalreise-Recht“. Die Rottacher Touristiker hätten auch schon die Reisepauschalen für den Adventszauber „sehr gut“ gemacht. Als nächstes würden sie eine „Bergsteigerdorf Wanderpauschale“ umsetzen. Außerdem wolle man in der TTT Doppelstrukturen mit der ATS (Alpenregion Tegernsee Schliersee) von Harald Gmeiner vermeiden, so Kausch, und nicht mehr im Doppelpack auf Veranstaltungen und Sitzungen auftreten.

In Planung ist ein Pauschalangebot für Touristen, die im Bergsteigerdorf Kreuth wandern wollen

Besser in Erscheinung treten will die TTT am Pavillon an der Kreuzstraße mit einem „Info-Screen“ für die anstehenden Veranstaltungen, um den „Bannerwildwuchs“ einzudämmen. Aufgepeppt sollen auch die TI-Mitarbeiter werden, mit neuen Dirndln und Gilets. Die letzte Anschaffung liege schon einige Jahre zurück. „Mittlerweile würden die Näthe ein bisschen platzen“. (Allgemeines Schmunzeln im Ratssaal) Auf Vordermann müsste auch die Buchhaltung mit einer Software zur Digitalisierung auf das beleglose Rechnungswesen gebracht werden. „Wir haben immer noch viel zu viel Papier“, so Kausch

Zur wissenschaftlichen Begleitung des Tourismus und seiner Wirtschaftskraft sei nach 2013 wieder eine Studie in Auftrag gegeben worden. Sie soll zeigen, wie viel ein Gast im Tal ausgibt. Ob das Marketing der TTT „richtig ausgerichtet“ sei, soll die Fallstudie „Sinus Milieus“ mit der Hochschule München erbringen. „Sind die Gäste als Zielgruppe überhaupt da, von denen wir glauben, dass sie da sind“. Hier gebe es schon „sehr interessante Ergebnisse“, die er bald vorstellen wolle. Verhandelt werde mit der Münchner LMU über eine Studie „Klimahandeln im Tourismus“. In ihr sollen „Handlungsempfehlungen für den Klimawandel“ gegeben werden. Hier stehe dann der Tegernsee beispielhaft „für ganz Deutschland“.

TegernseeCard als Erfolgsmodell

Als einen der „größten Erfolge“ bezeichnete Kausch die TegernseeCard. Sie sei allerdings auch eine der größten Positionen im Budget. Denn inzwischen gebe es über 220 Gastbetriebe als Teilnehmer. Geplant sei auch eine Verknüpfung der Karte mit dem Miles & More-System von Lufthansa. Der Erfolg der TegernseeCard zeige sich auch bei der Schifffahrt. Waren es 2017 noch 55.000 Fahrten, konnte die Zahl der Nutzer im vergangenen Jahr auf 80.000 gesteigert werden. „Diese Leistung kommt bei Gästen wie Gastgebern wahnsinnig gut an“.

Die TegernseeCard kommt bei Gästen und Gastgebern im Tal besonders gut an – hier fahren Urlauber beispielsweise umsonst mit dem Bus

Derzeit befinde man sich mit dem Finanzministerium in Verhandlungen über den Nachfolgevertrag. „Es schaut gut aus“. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) ergänzte auf die Nachfrage von Thomas Mandl (SPD), ob der ÖPNV auch Teil der Schifffahrt werde: „Wir suchen mit dem Wirtschaftsministerium eine Lösung, dass die Schifffahrt auch Mittel aus dem ÖPNV bekommt“, so Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), aber dies „dauert noch“.

Anschließend folgte von Kausch eine längere Vorstellung der geplanten Aktivitäten in diesem „Aktiv“-Jahr, von der 9. Jäger-Ski-WM im Februar, der Segel-WM in der Tempest-Bootsklasse im August bis zum Langstreckenschwimmen im September.

„Große Effizienz mit weniger Geld“

In der anschließenden Diskussion über das Budget bemängelte Heino von Hammerstein (BürgerListe), dass die Stadt etwa fünf Prozent mehr beisteuern müsse, „was mir zu hoch ist“. Neben den verständlichen Personalmehrkosten missfielen dem Vize-Bürgermeister „neue Ausgaben für erweiterte Aufgaben“. Hier entwickele die TTT eine „Eigendynamik“, sich „auszuweiten“. Da dies nicht „unbedingt etwas mit Qualität“ zu tun habe, sollte Kausch das „im Auge behalten“, so Hammerstein. Er wolle eine TTT, die den „Stand halte und nicht explodiere“.

Das Geld habe er „extrem im Auge“ erwiderte Kausch, das Budget trage sogar das „Risiko“, „zu eng gefasst“ zu sein. Man müsse aufpassen, warnte der Geschäftsführer, dass „wir die TTT nicht kaputtsparen“. Auch mit „weniger Geld“ könne eine „große Effizienz“ erreicht werden, erklärte dagegen Thomas Mandl (SPD). Er vermisste bei den Themen von Kausch auch einen Schwerpunkt mit „naturnahen und sanften Tourismus“. Die „Stoßrichtung“ Ökologie fehlte Mandl. Mit dem Bergsteigerdorf „gehe es aber gar nicht naturnaher“, erwiderte Kausch.

Hagn hadert mit der BOB

In Sachen Ökologie nütze es „überhaupt nichts“, so Hagn, wenn die Talbürgermeister Mobilitätskonzepte aufstellen würden, aber die „Informationsweitergabe der BOB nicht funktioniert“. Hier müsse man erst einmal die „Basics“ schaffen. Auch für ihn, so Hagn, „komme bislang das Ökologische“ im Programm der TTT „zu kurz“. Daher habe man auch Kausch wissen lassen, dass eine Wiederholung der Oldtimer-Tulpen-Rallye nicht mehr gewünscht sei.

Daher sei auch eine Anfrage abgelehnt worden, weil 120 Traktoren im Pulk um den See fahren wollten. Bevor der Stadtrat das Budget von Kausch einstimmig absegnete, würdigte Mandl den „riesigen Spagat“ des TTT-Chefs mit seinem Programmangebot und zitierte dabei Franz Josef Strauß: „Wer everybody‘s Darling sein will, ist zuletzt everybody’s Depp“.


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