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Parkhaus-Diskussion in Tegernsee: Gegner, Befürworter, Argumente – Eine Einordnung

Von Peter Posztos

Die Sparkassen-Tiefgarage neben dem Haus des Gastes könnte erweitert werden - ob dass das grundsätzliche Problem löst ist allerdings offen

Auf den ersten und zweiten Blick macht ein Parkhaus in Tegernsee keinen Sinn. Die Millionen könnte man anders besser verwenden. Genügend Parkplätze gibt es auch so. Und darüberhinaus sind Parkhäuser auf dem Land so beliebt wie Juckreiz.

Gegenmeinung: Das Parkhaus ist die einzige Möglichkeit den Bereich nördlich der Alpbachbrücke wieder zu beleben. Eine zukunftsfähige Lösung erfordert Weitblick und damit auch eine Planung, die nicht bereits in drei Jahren überholt ist. Darüberhinaus wäre, aufgrund der geographischen Situation vor Ort, ein ebenerdiger Parkplatz auf dem Hornanwesen viel zu klein.

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Die Argumente der beiden “Parteien” sind bekannt. Die einzige Gemeinsamkeit der Befürworter bzw. der Gegner ist ihre Überzeugung im Recht zu sein. Denn auch wenn Bürgermeister Peter Janssen das Thema durch eine unabhängige Bedarfsanalyse versachlichen möchte, haben sich die entscheidenden Parteien bereits vor längerer Zeit positioniert. Jeder, so scheint es, hat seine feste Meinung. Und von dieser wird auch nicht bei objektiv gesehen guten Argumenten der Gegenseite abgewichen.

Doch ist der Fall tatsächlich so klar, wie es uns wahlweise die eine oder die andere Seite weiß machen möchte? Macht die Alternative “Sparkassentiefgarage” wirklich Sinn? Wie sehen die Kosten im direkten Vergleich aus? Wer profitiert von einer großen Lösung? Und können die Mehrkosten durch eine positive Bedarfsanalyse verargumentiert werden?

Vier bis fünf Millionen Euro teurer – das wichtigste Argument der Parkhausgegner

Laut einer Berechnung der Freien Wähler sind die vom Architekten in der Aprilsitzung präsentierten und auf Seiten der großen Lösung (Plan A, Parkhaus Hornanwesen, 122 Plätze ohne Untergeschoß) anfallenden Kosten in Höhe von 3,4 Mio. Euro nur sogenannte Nettobaukosten. In diesen sind damit der Grunderwerb für das Hornanwesen, die Zinsen für ein 30-Jahre laufendes Darlehen sowie die Kosten für die Planung nicht enthalten.

Wenn man diese Posten mit einberechnen würde, käme man auf 6,5 Mio. Euro und somit auf 53.278 Euro pro Stellplatz. Etwa 25.000 Euro mehr als noch Anfang April vom Architekten kommuniziert.

Dass diese Rechnung vom Grundsatz her richtig ist, hat Bürgermeister Peter Janssen uns gegenüber bestätigt. Allerdings weißt Janssen darauf hin, dass das Parkhaus bei Ablauf der angenommenen 30-jährigen Finanzierung noch viele weitere Jahre nutzbar sein wird. Auch das Grundstück, welches erworben werden muss, bleibe voll erhalten und somit besitze auch das Gesamtobjekt einen entsprechenden Wert.

Die Alternative oder der sogenannte Plan B sieht vor, einerseits das Hornanwesen als ebenerdigen Parkplatz zu nutzen. Und andererseits durch eine Erweiterung der Sparkassentiefgarage den anfallenden Parkplatzbedarf in Tegernsee abzudecken.

Die Kosten für die 69 Stellplätze, die durch eine Tiefgaragenerweiterung entstehen würden, lägen bei 1,035 Mio. Euro bzw. 15.000 Euro pro Stellplatz. Zusammen mit einem ebenerdigen optimal ausgerichteten Parkplatz auf dem Hornanwesen entstünden so schätzungsweise 100 neue Parkplätze. Laut einer aktuellen Information wäre die Sparkasse mit dieser Lösung einverstanden. Da etwa 20 Mitarbeiter von Tegernsee nach Miesbach umziehen, werden in der Tiefgarage ca. 15 weitere Stellplätze frei. Dies bestätigte Sparkassen-Chef Georg Bromme in einem Schreiben an die Stadt Tegernsee.

Wie hoch ist der Bedarf tatsächlich und vor allem wo fällt er an?

Bedarfsschätzung laut Freie Wähler. Für eine große Ansicht draufklicken.

Das entscheidende Kriterium ist die Frage nach dem absoluten Bedarf. Und das ist auch der Grund für die immer wiederkehrenden “Verständnisprobleme” im Tegernseer Stadtrat. Die Bedarfszahlen in der Rechnung der Freien Wähler sind deutlich niedriger, als die die der übrige Stadtrat bereits früher diskutiert hat. Dabei betont Bürgermeister Janssen immer wieder, dass eine abschließende Diskussion und Entscheidung nur Sinn macht, wenn die objektive Bedarfsanalyse vorliegt. Diese wird aber noch dauern. Und bis dahin kann nur spekuliert werden.

So oder so. Richtig schwierig wird die Diskussion nämlich bei der Frage, wo genau denn der Bedarf entsteht. Stadrätin Martina Niggl-Fisser von der Bürger Liste beschreibt das folgendermaßen:

Das alles mit dem Plan B ist ja interessant. Und günstiger ist es scheinbar auch. Aber das löst doch nicht unser Parkplatzproblem nördlich des Alpbachs.

Was Niggl-Fisser damit meint ist das sich zuspitzende Parkplatzproblem an der Hauptstraße. Durch die Verbreiterung der Gehwege fallen zukünftig fünf weitere Parkplätze weg. Die Geschäfte nördlich der Hauptstraße werden jedoch stark von durchfahrenden Kunden frequentiert. Diese Kunden, so die Argumentation bräuchten Parkplätze direkt vor Ort und nicht mehrere hundert Meter weiter weg. Die Befürchtung liegt nahe, dass diese Strecke niemand laufen wird. Und die Kunden somit nach Rottach-Egern weiterfahren, um ihre Besorgungen zu erledigen.

“Der gemeine Autofahrer nutzt auf dem Land kein Parkhaus”

Dabei ist völlig unklar, ob ein Parkhaus auf dem Land von typischen Kurzzeitparkern überhaupt angenommen wird. Der Rottacher Gemeinderat beispielsweise hatte sich im letzten Jahr vehement für einen ebenerdigen Parkplatz auf dem ehemaligen Wandinger-Anwesen ausgesprochen. Bürgermeister Hafner bekräftigt immer wieder, dass seiner Meinung nach ein Parkhaus von den Gästen und Anwohnern nicht angenommen wird. Wobei Hafner dies explizit auf Rottach-Egern bezieht. Inwieweit Tegernsee in diesem Punkt eine Ausnahmestellung einnimmt, muss noch beantwortet werden.

Genau wie die Frage, ob bei angenommener Akzeptanz des Parkhauses, der Vorteil der Nähe durch die Mehrkosten gedeckt werden kann. Derzeit ist nämlich die Attraktivität der Geschäfte im Bereich des ehemaligen Hornanwesens nicht sehr hoch. Damit die Kunden kommen und auch bleiben wird somit auch viel von einer Neuansiedelung neuer Läden abhängig sein. Aber, soviel ist klar, ohne ausreichend Parkplätze werden sich auch keine neuen Geschäfte ansiedeln.

Die größten Profiteure

Eine der wichtigsten und sicherlich auch kritischsten Fragen ist die nach den Profiteuren einer großen Lösung. Wer hat normalerweise was davon wenn ein Mehrmillionen-Euro-Projekt umgesetzt wird? Die offensichtlichste Anwort: Am meisten profitieren Planer, Architekten und Baufirmen von einem Parkhaus. Aber auch die Stadträte und der Bürgermeister haben sicherlich ihre Motive. Der Wunsch nach einer positiven Entwicklung Tegernsees dürfte dabei an erster Stelle stehen.

Bisher kaum diskutiert, aber nicht minder wichtig könnte aber auch das oft unterbewusste Bedürfnis nach Denkmälern sein. Der derzeitige Stadtrat wäre in der Geschichte Deutschlands nicht das erste Entscheidungsgremium welches sich am Ende über pragmatische Argumente zumindest zum Teil hinwegsetzt. Die Egos sind bekanntermaßen groß. Und große Egos lassen sich oft nur durch große und teure Bauwerke beruhigen. Wer das größte Schäufelchen hat, war nicht umsonst schon im Sandkasten wichtig. Und manche Dinge ändern sich auch mit den Jahrzehnten nicht.

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