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Ingrid Versen verlässt nach 30 Jahren den Wiesseer Gemeinderat

Die erste Frau geht

„30 Jahre sind genug“, meint Ingrid Versen im Rückblick. Seit heute ist bekannt, dass die streitbare CSU-Gemeinderätin ihren Sitz abgibt. Sie war die erste Frau im Wiesseer Gemeinderat und blickt auf eine turbulente Zeit zurück.

Nach 30 Jahren: die erste Frau im Wiesseer Gemeinderat, Ingrid Versen, geht. / Archivbild

Wenn ihr am Ratstisch etwas gegen den Strich geht, nimmt sie kein Blatt vor den Mund und redet Klartext. Ob zuletzt beim Brenner-Park, dem neuen Jodbad oder dem geplanten und inzwischen verworfenen Heizkraftwerk, meist zielt sie auf eine andere Frau im Gemeinderat: Klaudia Martini von der SPD. Die Folge ist oft ein kleines Scharmützel.

Versen: „Halten Sie den Mund“. Dem folgt ein „Ich halt es nicht mehr aus“ von Martini – um nur ein Beispiel aufzugreifen. Immer aber geht es Versen um die Sache, für die sie seit 1990 leidenschaftlich kämpft, weil sie den gravierenden Veränderungen in Bad Wiessee oftmals mangels Mehrheiten ihrer CSU machtlos zusehen muss.

Sitzen derzeit vier Frauen im Gemeinderat, so war sie 1990 die erste. Mit 45 Jahren kandidierte Versen noch für den Wiesseer Block (BW) auf Platz neun. Sie kam auch auf Platz neun in den Ratssaal. Ihre Partei unter der Führung von Bürgermeister Herbert Fischhaber hatte mit zehn Sitzen die absolute Mehrheit. Nach 15 Jahren kehrte sie dem BW den Rücken und wechselte 2005 zur CSU.

Großer Zusammenhalt im Ort

Vor allem der Jugend hatte sich Versen zugewandt. Nach eigenen Angaben war sie sechs Jahre lang Schulreferentin und zwölf Jahre Kulturreferentin. 1995 gründete sie das Wiesseer Jugendferienprogramm. Dies sei ein Riesenerfolg geworden. Während der sechs Wochen im Sommer hätte sie rund 120 Aktivitäten im Tal und bis 3.000 Buchungen pro Jahr auf die Beine stellen können.

Darunter seien Busfahrten zum Spielepark in Bad Wörishofen, Wanderungen mit Hüttenübernachtung und jede Menge Sportveranstaltungen gewesen. Sieben Jahre bis 2002 absolvierte Versen diese ehrenamtlichen Tätigkeiten: Organisation, Buchungs-Entgegennahme, Sponsorensuche, Betreuungssuche, persönliche Betreuung. „Nie zuvor“ habe sie einen solchen Zusammenhalt im Ort erlebt wie während dieser Zeit.

Auch mit 75 will Versen noch hoch hinaus

Ihre Idee dazu war: Wiesseer Kindern, die mit den Eltern im Sommer aus beruflichen Gründen nicht wegfahren konnten, tolle Ferien daheim zu bieten. „Das schlug wie eine Bombe ein und hielt sich so über die vollen sieben Jahre“, urteilt Versen rückblickend.

Ingrid Versen besucht den Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary 1990 in Nepal / Foto: Privat

Zeitgleich mit dem Einzug in den Gemeinderat, nach ihrem ersten Nepal-Aufenthalt im Mai 1990, ist ihr ein anderes Projekt sehr ans Herz gewachsen: die Gründung der „Sir Edmund Hillary-Stiftung Deutschland e.V.“, die 2020 das 30-jährige Bestehen feiern kann. Von 1990 bis Ende 2018 habe der Verein rund 1,5 Millionen Euro gesammelt.

Damit konnte Versen als Motor der Stiftung viel Leid in der Everest-Region lindern: den Unterhalt des Paphlu-Hospitals auf 2.467 Metern Höhe, ebenso wie nach dem Erdbeben 2015 dessen Wiederaufbau. Diese Tätigkeit möchte sie auch nach 2020 als 75-Jährige weiter ausüben. Der Himalayan Trust ehrte Versen 2018 wegen ihres unermüdlichen Einsatzes mit der Ehrenmitgliedschaft.

Versen erhält Bundesverdienstkreuz vom Bundespräsidenten

Doch nicht nur in Asien engagierte sich Versen. 1992 wurde sie zunächst Hauptschöffin am Amtsgericht Miesbach und nach acht Jahren Tätigkeit dort rund zwölf Jahre ehrenamtliche Richterin beim Verwaltungsgericht in München. Ihre Schwerpunkte waren Medienrecht und Schwerbehinderten-Recht. Für all diese Tätigkeiten wurde sie im Mai 2010 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

„Alles hat seine Zeit“, deshalb möchte sie 2020 ihre Gemeinderatstätigkeit beenden. Doch Versen wäre nicht Versen, wenn sie nicht noch ein Bein in der Politik hätte: Sie bleibt bis 2021 dem CSU-Ortsverein als Beisitzerin erhalten. Ihr Fazit:

30 Jahre als engagierte Gemeinderätin sind genug.


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