Spurensuche im Wiesseer Rettungszentrum beginnt
Der Tag nach dem Feuer

von Nicole Kleim

Ein Bauzaun sichert die abgebrannten Fahrzeuge – es ist der Tag nach der Brandkatastrophe im Wiesseer Rettungszentrum. Die Feuerwehrler haben die ganze Nacht hindurch Wache gehalten, um die Rauchentwicklung zu beobachten. Der Brand ist zwar gelöscht, doch der Zustand eines Verletzten kritisch.

Der Tag nach dem Feuer: Die ausgebrannten Fahrzeuge im einsturzgefährdeten Gebäudeteil des BRK.

Die Sonne strahlt. Fast scheint die gestrige Brandkatastrophe im Wiesseer Rettungszentrum vergessen, wenn da nicht dieser abgebrannte Gebäudeteil mit den pechschwarzen Fahrzeugen wäre. Die Szenerie wird komplettiert durch die umstehenden Einsatzkräfte von Feuerwehr, Wasserwacht, dem Technischen Hilfswerk sowie dem Roten Kreuz.

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Mit 25 Mann haben die Feuerwehren Waakirchen und Hausham die ganze Nacht hindurch Brandwache gehalten. Mit Wärmebildkameras wurde der abgebrannte Gebäudeteil in regelmäßigen Abständen nach möglichen Glutnestern abgesucht. Erst gegen 5:30 Uhr wurden die Männer heute morgen von der Ortsfeuerwehr Bad Wiessee abgelöst. Kreisbrandinspektor Karl Limmer gibt Entwarnung:

In der Nacht gab es keine besonderen Vorkommnisse.

Die massive Rauchentwicklung, die gestern den ganzen Nachmittag Probleme bereitet hat, habe man am Abend zuvor erst gegen 20 Uhr in den Griff bekommen, sagt er, sechs Stunden nach der Explosion. Ein Statiker sei heute morgen schon da gewesen, so Limmer weiter. Dieser habe bestätigt, dass das vom Brand betroffene Gebäude einsturzgefährdet sei und bis auf weiteres nicht betreten werden darf. Ob es – wie von anderen Medien berichtet – abgerissen werden muss, steht derzeit dagegen noch nicht fest.

Zum Schutz des Tegernsees

Der hintere Teil des Rettungszentrum, den die Wiesseer Feuerwehr zusammen mit dem BRK vor gut vier Jahren für 1,7 Millionen Euro errichtet hatte, sei mit einem Wasserschaden davongekommen, so Limmer. Jetzt warte man auf die Kripo, die die Brandursache ermittelt. Das Technische Hilfswerk steht schon seit 9 Uhr mit zehn Mann bereit, um die Ermittler bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Die eingerichtete Ölsperre ist leer.

In der Zwischenzeit zeigt Kreisbrandrat Anton Riblinger die Stelle an der Breitenbachmündung unten am Tegernsee, an der die Ölsperre eingerichtet wurde. Der Brand hatte das Löschwasser verunreinigt, deshalb errichtete man kurzerhand einen Filter, damit das Wasser ohne Rückstände wieder in den Tegernsee fließen konnte. „Zum Glück ist alles leer“, sagt er mit Blick auf die Sperre.

Die Rauchentwicklung sei auch in der Nacht das Hauptproblem gewesen, so Riblinger. Die Einsatzkräfte hätten ihre Geräte nicht bedienen können. Es sei schon ein „besonderes Ereignis“, wenn die Ortsfeuerwehr eingeschlossen ist und nicht wieder herauskommt. Auch Martin Pemler, der Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, bestätigt, dass er so etwas seit Jahrzehnten nicht erlebt habe, dass Rettungskräfte selbst von einem Brand betroffen sind.

Soforthilfe: Geschäftsleute spenden

Auf einmal stehen der BRK-Kreisgeschäftsführer Robert Kießling und Wiessees BRK-Bereitschaftsleiter Willi Dörder mit 500 Euro in der Hand da. Andreas Günther, Chef der gleichnamigen Gmunder Firma, ist vorbeigekommen, um Soforthilfe zu leisten. Die Bereitschaft für Spenden sei groß, so Kießling, man habe schon viele unverbindliche Angebote bekommen und mittlerweile ein Spendenkonto eingerichtet.

Das Spendenkonto des BRK
Sparkasse Miesbach-Tegernsee
DE 787 11 525 70 000 00 24190

Andreas Günther (Mitte) übergibt 500 Euro Soforthilfe an BRK-Geschäftsführer Robert Kießling (links).

Man hoffe, dass der Schaden, der in die Millionenhöhe gehe, vollständig durch die Versicherung abgedeckt sei. Allerdings sei der reelle Wert der hochmodernen Fahrzeuge, die abgebrannt seien, viel höher, so Kießling. Ein Gutachter sei schon vor Ort, um die genaue Schadenshöhe zu ermitteln. Erste Schätzungen gehen von mindestens 2,5 Millionen aus. Denn allein die vernichteten Fahrzeuge hätten einen Gesamtwert von über einer Million Euro.

Ein Verletzter liegt im Koma

So befanden sich gestern bei Ausbruch des Brandes in der Halle ein Einsatzleitwagen der Marke MAN – der modernste in Bayern – geschätzter Wert: knapp 300.000 Euro; ein Gerätewagen Sanität, ebenfalls von MAN und ebenfalls rund 300.000 Euro teuer.

Im Gerätewagen befanden sich neben anderem teuren Equipment drei EKG-Geräte, je 25.000 Euro; ein Wasserwacht-Wagen der schnellen Einsatzgruppe (SEG) plus Anhänger, Wert: 160.000 Euro. Zusätzlich das brandneue Boot, an dem die beiden Schwerstverletzten kurz vor der Explosion Schweißarbeiten durchführten im Wert von rund 200.000 Euro.

Auch Bürgermeister Peter Höß ist am Tag nach dem Feuer vor Ort.

„Die Brandschutzversicherung für das Gebäude liegt bei der Gemeinde“, erklärt der soeben eingetroffene Bürgermeister Peter Höß. Der Inhalt, also die Fahrzeuge, seien dagegen vom BRK versichert. Höß betont, er sei vor allem froh, dass die zwei Wiesseer, die gestern mit schwersten Brandverletzungen ins Klinikum Bogenhausen eingeliefert worden sind, außer Lebensgefahr sind.

Doch nur wenig später stellt sich heraus: einer der beiden Männer liegt inzwischen im Koma. Die Aufarbeitung des gestrigen Unglücks dürfte noch lange andauern.


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