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Ein Kommentar zur Kür des CSU-Landratskandidaten

Die Affäre Kreidl hat sich weggefloskelt

Von Steffen Greschner

Die Affäre Kreidl scheint für die CSU längst keine mehr zu sein. Sie hat mit großer Mehrheit und einem Ergebnis im 90-Prozent-Bereich Jakob Kreidl zum Landratskandidaten gekürt. Von Misstrauen keine Spur.

War da nicht was? Eine fragwürdige Doktorarbeit, der Amigo-Verdacht, die Prüfungsergebnisse einer Universität? Die Affäre Kreidl zeigt vor allem eines: die Scheinheiligkeit der Worte im politischen Alltag.

Seine Stellvertreter im Landkreistag stehen noch fest hinter Jakob Kreidl. Quelle: picture-alliance
Jakob Kreidl hat – nach schweren Monaten – heute nur noch wenig Grund, kritisch zu schauen / Quelle: picture-alliance

Hinter verschlossenen Türen soll es schwere Diskussionen gegeben haben. Man habe es sich nicht leicht gemacht, den angeschlagenen Landrat erneut ins Rennen um das höchste politische Amt im Landkreis zu schicken. Immerhin das. Und dennoch: Zum Schluss war von „Vertrauen“ die Rede, von „geschlossenen Signalen“ und „der guten Arbeit, die er macht“. Eine Floskel jagte die nächste.

Man kennt diese Aneinanderreihung von Plattitüden bereits. Egal, ob im März, als erste Verdachtsmomente rund um Jakob Kreidl auftauchten. Oder im April, als der 61-Jährige seine Schuld eingestand und den Doktortitel freiwillig ablegte. Oder im Mai, als das fragwürdige Beschäftigungsverhältnis seiner Frau bekannt wurde. Alles kein Problem.

Kreidl selbst gibt sich derweil gefloskelt – Verzeihung – geläutert. Der Gleiche, der sich noch im Frühjahr auf den „erteilten Wählerauftrag“ und die „Grundlage des Vertrauens der Wählerinnen und Wähler“ berief, spricht heute von „gemachten Fehlern“ und davon, alles tun zu wollen, „um verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen“.

Das Urteil der Universität spielt keine Rolle

Die Partei selbst hat ebenfalls eine beachtliche Floskelwende hingelegt: im Frühjahr wurde mit der Unschuldsvermutung argumentiert und damit, dass man das Ergebnis der Universität der Bundeswehr abwarten müsse, bevor man ein vorschnelles Urteil fällen dürfe.

Die Uni prüft nach wie vor. Wann es zu einem Ergebnis kommt, ist ungewiss. Ganz offensichtlich ist es auch vollkommen egal. Auf das Vertrauen der Partei und die Karriere eines Jakob Kreidl wird es keine Auswirkungen mehr haben. Es wird sich schon die richtige Floskel dafür finden, wenn die Universität das von vielen erwartete Ergebnis ihrer Überprüfungen bekannt gibt.

Da stimmt die Aussage vom „geschlossenen Signal“ dann auch wirklich. 88,8 Prozent lassen keinen Zweifel und kein Zurück mehr zu. Die Affäre Kreidl wurde erfolgreich weggefloskelt.

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